Timotheus Höttges Neuer Telekom-Chef legt Traumstart hin

Die eben veröffentlichten Geschäftszahlen der Deutschen Telekom zeigen: Der Magenta-Riese gewinnt seine Vormacht auf dem deutschen Mobilfunkmarkt zurück.

Fakten zur Drosselung
Für wen gelten die Obergrenzen?Zunächst einmal geht es nur um Neukunden, die einen Vertrag vom 2. Mai 2013 an abschließen. "Bestehende Verträge sind von den Änderungen nicht betroffen“, versprach die Telekom in ihrer Mitteilung am Montag. Greifen soll die Tempo-Bremse zudem "nicht vor 2016“. Quelle: dpa
Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein gewöhnlicher Haushalt die Obergrenze in seinem Tarif überschreitet?Das lässt sich heute mit Blick auf das Jahr 2016 schwer sagen. Der Telekom zufolge kommt ein Kunde heute im Schnitt auf 15 bis 20 Gigabyte im Monat. Das passt zwar mehrfach in die niedrigste angekündigte Daten-Obergrenze von 75 Gigabyte für Anschlüsse mit einer Geschwindigkeit von bis zu 16 MBit pro Sekunde. Allerdings nimmt der Videokonsum aus dem Netz rasant zu. Neue TV-Geräte sind internettauglich, Sender bauen ihre Mediatheken aus, immer mehr Dienste bieten Streaming von Filmen und Serien an. Bis 2016 kann der Datenhunger der deutschen Haushalte also noch stark wachsen. Quelle: AP
Wie weit kommt man denn so mit 75 Gigabyte?Laut Telekom reicht das neben dem Surfen im Netz und dem Bearbeiten von Mails zum Beispiel für zehn Filme in herkömmlicher Auflösung sowie drei HD-Filme, 60 Stunden Internetradio, 400 Fotos und 16 Stunden Online-Gaming. Wenn solche Online-Dienste insbesondere in einem Haushalt mit mehreren Personen fest zum Alltag gehören, häuft sich locker eine höhere Nutzung an. Allerdings: Der hauseigene Telekom-Videodienst Entertain zehrt nicht an dem Daten-Kontingent. Quelle: REUTERS
Und was ist mit den anderen Anbietern?Nach aktuellem Stand würden die Nutzung von Entertain-Konkurrenten wie Apples iTunes-Plattform, Amazons Streaming-Dienst Lovefilm oder des ähnlichen Angebots Watchever sowie von YouTube das Inklusiv-Volumen verbrauchen. Bis 2016 könnten die Anbieter aber noch Partnerschaften mit der Telekom abschließen, die ihnen für gesonderte Bezahlung einen "Managed Service“ garantiert. Dienste solcher Partner tasten das Daten-Kontingent ebenfalls nicht an. Oder die Anbieter könnten sich zum Kampf gegen die Regelung entschließen. Quelle: dpa
Was passiert, wenn man das Inklusiv-Datenvolumen überschritten hat?Entweder man begnügt sich mit der Vor-DSL-Geschwindigkeit von 387 Kilobit pro Sekunde, mit der man vielleicht E-Mails checken und mit viel Geduld auch im Internet surfen kann. Oder man bucht mehr Datenvolumen hinzu. Die Tarife dafür wurden von der Telekom noch nicht genannt. UPDATE: Die neue Grenze liegt bei 2 MG/s (Stand: 12. Juni 2013). Quelle: dpa
Machen andere Internet-Provider bei der Drosselung mit?Vodafone will nicht mitziehen: „Wir haben keine Pläne, die DSL-Geschwindigkeit unserer Kunden zu drosseln.“ Auch Unitymedia Kabel Baden-Württemberg erteilte einer Drosselung eine Absage: Bereits heute könnten Datenübertragungsraten von 150 Megabit pro Sekunde angeboten werden, die mit wenigen technischen Anpassungen auf 400 MBit pro Sekunde erhöht werden könnten. Bei Kabel Deutschland dagegen gibt es bereits Datengrenzen - sie funktionieren aber anders als bei der Telekom. So ist ein Tages-Volumen von 10 Gigabyte vorgesehen, nach dem das Tempo gedrosselt werden kann. Derzeit passiert das aber erst ab 60 GB am Tag. Bei 1&1 gehört das Prinzip fest zum günstigsten Tarif dazu: Bis 100 GB im Monat surft man mit bis zu 16 MBit pro Sekunde, danach nur noch mit der langsamsten DSL-Geschwindigkeit von 1 MBit pro Sekunde. Quelle: dpa

Da steht der Neue nun ganz oben auf der Bühne im großen Konferenzsaal der Bonner Telekom-Zentrale und strahlt. Timotheus Höttges, seit neun Wochen Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, präsentiert eine Bilanz, von der eigentlich niemand weiß, wer die Verantwortung dafür trägt. Sind die überdurchschnittlich guten Zahlen noch das Werk von René Obermann, der sich im vergangenen Jahr Stück für Stück aus dem operativen Geschäft herausgezogen und quasi fließend das Zepter an seinen Duz-Freund Höttges übergeben hat.

Oder trägt das Zahlenwerk schon die Handschrift von Höttges, der insbesondere in der zweiten Jahreshälfte stärker aus Obermanns Schatten herausgetreten ist und selber die ersten wichtigen Weichenstellungen im Konzern vorgenommen hat. Fest steht jedenfalls: Die beiden haben die schwierige Übergangsphase blendend gemeistert – wie sich aus den jetzt vorliegenden Zahlen für das Geschäftsjahr 2013 ablesen lässt.

Vor zwei Jahren sah das noch völlig anders aus. Der Erzrivale Vodafone hatte gerade die Marktführerschaft im Mobilfunk erobert und der Telekom eine prestigeträchtige Niederlage  beigebracht. Bei fast allen wichtigen betriebswirtschaftlichen Kennziffern lieferten die Briten die höheren Werte. Obermann fühlte sich provoziert und schwor, so schnell wie möglich Vodafone wieder vom Thron zu stoßen.  „Wir wollen wieder Marktführer werden“, versprachen die Telekom-Oberen damals. Was sich damals wie ein unverbindliches Lippenbekenntnis anhörte, ist heute Realität. 

Die Deutsche Telekom dominiert den Heimatmarkt so stark wie schon lange nicht mehr. Im Mobilfunk ist der Vorsprung gegenüber Vodafone auf 6,4 Millionen Kunden angewachsen. Und im besonders wichtigen Weihnachtsgeschäft ist die Telekom mit einem Plus von 689.000 Nettoneukunden noch weiter enteilt. Mehr als zwei Drittel des Nettoneukundenzuwachses der vier deutschen Mobilfunkbetreiber im vierten Quartal 2013 gehen auf das Konto des Magenta-Riesen.

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Selbst im Festnetzgeschäft mit DSL-Anschlüssen ist die Telekom vom Siegeszug der deutlich schnelleren TV-Kabelnetzbetreiber weniger stark betroffen als die Konkurrenz. Während Vodafone und Telefónica/O2 weiter DSL-Kunden verlieren, halten die 12,4 Millionen T-DSL-Kunden weiterhin der Telekom die Treue. Dabei hatte die Telekom im vergangenen Geschäftsjahr mit der Ankündigung, die DSL-Anschlüsse von Vielsurfern künftig zu drosseln, das Eigentor des Jahres geschossen. Doch trotz des Proteststurms der Kunden im Internet blieb der auch von Marktforschern erwartete Einbruch aus. Gerademal  23.000 DSL-Kunden kündigten ihren DSL-Anschluss.

Die Botschaft, die von solchen Zahlen ausgeht, ist klar: Milliardeninvestitionen ins Netz und in den Vertrieb zahlen sich aus - nicht sofort, aber spätestens dann, wenn ein Qualitätsunterschied zur Konkurrenz sichtbar wird. Die Folge ist: Auch in den Auslandsmärkten in Europa und den USA muss die Telekom jetzt nachziehen.

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