Übernahme US-Telekomriese Verizon schluckt AOL

Der US-Telekomkonzern Verizon will für rund 4,4 Milliarden Dollar den Internetpionier AOL kaufen. Man sei bereit, den Konzern für 50 Dollar pro Aktie zu übernehmen.

Verizon kauft AOL für 4,4 Milliarden Dollar. Quelle: AP

Ein Kapitel Internet-Geschichte geht zu Ende: Der US-Mobilfunkriese Verizon schluckt den Online-Pionier AOL. Der Kaufpreis liegt bei rund 4,4 Milliarden Dollar (3,9 Mrd Euro), wie die Unternehmen am Dienstag mitteilten. Mit 50 Dollar pro Aktie in bar zahlt Verizon einen Aufschlag von 23 Prozent auf den durchschnittlichen Aktienkurs der vergangenen drei Monate. Zu AOL gehören auch die Online-Zeitung „Huffington Post“ sowie bekannte Blogs wie „TechCrunch“.

AOL hatte zu seiner Blütezeit als Internet-Provider allein über 30 Millionen Abonnenten weltweit. Im Jahr 2000 fusionierte AOL im dem Medienkonzern Time Warner. Faktisch übernahm AOL das Traditionsunternehmen getragen vom Höhenflug des eigenen Aktienpreises für mehr als 160 Milliarden Dollar. Auf dem Höhepunkt der Internet-Blase wurde der Zusammenschluss zu AOL Time Warner als zukunftsweisende Verbindung alter und neuer Medien gefeiert.

Doch der Deal brachte nie den erhofften Effekt und wurde später als gigantischer Fehler bezeichnet. AOL wurde 2009 wieder als einzelnes Unternehmen abgespalten und versuchte seitdem, mit wechselndem Erfolg, Geld mit Online-Werbung zu verdienen. Zugleich sind immer noch rund zwei Millionen Amerikaner als Kunden im Zugangsgeschäft registriert.

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In Deutschland profitierte eine Zeit lang der Medienkonzern Bertelsmann erheblich von einer Zusammenarbeit mit AOL. Der damalige Bertelsmann-Vorstand Thomas Middelhoff bewegte den Konzern dazu, früh in AOL zu investieren. Mit dem äußerst lukrativen Deal im Rücken stieg Middelhoff zum Vorstandsvorsitzenden der Bertelsmann AG auf. 1995 ging AOL Europe mit der Bertelsmann AG das Joint Venture AOL Deutschland ein, das drei Jahre später bereits wieder beendet wurde.

Der US-Mobilfunkriese Verizon unterstreicht jetzt mit dem Zukauf seine Ambitionen im mobilen Video- und Werbegeschäft, für das AOL eine Plattform bietet. Die Übernahme soll im Sommer nach Zustimmung der Regulierer abgeschlossen werden. Die AOL-Aktie schoss vorbörslich um mehr als 18 Prozent in die Höhe. Die Papiere von Verizon notierten hingegen leicht im Minus.

Im ersten Quartal legte der AOL-Umsatz im Jahresvergleich um sieben Prozent auf 625 Millionen Dollar zu. Der Nettogewinn sank hingegen um ein Viertel auf nur sieben Millionen Dollar. Die Erlöse im Werbegeschäft legten dabei um zwölf Prozent zu. Der bisherige AOL-Chef Tim Armstrong soll das Geschäft der Firma auch nach der Übernahme weiterführen.

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