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Telekommunikation Neuer Telekom-Chef will höhere Preise durchsetzen

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Fehlende Investitionen in Deutschland

Diese Firmen mogeln bei den Preisen
Werbung Quelle: dpa
Häufige VerstößeAls Beispiele nennt die Wettbewerbszentrale Handyverträge mit versteckten Kosten oder Werbung für Möbel, die im Preis nur scheinbar reduziert sind. Auch Banken arbeiteten nicht immer transparent. Nachfolgend einige Einzelfälle aus verschiedenen Branchen ... Quelle: dpa
AppleDie Werbung von Apple wurde beanstandet, da damit geworben wurde, dass das iPad der dritten Generation den schnellen Mobilfunkstandard LTE unterstütze. Tatsächlich konnte diese Funktion zum damaligen Zeitpunkt nur in den USA und Kanada genutzt werden, nicht aber in Deutschland. Quelle: dpa
TelekomAuch gegenüber der Telekom Deutschland wurde mit einstweiliger Verfügung des Landgerichts Bonn durchgesetzt, dass in der Werbung für ein iPhone 5 darüber aufgeklärt wird, dass diese mit einer SIM-Lock-Sperre beziehungsweise ein Netlock versehen ist, das Telefon also nur mit einer bestimmten SIM-Karte oder nur im Mobilfunknetz des Anbieters genutzt werden kann. Quelle: dpa
1&1Gegen die 1&1 Internet AG wurde ein Urteil des Landgerichts Koblenz erwirkt, nachdem das Unternehmen eine All-Net-Flat zum Monatspreis von 29,99 Euro neben einem durchgestrichenen Preis von 39,99 Euro und der Aussage „Kostenlos ins deutsche Festnetz und in alle Handy-Netze telefonieren ... Entweder mit eigenem Handy oder das Samsung Galaxy S für 0,- Euro dazu bestellen“ beworben hatte. Allerdings sollte bei Bestellung des Samsung-Handys das Angebot 39,99 Euro, also zehn Euro mehr kosten. Gegen das Urteil hat 1&1 Internet AG Berufung eingelegt. Quelle: dpa
Vodafone D2Die Vodafone D2 GmbH wurde auf Antrag der Wettbewerbszentrale vom Landgericht Düsseldorf verurteilt, nachdem bei einer Werbung für eine Playstation zum Preis von 49,90 Euro nicht ausreichend darüber informiert wurde, dass das Gerät nur in Kombination mit einem Mobilfunkvertrag für weitere monatliche Kosten in Höhe von 19,99 Euro und einer Anschlussgebühr in Höhe von 29,99 Euro erworben werden konnte. Quelle: dpa
Air ChinaGegen die Fluggesellschaften Air China, Emirates Airlines und United Airlines wurden Gerichtsverfahren eingeleitet wegen unzulässiger Preisänderungsklauseln. Preisanpassungsvorbehalte auf Steuern und Gebühren sind nur dann zulässig, wenn zwischen Ticketverkauf und Abflugtermin mehr als vier Monate liegen. Diese Frist hatten die Anbieter in den Beförderungsbedingungen nicht berücksichtigt. Quelle: dapd

Genüsslich weisen die Konkurrenten darauf hin, dass die Deutsche Telekom ihre Investitionen in den vergangenen Jahren so stark zurückgeschraubt hat, dass die Wettbewerber inzwischen rund 55 Prozent, also mehr als die Hälfte, aller Investitionen in die Infrastruktur stemmen.

In Deutschland zögerte in den vergangenen Jahren allerdings nicht nur die Telekom mit dem Glasfaserausbau. Auch die großen Wettbewerber wie Vodafone, United Internet und Telefónica verzichteten weitgehend auf den Ausbau eigener Infrastrukturen; stattdessen nutzten sie quasi als Untermieter das Netz der Telekom mit. Erst jetzt, durch die Übernahme von Kabel Deutschland, nabelt sich Vodafone langsam von der Deutschen Telekom ab und baut das TV-Kabelnetz in 13 Bundesländern zur echten Konkurrenz und zum schnelleren Festnetz aus.

Wenn jemand in Deutschland den Glasfaserausbau in den vergangenen Jahren forciert hat, dann waren dies die mehr als 100 meist von den Stadtwerken gegründeten Regionalanbieter wie Netcologne, M-Net oder Ewetel. Sie haben nicht nur in Ballungszentren, sondern auch in bisher unterversorgten ländlichen Regionen die Telekom überholt. Rund eine Million der bisher in Deutschland geschalteten 1,5 Millionen Glasfaseranschlüsse gehen auf das Konto dieser vergleichsweisen kleinen, meist kommunalen Tochtergesellschaften.

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Der Grund für die Zögerlichkeit des einstigen Staatsmonopolisten liegt nach Ansicht von Jens Prautzsch, Präsident des Bundesverbandes Glasfaseranschluss (Buglas), in der Kalkulation des Unternehmens. „Die bei der Telekom seit Jahren ersichtliche Orientierung an kurzfristigen Renditen ist für Investments, die sich nur langfristig rechnen, eher hinderlich“, meint der Geschäftsführer des Regionalanbieters M-Net in München. „In Deutschland zeigt sich, dass der Glasfaserausbau gerade von den Unternehmen vorangetrieben wird, die mit langfristigen Refinanzierungszyklen operieren und sich nicht an Quartalsberichten ausrichten.“ Eine stärker auf Größeneffekte zielende Regulierungspolitik, wie von der Telekom gefordert, beschleunige den Breitbandausbau in Deutschland überhaupt nicht.

Eine noch unveröffentlichte Studie des DIW im Auftrag des VATM kommt sogar zum Ergebnis, dass die Konkurrenten mit rund 31,5 Milliarden Euro an zusätzlicher Wertschöpfung gesamtwirtschaftlich „klar höhere Wachstumsimpulse gesetzt haben als die Deutsche Telekom“. Diese komme lediglich auf 26 Milliarden Euro. Die Wettbewerber seien stärker als die Telekom auf den Ausbau superschneller Internet-Anschlüsse in zuvor unerschlossenen Gebieten ausgerichtet.

Ex-Postminister Schwarz-Schilling warnt jedenfalls vor Schnellschüssen. „Eine undefinierte Industriepolitik mit der Jagd nach Größe und dies noch verbunden mit sogenannten Regulierungsferien sind kein Modell für die Zukunft.“

PDF ZUM DOWNLOAD:

Die Präsidenten und Geschäftsführer der drei Branchenverbände, in denen sich die Telekom-Konkurrenten zusammengeschlossen haben, äußern sich zur künftigen Regulierungs- und Wettbewerbspolitik:

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