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Triumph mit dem Tolino Wie die deutschen Buchhändler Amazon schlagen

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Gegen Amazon gibt es nur eine Chance

Busch und seinen Mitstreitern war die Gefahr eines Gegenangriffs auf den US-Konzern klar. „Wenn wir das nicht hinkriegen, ist die Sache gelaufen“, so der Thalia-Chef. „Wir haben nur den einen Schuss frei, danach sind die Marktanteile verteilt.“

Ins gleiche Horn stieß Thomas Kiessling, Chief Product & Innovation-Officer der Deutschen Telekom, in Bonn: „Nur wenige Leser wechseln noch einmal von einem System auf das andere.“

Also stellten die Kombattanten im Sommer 2012 in Geheimsitzungen fast ein Dutzend Projektteams mit Fachleuten zusammen, um möglichst rasch ein eigenes Angebot auf den Markt zu bringen.

Der große Aufschlag des Tolino folgte im März 2013. Anders als der Kindle von Amazon arbeitet das Gerät als offene Plattform, das heißt: „Wir ketten die Kunden nicht an unser System, es ist offen für alle Beteiligten und unterschiedliche Buchformate“, sagt Telekom-Manager Kiessling. Auch den Preis des Tolino legt jedes Mitglied der Allianz, das weiter mit den anderen Anbietern in Konkurrenz steht, eigenständig fest.

E-Book-Reader im Vergleich
Der OffeneTolino VisionVertrieb: Buchhandel Preis: 129 Euro Displaygröße: 15 cm Auflösung: 210 ppi Gewicht: 178 g Größe: 16,3 cm x 11,4 cm x 0,81 cm Speicher: 2 GB Info: Erweiterbar über Micro-SD-Karte Tolino Vision Quelle: Presse
Der GünstigeKindleVertrieb: Amazon Preis: 59 Euro Displaygröße: 15 cm Auflösung: 167 ppi Gewicht: 191 g Größe: 16,9 cm x 11,9 cm x 10,2 cm Speicher: 4 GB Info: Keine Beleuchtung, keine epub-Bücher, Werbeeinblendung im Ruhemodus Kindle Quelle: Presse
Der EleganteKindle VoyageVertrieb: Amazon Preis: 249 Euro Displaygröße: 15 cm Auflösung: 300 ppi Gewicht: 188 g Größe: 16,2 cm x 11,5 cm x 0,76 cm Speicher: 4 GB Info: Zusätzlich Mobilfunk, keine Bücher im offenen epub-Format Kindle Voyage Quelle: Presse
Der RobusteAura H2OVertrieb: Kobo Preis: 179 Euro Displaygröße: 17 cm Auflösung: 265 ppi Gewicht: 233 g Größe: 17,9 cm x 12,9 cm x 0,97 cm Speicher: 4 GB Info: Wasserdicht, erweiterbar über Micro-SD-Karte Aura H2O Quelle: Presse
Der BunteColor LuxVertrieb: Pocketbook Preis: 249 Euro Displaygröße: 20 cm Auflösung: 125 ppi Gewicht: 300 g Größe: 17,0 cm x 20,2 cm x 0,9 cm Speicher: 4 GB Info: E-Ink-Display mit 2048 Farben Color Lux Quelle: Presse

Die Spanne reicht von 99 Euro für das Einstiegsmodell Tolino Shine über den Tolino Vision für 149 Euro bis zum Multimedia-Tablet Tab8 für 199 Euro. Im Weihnachtsgeschäft senkten die Buchhändler Hugendubel, Weltbild, Club Bertelsmann und Thalia die Preise für einzelne Geräte aktionsweise mitunter kräftig: Den Shine gab es zeitweise für 77 Euro – und im Sonderangebot beim Kaffeeröster Tchibo für 69 Euro. Zum Vergleich: Der kleinste Kindle kostete zuletzt nur 49 Euro, der Kindle Voyage schlägt mit 189 Euro zu Buche.

Vorteil der Buchhändler

Die E-Bibliothek wird abgeschaltet, wenn der Vertrag mit Amazon endet – die Bücher verschwinden im digitalen Nirvana. Anders beim Tolino. Hier können die Nutzer in jeder der beteiligten Buchhandlungen E-Books kaufen und diese behalten. Hinzu kommt der Vorteil, dass Kunden mittlerweile in fast 1600 Buchhandlungen, die ihn verkaufen, Hilfe bei der Einrichtung des Tolino bekommen.

Für Telekom-Manager Kiessling ist der Tolino nur der Anfang: „Wir wollen noch viel weiter expandieren, auch, um Skaleneffekte bei der Herstellung der Geräte zu erzielen.“ Bei der Telekom in Darmstadt arbeiten 70 Mitarbeiter an der Weiterentwicklung der E-Book-Reader.

Innovationsführerschaft sei „das Ticket, mit dem wir den Marktanteil weiter ausbauen können“, sagt Kiessling. Bei den europäischen Nachbarn sei die Arbeit deutscher Ingenieure noch immer hoch angesehen – und ein wichtiges Kaufargument.

In Arbeit
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Zudem spielen nicht zuletzt die Snowden-Enthüllungen und das wachsende Unbehagen vieler Konsumenten angesichts anonymer Datenspeicher in den USA der Tolino-Allianz in die Karten. Dies sei „ein wichtiger Punkt für viele Kunden, die Sorgen haben, ihre Daten in die USA zu geben“, sagt Telekom-Manager Kiessling.

Dennoch bleibt der Druck auf die Beteiligten hoch, jede neue Tolino-Generation mit zusätzlichen Funktionen wie etwa Wasserdichtigkeit auszustatten, um im Technik-Wettrennen mit Amazon nicht ins Hintertreffen zu geraten.

„Jedes neue Gerät muss sitzen“, sagt Thalia-Chef Busch, „wir dürfen uns keinen einzigen Flop erlauben.“

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