WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Übernahme von 21th Century Fox Wie Bob Iger Disney in die Zukunft führt

Seite 2/2

Bob Igers goldrichtige Entscheidungen bei Disney

Unter dem Strich jedoch lag Iger mit seinen durchaus riskanten Übernahmen goldrichtig. Der Disney-Chef hatte frühzeitig erkannt, dass es unabhängig von den sich verändernden Distributionswegen vor allem starke Medienmarken sein würden, die dem Konzern einen Vorteil im beinharten Geschäft verschafften: Pixar bescherte Disney neue Charaktere und Kreativität. Mit Marvel erschloss sich der Konzern, der bis dato vor allem für Familienprogramm und Kinderfilme stand, die Zielgruppe der Jungs und jungen Männer neu. Die tauchen seitdem in Scharen in ein komplettes Universum aufeinander verweisender Superhelden-Filme ab, das nicht unwesentlich zur um sich greifenden Langeweile in den Kinoprogrammen beiträgt.

Und dank Star Wars erschloss sich der Konzern eine weitere vollständige Themenwelt samt einer treuen Anhängerschaft. Alle drei Zukäufe mit all ihren Geschöpfen wiederum füttern ebenso Disneys über Jahrzehnte perfekt geölte Merchandising- und Spielzeugmaschinerie, die Fans mit Spielfigürchen und sonstigem Tinnef beglückt, wie sie auch die Themenparks mit neuen Attraktionen bereichern - ein in seinen Grundzügen bereits vom Gründer Walt Disney ersonnenes mediales Perpetuum Mobile.

Mit der samt Schulden mehr als 82 Milliarden Dollar schweren Übernahme von 21th Century Fox treibt Iger nun seine Übernahme-Orgie jedoch in eine völlig neue Dimension. Der Coup ist zugleich der wohl machtvollste Ausweis für die gewaltigen Veränderungen, die das globale Mediengeschäft in den vergangenen Jahren erlebte. Mit Apple, Amazon und Netflix sind neue Mitspieler auf den Plan getreten, die sich immer stärker im Kerngeschäft der Medienkonzerne breitmachen.

Sie gehen die Traditionshäuser dermaßen robust und vor allem mit Milliarden gepolstert an, dass nicht einmal eine Größe wie der einst so begnadete wie ruchlose Dealmaker Rupert Murdoch, der innerhalb von Jahrzehnten aus kleinsten Anfängen in Australien ein weltumspannendes Medien-Imperium schuf, Sorge hat, noch mithalten zu können. 21th Century Fox, so viel scheint Murdoch klargeworden sein, fehlt auf Sicht wohl die Größe, um als Solitär in Zukunft mit den Internetgiganten noch mitzuhalten, die sich in immer mehr Feldern breitmachen und immer mehr Werbegelder einsaugen. Stattdessen geht nun der größte Teil von Murdochs Reich auf in einem neuen Gebilde. Einem Konstrukt, an dessen Spitze noch für die nächsten Jahre Bob, der Baumeister regiert.

Iger verfügt nun über ein Instrumentarium und eine solche Vielzahl von Popkultur-Ikonen und -Marken wie noch kein Medienmanager vor ihm. Nun kommt es für ihn und den neuen Disney-Konzern darauf an, diese Schätze - und die Umsätze, die sie verheißen - klug und umsichtig zu nutzen. Denn klar ist auch: die schiere Masse allein garantiert Disney noch längst keine erfolgreiche Zukunft. Iger selbst muss nun beweisen, dass er als eine Art Zirkusdirektor ungeahnten Ausmaßes versteht, aus diesem gewaltigen Repertoire etwas zu machen. Denn auch die Kritiker des Mega-Deals werden sehr genau hinschauen, wie Iger die neue Macht nutzen wird.

Allein in den ersten fünf Monaten des Jahres standen Disney-Filme in den USA für ein Drittel der Einnahmen an den Kinokassen. Nun kommen noch einmal weitere 15 Prozent hinzu. Allein dies dürfte dafür sorgen, dass etwa die Betreiber von Kinoketten sorgenvoll auf den Milliarden-Merger schauen. Denn es waren schließlich Igers Truppen, die schon einmal mit der Macht des Marktführers nach besseren Konditionen und einem höheren Anteil an den Ticket-Erlösen für sich und ihre Blockbuster-Filme verlangten. Und zu erwarten, dass die nun wie die zarte Eisprinzessin Elsa auftreten und nicht etwa wie der mächtige Hulk, das wäre nun gar zu märchenhaft.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%