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Telekom-Zahlen Der Tag der Wahrheit für Obermann

Morgen legt die Deutsche Telekom ihre Bilanz vor. Für Konzernchef Obermann geht es um viel: Dann zeigt sich, wie stark der geplatzte Verkauf von T-Mobile USA die Zahlen belastet. Und das ist nicht sein einziges Problem.

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René Obermann hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Quelle: dpa

Düsseldorf Wenn die Deutsche Telekom morgen ihre Jahresbilanz vorlegt, schlägt für Konzernchef René Obermann die Stunde der Wahrheit. Zu seinem Amtsantritt im November 2006 hatte er ein großes Ziel: den kränkelnden Ex-Monopolisten mit einem strengen Sparprogramm radikal umzubauen. In diesem Zug wollte Obermann die Nettoverschuldung der Deutschen Telekom von damals rund 40 Milliarden Euro abbauen.

Bei der Präsentation des Berichts für das dritte Quartal 2011 führte der Bonner Konzern aber 43,4 Milliarden Euro an Nettofinanzverbindlichkeiten in der Bilanz. Grund hierfür sind hohe Investitionen in den Ausbau von Festnetz- und Mobilfunknetzen, um die Übertragungsgeschwindigkeit zu erhöhen.

Doch Hoffnung war in Sicht. Der Verkauf der Konzerntochter T-Mobile USA an AT&T sollte der Deutschen Telekom 39 Milliarden Dollar einbringen. Den Großteil der Einnahmen wollte Obermann für den Abbau des Schuldenbergs verwenden. Doch der Verkauf ist Ende des Jahres geplatzt, T-Mobile USA bleibt vorerst im Konzern. Zwar hat AT&T bereits die vereinbarte Entschädigung von drei Milliarden Dollar überwiesen - eigentlich hatte der Bonner Konzern aber auf 39 Milliarden Dollar gehofft. Zugleich hätte man sich eines der größten Probleme entledigt.

Die drei Milliarden Dollar sind im Moment rund 2,3 Milliarden Euro wert - das entspricht einem Schuldenabbau von etwa fünf Prozent. Hätte Obermann aber wie geplant 13 Milliarden Euro aus dem T-Mobile-USA-Verkauf in seine Nettofinanzverbindlichkeiten stecken können, wären diese um rund 30 Prozent gesunken - etwa zehn Milliarden Euro weniger als bei seinem Amtsantritt. Damit hätte der Konzernchef eines seiner Hauptziele erfüllt. Hätte.

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    Dennoch verschafft sich die Telekom mit den drei Milliarden Dollar etwas mehr finanziellen Spielraum. Schwieriger zu prognostizieren sind die Auswirkungen auf das Jahresergebnis. Analysten vermuten, dass die Telekom die Barzahlung und die Mobilfunkfrequenzen von AT&T als sonstige betriebliche Erträge verbuchen wird, auf die wohl 420 Millionen Euro an Steuern fällig sind. Zudem muss die Telekom Abschreibungen für zwei Quartale auf die US-Tochter nachholen, die nach dem angekündigten Verkauf von T-Mobile USA im März ausgesetzt wurden. Das war im Übrigen keine Trickserei, sondern entspricht den internationalen Bilanzierungsvorschriften.

    Equinet-Analyst Adrian Pehl erwartet, dass der Nettowertzuwachs in der Bilanz etwa drei Milliarden Euro beträgt. Die nachgeholten Abschreibungen dürften nach seiner Rechnung mit 730 Millionen Euro nach Steuern zu Buche schlagen.


    Auch Griechenland ist ein Problem

    Doch der gescheiterte Verkauf der US-Mobilfunk-Sparte ist nicht das einzige Problemkind in der Bilanz. Die Deutsche Telekom hat sich mit dem Einstieg beim griechischen Telekomanbieter OTE verspekuliert. Die Telekom beteiligte sich 2008 an dem einstigen Monopolisten, der vor allem wegen seiner Töchter in Rumänien, Bulgarien, Albanien und Serbien gut zur Osteuropa-Strategie der Deutschen passte. Doch seitdem hat OTE an der Börse fast 90 Prozent des Wertes verloren. Der Nettogewinn ist von rund 602 Millionen Euro auf zuletzt knapp 40 Millionen Euro eingebrochen. Schuld daran ist die Wirtschaftskrise, die Griechenland erschüttert, aber auch fehlende Reformen im Unternehmen selbst. OTE ist nach Ansicht von Experten personell überbesetzt. Der nötige Abbau wird von den extrem starken Gewerkschaften erschwert.

    Nach langen Verhandlungen haben sich OTE und die Gewerkschaften auf den Rahmen eines Tarifvertrags mit dreijähriger Laufzeit geeinigt. Die wesentlichen Eckpunkte der Einigung sind: Beschäftigungssicherheit für die OTE-Mitarbeiter und eine Senkung der Personalkosten - die Gehälter werden für drei Jahre um rund 11 Prozent herabgesetzt und zum 1. Januar 2015 wieder auf das aktuelle Niveau angehoben. In diesem Zeitraum wird auch die Wochenarbeitszeit auf 35 Stunden reduziert. Ab 2015 gilt dann wieder eine 40-Stunden-Woche.

    Zudem hat OTE Anfang des Jahres ihren 20-prozentigen Anteil an der Telekom Serbia verkauft. Die Transaktion beläuft sich auf 397 Millionen Euro. OTE ist der größte Telekom-Anbieter in Südosteuropa. Die Deutsche Telekom hat erst im Juni 2011 ihren Anteil an den Griechen von 30 auf 40 Prozent ausgebaut. Mittlerweile hat die Telekom aber bereits 1,8 Milliarden Euro der Investition abschreiben müssen.

    Nicht nur die Deutsche Telekom kämpft mit dem schwierigen Marktumfeld für Telekom-Konzerne. Auch der France Telecom machen zunehmende Konkurrenz auf dem Heimatmarkt und die politischen Unruhen in Nordafrika zu schaffen. Der Betriebsgewinn (Ebitda) für das Jahr 2011 fiel um 4,8 Prozent auf 15,08 Milliarden Euro, wie France Telecom heute Morgen mitteilte.

    Der Umsatz sank auf vergleichbarer Basis um 1,6 Prozent auf 45,28 Milliarden Euro und damit im Rahmen der Erwartungen. Die politischen Umwälzungen hätten vor allem die Gesellschaften in Ägypten und der Elfenbeinküste belastet, hieß es.

    Aufgrund neuer Wettbewerber auf dem hart umkämpften Mobilfunkmarkt schraubte France Telecom sein Liquiditätsziel für das laufende Jahr zurück. Der Konzern strebt nun ein Ziel nahe acht Milliarden Euro an, statt der im Mai angekündigten neun Milliarden.


    Schwieriges Marktumfeld für Telekom-Konzerne

    Am Freitag folgen die Jahreszahlen der spanischen Telefonica. In den ersten drei Quartalen ging der Nettogewinn des der O2-Mutter um fast 70 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro zurück. Der Umsatz legte um 5,4 Prozent auf knapp 46,7 Milliarden Euro zu und lag damit 300 Millionen Euro unter den Erwartungen von Analysten.

    Belastet wurde das Neun-Monats-Ergebnis durch den 2,7 Milliarden Euro teuren Abbau von 6.500 Arbeitsplätzen in Spanien.

    2012 werden die Deutsche Telekom und Telefonica in Deutschland kooperieren. Ab dem zweiten Quartal wird die Telekom die Mobilfunk-Antennen von Telefonica in Deutschland an ihr Datennetz anschließen. Telefonica spart sich damit die Kosten für den eigenen Ausbau. Auch die Bonner haben etwas von der Vereinbarung: Sie können damit ihre für viel Geld verbuddelten Glasfaserleitungen besser auslasten.

    Auch bei der britischen Vodafone stehen die Zahlen für das Ende März endende Geschäftsjahr noch aus. Im dritten Geschäftsquartal schrumpfte der Konzernumsatz um 2,3 Prozent auf 11,6 Milliarden britische Pfund, umgerechnet 13,89 Milliarden Euro. Damit gingen die Erlöse stärker zurück als von Analysten erwartet.

    Besonders in den südeuropäischen Ländern Spanien und Italien mit ihrer angespannten Wirtschaftslage fielen die Umsätze in der Zeit von Oktober und Dezember deutlich. Erneut zulegen konnte der Datenumsatz, der dank der wachsenden Verbreitung von Smartphones um mehr als ein Fünftel höher ausfiel.

    Der Mobilfunkkonzern Vodafone musste in dem Ende Dezember abgeschlossenen dritten Geschäftsquartal vor allem in Südeuropa Einbußen hinnehmen. Insgesamt schrumpfte der Konzernumsatz um 2,3 Prozent auf 11,6 Milliarden britische Pfund (13,89 Mrd. Euro), wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Damit gingen die Erlöse stärker zurück als von Analysten erwartet.

    Besonders in den südeuropäischen Ländern Spanien und Italien mit ihrer angespannten Wirtschaftslage fielen die Umsätze in der Zeit von Oktober und Dezember deutlich. Erneut zulegen konnte der Datenumsatz, der dank der wachsenden Verbreitung von Smartphones um mehr als ein Fünftel höher ausfiel.

    Am Ausblick für das laufende Geschäftsjahr (bis Ende März), der im November konkretisiert worden war, hält Vodafone fest und rechnet mit einem bereinigten operativen Gewinn in Höhe von 11,4 bis 11,8 Milliarden britische Pfund.

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