Trends der Gamescom Gaming wird zum Breitensport

Angela Merkel eröffnet heute die Gamescom. Gezockt wird längst nicht mehr allein: Social Gaming und E-Sports sind zwei der großen Trends der Spielemesse in Köln. Doch auch die Politik spielt eine Rolle. Ein Überblick.

Fünf Tage dreht sich in Köln wieder alles um digitale Spiele. Quelle: dpa

KölnZehntausende Gamer und eine Kanzlerin: Diese ungewöhnliche Kombination zeigt die große Bandbreite der Computer- und Videospielmesse Gamescom in Köln auf, die am heutigen Dienstag von Angela Merkel eröffnet wird und mit einem Fachbesuchertag beginnt: Die Messe ist einerseits Treffpunkt für Fans, die Spiele-Neuheiten entgegenfiebern und sich sogar im Stile ihrer Helden verkleiden. Aber sie ist auch eine Plattform für politische Diskussionen.

In diesem Jahr werden mehr als 900 Aussteller aus über 50 Ländern ihre Highlights mitbringen. Mit einem umfangreichen Rahmenprogramm wollen die Veranstalter unter dem Motto „Einfach zusammen spielen“ verschiedene Facetten digitaler Games ins Rampenlicht rücken. Die wichtigsten Themen im Überblick – von Social Gaming bis Jugendschutz.

Gemeinsam spielen: Social Gaming

Das Wort „sozial“ hat in der Welt des Digitalen mit Abnutzungserscheinungen zu kämpfen: Soziale Netzwerke, soziale Medien, soziale Plattformen. Nun hat auch die Spielebranche das Schlagwort für sich entdeckt: Social Gaming ist einer der bestimmenden Trends der diesjährigen Gamescom. Die Zeiten, in denen Computerspieler im abgedunkelten Raum alleine vor dem Bildschirm saßen, sind lange vorbei.

Heute taugen viele Spiele zum Partyspaß, wie es zum Beispiel schon „Guitar Hero“ vor Jahren vormachte. Die Hersteller setzen dabei vor allem Mehrspieler-Titel: Zu den erfolgreichsten Neuheiten der vergangenen Jahre zählten „Fifa 17“, „Grand Theft Auto 5“ oder „Mario Kart 8 Deluxe“. Sie alle verfügen über umfangreiche Mehrspieler-Modi, die überwiegend über das Internet genutzt werden – soziales Spielen eben.

Abtauchen in virtuelle Welten: Virtual Reality

Ein großes Thema ist wieder Virtual Reality. Das Abtauchen in programmierte Parallelwelten funktioniert mithilfe von Brillen, die von verschiedenen Anbietern bereitgestellt werden. Sie versprechen ein völlig neues Spielerlebnis: Dinosaurier ins Auge zu schauen oder in Mittelerde Jagd auf Orks zu machen, wirkt fast beängstigend echt, wenn das Gerät über den Kopf gezogen wird.

Tatsächlich halfen die Versprechen der Hersteller bisher wenig – VR ist so etwas wie der ewige Trend, der nicht so recht vorankommen will. Dabei sind die Vorhersagen für die Holodeck-Technologie gar nicht schlecht: Der Marktforscher IDC schätzt, dass die Zahl der genutzten Geräte für Virtual und Augmented Reality von rund 10 Millionen 2016 auf rund 91 Millionen im Jahr 2021 steigen könnten – ein beträchtlicher Teil für Computerspiele.

Dass sich die Technologie schwer tut, liegt nicht zuletzt an den hohen Preisen. Facebook-Tochter Oculus setzte im Rahmen einer Aktion auf eine drastische Preissenkung, kürzlich zog HTC nach. Am erschwinglichsten und wohl am weitesten verbreitet ist die Technologie von Sony, die sich zusammen mit der Playstation 4 nutzen lässt. Auf der Gamescom werden die Hersteller mit beeindruckenden Demonstrationen versuchen, die Spieler von ihrer Technologie zu überzeugen. Trotz der beträchtlichen Preise.


Unkaputtbares Nintendo

Aktiv auf dem Bildschirm: E-Sports

Wohl kaum ein Thema lässt derzeit das Herz von Markenverantwortlichen höher schlagen: E-Sports. Die Verlagerung der sportlichen Massenveranstaltung vom Stadion ins Digitale verspricht nicht nur hohe Umsätze für die Veranstalter von Turnieren, sondern auch für Marken. Die hoffen, bei solchen Veranstaltungen eine junge Zielgruppe zu erreichen, die nur noch selten klassische Medien nutzt. Die Gaming-Branche sieht es sogar schon auf dem Weg zum Breitensport – und fordert eine Gleichstellung mit klassischen Sportarten.

Laut Angaben von Taylor Wessing spielen 70 Millionen Menschen weltweit das Online-Spiel „League of Legends“. Bundesligaclubs wie der VfL Wolfsburg, FC Schalke 04 oder der VfB Stuttgart haben bereits eigene Teams für die Fußball-Simulation „Fifa“ aufgebaut. Das Marktvolumen soll in weniger als drei Jahren bereits etwa 130 Millionen Euro betragen, schätzt die Unternehmensberatung Deloitte. In dieser Woche kündigte zudem Mercedes Benz an, zukünftig als Sponsor von E-Sports auftreten zu wollen.

Auf der Gamescom spielt E-Sports eine große Rolle. Auf großen Bühnen werden Profispieler ihr Können zeigen, während ihnen auf den Zuschauerrängen zahlreiche Fans zujubeln.

Unkaputtbares Nintendo: Spielkonsolen

Jeder liebt ein Comeback – und Nintendo ist immer gut dafür. Der japanische Konsolenhersteller hat mit der Switch ein Konzept entwickelt, das sich gründlich von der Konkurrenz abhebt. Die Konsole ist eine Mischung aus tragbarem und stationärem Gerät: Spieler können also im Wohnzimmer ein Level anfangen und unterwegs beenden. Die Nachfrage ist so hoch, dass der Hersteller mit der Produktion kaum hinterherkommt. Wer trotzdem sehen will, welche Titel es gibt, bekommt auf der Gamescom einen Eindruck.

Eine Erfolgsgeschichte würde auch Microsoft gerne schreiben. Der Konzern will mit seiner Xbox One X die Nachfrage wieder ankurbeln – auf der Messe in Köln wird das Gerät erstmals einem größeren Publikum vorgestellt, im November soll es in den Handel kommen. Der Hersteller preist das neue Modell als „die leistungsfähigste Konsole der Welt“ an – ein Seitenhieb auf den großen Konkurrenten Sony mit der Playstation 4. So kann die Xbox X Inhalte in Ultra-HD-Auflösung darstellen. Davon können sich Besucher in Köln überzeugen.

Politik

Im Wahljahr 2017 spielt die Politik eine wichtige Rolle, nicht nur weil Bundeskanzlerin Merkel die Messe eröffnet. In einer Wahlarena diskutieren die Generalsekretäre der Parteien über Digitalpolitik.

Die Gamescom hat als längst als Treffen für Diskussionen über Computerspiele etabliert. Zum einen gibt es mehrere Entwicklerkonferenzen, auf denen Fachleute beispielsweise erörtern, wie sie mit ihrer Arbeit am besten Geld verdienen oder wie man virtuelle Assistenten wie Alexa und Siri für Spiele einspannen können. Zum anderen bietet ein Kongress ein Podium für Themen wie Jugendschutz oder digitales Lernen.

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