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Telekommunikations-Ausrüster Ericsson fürchtet um China-Geschäft

5G-Marktführer Ericsson fürchtet einbrechende Aufträge in China. Foto: Audi/Ericsson GmbH/obs Quelle: obs

Der schwedische Telekommunikationsausrüster Ericsson fürchtet die Rache Chinas – und damit einen drastisch schrumpfenden Marktanteil im am schnellsten wachsenden 5G-Markt der Welt.

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Das geopolitische Gerangel um den Ausschluss des chinesischen Telekommunikationslieferanten Huawei könnte jetzt ausgerechnet dem Unternehmen schaden, das bislang am meisten profitiert hat – Ericsson. Der schwedische Huawei-Konkurrent warnt Anleihen-Investoren vor neuen Risiken: „Das Risiko, dass uns in laufenden Ausschreibungen in China ein deutlich geringerer Marktanteil zugesprochen wird, steigt“, teilte das Unternehmen mit. Ericsson befürchtet, dass es für die Entscheidung der schwedischen Regierung aus dem Oktober 2020, Huaweis Technologie nicht mehr zu kaufen und bis 2024 komplett aus den Netzen auszubauen, abgestraft wird.

Bislang hatten die Anstrengungen der USA ihre westlichen Bündnispartner zu überzeugen, dem Equipment von Huawei nicht mehr zu vertrauen, Ericsson Rückenwind bereitet. 2020 steigerte Ericsson den Umsatz um fünf Prozent und erwirtschaftete eine operative Marge von zwölf Prozent. „Wir konnten den Turnaround abschließen und sind jetzt führend in der 5G-Technologie“, sagte CEO Börje Ekholm anlässlich des Jahresberichts. Noch vor fünf Jahren schrieb Ericsson tiefrote Zahlen.

Ekholm hatte angesichts der drohenden Vergeltungsmaßnahmen Chinas sogar Partei ergriffen für Huawei. Er kritisierte schwedische Politiker und heuerte Rechtsanwälte an, die Huawei unterstützen sollten. Das passierte nicht ohne Kalkül: China ist weltweit der größte und am schnellsten wachsende 5G-Markt. Ericsson droht in China viel mehr Geschäft verloren zu gehen, als der Konzern in Schweden jemals gewinnen könnte.

In seinem Heimatland erwirtschaftet Ericsson nur ein Prozent seines Umsatzes, in China dagegen acht Prozent. In der Region Nordostasien, zu der China gehört, hatte Ericsson 2020 noch 26 Prozent Umsatzzuwachs erzielt. Außerdem betreibt Ericsson dort ein Forschungszentrum und eine Fabrik mit insgesamt 13.000 Mitarbeitern.

Zu den aktuell laufenden Equipmenttests für die nächste Phase des 5G-Ausbaus in China hatten die vier chinesischen Telekommunikationsunternehmen Ericsson noch eingeladen. Drei von ihnen – China Mobile, China Unicom und China Telecom – sind derzeit Kunden der Schweden. In dieser Ausschreibung gehe es um 75 Prozent der gesamten Investitionen in 5G in China, so die „Global Times“. Die staatsnahe chinesische Zeitung nannte das „die letzte Chance für Schweden, ihre falsche Entscheidung, chinesische Unternehmen wie Huawei aus ihrem nationalen 5G-Ausbau auszuschließen, zurückzunehmen.“

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Der Bann der USA hat Ericsson insgesamt genutzt: Die USA machen für die Schweden aktuell 32 Prozent vom Umsatz aus – das transatlantische Geschäft wuchs genau wie das Gesamtgeschäft um fünf Prozent. Die Schwächung Huaweis durch den Bann führte dazu, dass die Marktforschungsfirmen wie Gartner und Frost & Sullivan Ericsson in diesem Jahr erstmals als globalen Marktführer für 5G-Infrastruktur eingestuft haben.

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