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Toshiba-Sparte Apple steigt in den großen Chip-Poker ein

Das Wettbieten um die Speicherchipsparte von Toshiba, die Nummer zwei der Welt, bleibt spannend. Nun mischt sich offenbar sogar Apple in den Dreikampf ein. Für den iPhone-Hersteller würde dieser Schritt Sinn machen.

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Der Konzern will rund 16 Milliarden Euro erlösen, um Milliardenverluste aus der Pleite der US-Atomkrafttochter Westinghouse auszugleichen. Quelle: Reuters

Tokio Apple, der Kultkonzern aus Kalifornien, bereichert das Wettbieten um die Speicherchipsparte des japanischen Elektronikkonzerns Toshiba um eine weitere Volte. Laut Medienberichten will sich der iPhone-Hersteller an einem Bieterkonsortium um den amerikanischen Investor Bain Capital beteiligen. Dieser pokert als einer von drei Spielern um die lukrativste Sparte des japanischen Krisenkonzerns. Daneben bieten Gruppen um den amerikanischen Chiphersteller Western Digital und den Auftragsfertiger Foxconn aus Taiwan mit.

Für Apple würde dieser Schritt Sinn machen. Immerhin ist Toshiba nach dem Apple-Erzrivalen Samsung der zweitgrößte Hersteller von NAND-Speicherchips, die in mobilen Geräten eingesetzt werden. Die Kalifornier hätten damit weiterhin eine lieferstarke Alternative zu den immer mächtigeren Koreanern.

Und das beste: Apple könnte den Deal sogar auf den letzten Metern gewinnen. Denn der Vorstand von Toshiba konnte sich am Donnerstag trotz einer selbst gesetzten Deadline mal wieder nicht auf einen bevorzugten Bieter einigen, sondern will weiterhin mit allen dreien verhandeln. Dabei ist der Verkauf der Speicherchipsparte für den schwer angeschlagenen Traditionskonzern extrem wichtig, um nicht im April 2018 von der Börse zu fliegen.

Der Konzern will rund 16 Milliarden Euro erlösen, um Milliardenverluste aus der Pleite der US-Atomkrafttochter Westinghouse auszugleichen. Die hatten das Eigenkapital im abgelaufenen Bilanzjahr massiv ins Minus gedrückt. Wenn Toshiba diese Kapitallücke im laufenden Bilanzjahr nicht schließen kann, wird die Börse Tokio die 141 Jahre alte Ikone der Japan AG aus dem Handel nehmen.

Das Konsortium um Bain, das nach kurzer Führung im wechselreichen Rennen zuletzt wie der Verlierer aussah, hat damit weiter Chancen. Toshiba hatte sich zwar im Juli eigentlich auf Bain als Verhandlungspartner geeinigt, der auch Samsungs heimischen Rivalen SK Hynix mit an Bord hat. Aber die Verhandlungen kamen wegen rechtlicher Risiken nicht voran.

Ausgerechnet Toshibas bisheriger Joint-Venture-Partner in der Speicherchipproduktion, der amerikanische Konzern Western Digital, wollte mit einer Mediation bei der Internationalen Handelskammer einen Verkauf an andere Bieter außer ihm selbst verhindern. Offiziell sorgen sich die Amerikaner, dass das Know-how ihrer Speicherchipsparte SanDisk in die Hände von Konkurrenten fällt.

Unter Zeit- und Regierungsdruck belebte Toshiba daraufhin wieder die Diskussionen mit Western Digital wieder, der unter anderen vom Investmentfonds Kohlberg Kravis Roberts (KKR) unterstützt wird. Mit im Boot ist kurioserweise genauso wie ursprünglich beim Bain-Konsortium Japans halbstaatlicher Sanierungsfonds INCJ und die japanische Entwicklungsbank. Die Regierung will damit sicherstellen, dass die Mehrheit der Anteile an dem Chiphersteller wenigstens für eine längere Übergangszeit in japanischer Hand bleibt, um Fabriken, Jobs und Chip-Expertise in Japan zu halten.


Foxconn hat einen schweren Stand

Anfang der Woche reiste sogar Western Digitals Vorstandschef Steve Milligan nach Japan, um in direkten Gesprächen mit Toshiba-Chef Satoshi Tsunakawa den Durchbruch zu erzielen. Nach Medienberichten näherten sich die juristischen Streithähne auch an. So sind sie offenbar in dem Ziel einig, Toshibas Halbleitersparte an die Börse zu bringen. Nur konnten sie sich dem Vernehmen nach nicht einigen, wie schnell die Amerikaner ihren erst kleinen Aktienanteil auf rund ein Drittel erhöhen dürfen.

Der lachende Dritte könnte am Ende Foxconn aus Taiwan sein, der den japanischen Technikinvestor Softbank und Google im Team hat. Er bietet zwar am meisten, der letzte Stand der Gerüchteküche lag bei rund 23 Milliarden Euro.

Aber die Taiwanesen haben politisch einen schweren Stand. Erstens liegt ein Großteil ihrer Werke in China. Allein das ist ein rotes Tuch für Japans Wirtschaftsplanung. Zweitens beschwerte sich Foxconn-Chef Terry Gou öffentlich, dass Japans Wirtschaftsministerium sein Gebot hintertreibe. Denn der Konzern hat sich den japanischen Displayhersteller Sharp gekauft, für den das Ministerium ebenfalls eine japanische Lösung bevorzugt hatte.

Einige Beobachter vermuten wegen des Hickhacks bereits, dass Toshiba letztlich die lukrative Chipsparte behält und dafür auf die Börse verzichtet. Denn den Japanern läuft die Zeit davon. Um ein Delisting zu verhindern, muss das Geld aus dem Verkauf bis Ende März 2018 auf dem Konto sein. Nur muss der Deal dazu zuvor von den Kartellbehörden in mehreren Ländern abgenickt werden. Und dies braucht nach Meinung von Experten sechs Monate, wenn es schnell geht. Die Toshiba-Saga bleibt damit spannend.

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