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Übernahme besiegelt Salesforce und Slack: Bündnis gegen Microsoft

Der Cloud-Pionier Salesforce könnte sich mithilfe des Bürochat-Anbieters Slack noch stärker gegen den Erzrivalen Microsoft positionieren. Quelle: REUTERS

Es ist die mit Abstand größte Übernahme von Salesforce: Der SAP-Rivale wird den Bürochat-Anbieter Slack für 27 Milliarden Dollar übernehmen – und damit vor allem Microsoft mit seinem Kommunikationstool Teams zusetzen.

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Salesforce-Gründer und -Chef Marc Benioff kann sich über seine nächste große Übernahme freuen: Der SAP-Wettbewerber wird das US-Unternehmen Slack kaufen, einen auf Bürochat-Lösungen spezialisierten Anbieter. Man habe eine endgültige Vereinbarung getroffen, „nach der Salesforce Slack übernehmen wird“, teilte Salesforce mit. Der Softwarekonzern wird für die Übernahme 27,7 Milliarden US-Dollar hinblättern: Slack-Aktionäre sollen laut der Mitteilung pro Aktie 26,79 Dollar und 0,0776 Salesforce-Aktien erhalten. Der teuerste Zusammenschluss der Firmengeschichte sei laut Salesforce-Chef Benioff „im Himmel gemacht“.

Auf den ersten Blick wirkt der Schritt wie ein Schlag gegen SAP – gemäß dem Motto: So schnappt man der Konkurrenz eine Firma weg, um beim nächsten großen Trend mit einem Sprung vorne dabei zu sein. Schließlich würde Slack mit seinem Fokus auf die interne Kommunikation bei Unternehmen auch gut zum Softwarekonzern aus Walldorf passen. Doch so einfach ist die Sache nicht.

Auf den zweiten Blick zeigt sich, dass die Stoßrichtung des Zusammenschlusses von Salesforce und Slack eine andere ist. Zumal SAP gerade stark mit sich selbst beschäftigt ist. SAP-Chef Christian Klein will jetzt seine Kernsoftware noch schneller in die Cloud bringen – eine Übernahme in zweistelliger Milliardenhöhe würde da nicht gut in die Zeit passen.

Außerdem ist der wahre Rivale von Salesforce – und zugleich Slack – ein anderer: Microsoft. Salesforce und Microsoft sind beide stark im Segment der Software für das Kundenmanagement, auch Customer Relationship Management (CRM) genannt. Microsoft, der Softwarekonzern aus Redmond, ist zudem bei Kommunikationslösungen einer der ärgsten Rivalen von Slack.

Microsoft konnte in den vergangenen Monaten gegen Slack punkten: Das Unternehmen hat seine Slack-Alternative Teams mit dem Bürosoftware-Paket Office gebündelt, das Quasistandard in vielem Unternehmen ist. Und so tauschten sich immer mehr Menschen, die im Zuge der Coronakrise im Frühjahr von einem Tag auf den anderen aus dem Büro ins Homeoffice umgezogen sind, vor allem über Teams aus – statt ein zusätzliches Tool wie Slack gegen zusätzliches Geld zu installieren. Allein bis Ende März stieg Teams dadurch auf 44 Millionen Nutzer am Tag – deutlich mehr als Slack.

Wenig verwunderlich also, dass der kleine Widersacher in der Coronakrise viele Rabatte gewähren musste, um nicht komplett durch Teams ersetzt zu werden. Unter anderem deshalb war der Slack-Kurs bis Anfang November auf 24 Dollar abgesackt. Spätestens seitdem galt der einstige Überflieger als Übernahmekandidat. Die ersten Berichte über die Offerte von Salesforce befeuerten den Kurs in der vergangenen Woche: Seitdem stieg er um mehr als 48 Prozent. Zur Einordnung: Am Dienstag betrug der nachbörsliche Kurs an der New Yorker Börse stolze 43,55 Dollar.


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In das Salesforce-Portfolio passt Slack jedenfalls gut. Und umgekehrt ergibt die Übernahme auch Sinn: Für Slack bietet nämlich eine Quervermarktung an die Kunden der weit verbreiteten CRM-Lösung von Benioff ein enormes Geschäftspotenzial.

Mehr zum Thema: Das ist das wahre Problem von SAP-Chef Christian Klein.

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