Twitter Kurznachrichtendienst kämpft gegen Cybermobbing

Der Kurznachrichtendienst Twitter steht für Rede- und Meinungsfreiheit wie kein zweites soziales Netzwerk. Das führt mitunter zu Missbrauch. Dagegen will Twitter nun verstärkt vorgehen. Ein Drahtseilakt.

Smartphone-Nutzer twittern. Quelle: REUTERS

Twitter ist ein Raum der Freiheit: Informationen werden direkt und ungefiltert verbreitet. Kein anderes soziales Netzwerk steht so sehr für Meinungsfreiheit wie Twitter. Die Revolution auf dem Tahrir Platz - ohne den Kurznachrichtendienst wäre sie eine andere gewesen. Im Gegensatz zu Facebook und Instagram hat die Plattform nicht einmal Einwände, wenn explizite Erotik verbreitet wird.

Das ist die eine Wahrheit. Die andere ist: Twitter ist ein Paradies für Hasser. Das 140-Zeichen-Limit zwingt zu Simplifizierung und unterdrückt objektive Auseinandersetzungen im Kern. Die Anonymität ermuntert zu Extremen. Dementsprechend rüde geht es beim Kurznachrichtendienst mitunter zu: Beleidigungen, Drohungen und Hass-Propaganda - beispielsweise von der Terrororganisation Islamischen Staat - sind an der Tagesordnung.

Zahlen und Fakten zu Twitter

Darunter hatte etwa Zelda Williams, die Tochter des verstorbenen Komikers Robin Williams, zu leiden. Oder hierzulande die 17-jährige Abiturientin Naina, die mit einem Tweet zuerst eine „Bildungsdebatte“ auslöste und sich dann, nachdem die Beleidigungen gegen sie überhandnahmen, von Twitter verabschiedete.

Twitters Chefjustiziarin, Yijaya Gadde, hat in der "Washington Post" erklärt, wie Twitter so etwas künftig verhindern will.

Sie gibt zu: „Selbst wenn wir erkannt haben, dass es zu Nötigungen kommt, war unsere Reaktionszeit unentschuldbar langsam und unsere Antworten waren zu dürftig.“ Darunter leide die Freiheit – denn manche Nutzer trauten sich aus Angst vor möglichen Reaktionen nicht, ihre wahre Meinung zu schreiben.

Zwischen Zensur und Schutz – ein Drahtseilakt

Das soll sich ändern. Zu diesem Zweck hat Twitter, so Gadde, die Größe des Teams verdreifacht, das sich um beleidigende Beiträge kümmert. Weiter sollen Nutzer künftig bessere Möglichkeiten haben, ihre Twitter-Aktivitäten zu kontrollieren – wie diese aussehen, konkretisierte sie nicht. Auch die Richtlinien seien überarbeitet worden. So hat Twitter im vergangenen Monat sogenannte Rache-Pornos verboten und geht gegen entsprechende Beiträge verstärkt vor.

Dass solche an sich selbstverständliche Sicherheitsmaßnahmen erst jetzt eingeführt wurden, hat einen guten Grund, wie Gadde erklärt: „Wenn sie nicht mit Vorsicht angewandt werden, können Sicherheits-Tools und Richtlinien die Freiheit auf Twitter genauso einschränken wie Missbrauch es kann.“

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Gadde sieht sich und ihr Team deswegen nicht als „Schiedsrichter der Redefreiheit“.

Und doch ist es entscheidend für die Zukunft des Kurznachrichtendiensts, dass er Mobbing in den Griff kriegt, wie Twitter-Chef Dick Costolo in einer internen Mitteilung schrieb, die das US-Magazin "The Verge" im Februar veröffentlichte.

Denn Beleidigungen, Drohungen und Hass kosten „einen Kernnutzer nach dem anderen“, wie Costolo in der internen Mitteilung schrieb. Nutzer wie Naina. Und die machen den Wert des sozialen Netzwerks aus.

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