Unternehmen in der Datenwolke Wer nicht auf die Cloud setzt, bekommt ein Problem

Unternehmen, die nicht auf die Cloud setzten, verschenken Geld und Wettbewerbsvorteile, sagen die Unternehmensberater von Bain & Company. Warum das Potential der Datenwolke groß ist, es aber die wenigsten richtig nutzen.

Eine Wolke, Symbol für Cloud-Dienste Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Schorling, Sie sagen, Unternehmen setzen ihre Wettbewerbsfähigkeit aufs Spiel, wenn sie die Cloud nicht nutzen. Ist das nicht ein wenig dramatisch formuliert?

Christopher Schorling: Wir haben in unserer aktuellen Studie gesehen, dass der Cloud-Betrieb bei allen modernen IT-Themen eine Verbesserung gegenüber dem Status Quo darstellt. Wer sich nicht in diese Richtung bewegt, riskiert zunächst die Entwicklungsgeschwindigkeit und Innovationskraft seiner IT. Das kann zu einem echten Problem werden.

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Genauer bitte.
Will ein Unternehmen auf traditionellem Weg eine neue Software implementieren, ist das eine Mammutaufgabe. Es muss seine Bedürfnisse genau analysieren, ein Produkt auswählen, einen Dienstleister wie zum Beispiel SAP beauftragen, die Software konfigurieren und anpassen, was meist ein erheblicher Aufwand ist, und sie auf die eigenen Rechenzentren packen. Beim neuen Ansatz setzen Unternehmen im Idealfall auf Software-as-a-Service.

Das volle Potential der Cloud

Das heißt, externe Dienstleister stellen in ihrer eigenen Infrastruktur die entsprechende Software bereit. Ein prominentes Beispiel ist Microsoft Office 365. Für rund zehn Euro pro Nutzer im Monat kann jedes Unternehmen den Dienst abonnieren. Dafür bekommt es neben den Programmen weitere Funktionen wie Cloud-Speicher und regelmäßige Updates. Ähnliche Lösungsansätze gibt es für andere Bereiche, etwa die Verwaltung von Kundendaten.

Heißt, Unternehmen bekommen Software von der Stange.
Die Software muss natürlich den jeweiligen Ansprüchen genügen. Oft ist die individuell angepasste Lösung jedoch nicht unbedingt besser als der Standard. Das entscheidende ist, dass das Unternehmen sie sofort verwenden kann. Der Anbieter hält sie mit Updates auf Stand und entwickelt sie weiter. Und im eigenen Rechenzentrum spart die Firma Kosten. Der Einsatz einer Public Cloud ist ein schneller und schlanker Weg, um IT-Anwendungen weiterzuentwickeln und Probleme zu lösen. Viele Unternehmen denken deshalb darüber nach. Wirklich konsequent sind allerdings die Wenigsten. In Summe nutzen die Unternehmen gerade mal ein Drittel der finanziellen Vorteile der Cloud.

So können Sie Ihre Daten online abspeichern
DropboxEiner der bekanntesten Cloud-Speicher-Dienste ist Dropbox. Der US-Anbieter gewährt Nutzern vergleichsweise geringe zwei Gigabyte Gratisspeicher – wer die Dropbox anderen empfiehlt kann den Speicher auf bis zu 16 GB erweitern. Entweder über einen Browser oder über die Applikationen von Dropbox lassen sich Daten hoch- und herunterladen. Installiert man die Software, erscheint sowohl beim Windows- als auch beim Apple-Betriebssystem ein Ordner im Explorer, in dem einfach per kopieren und einfügen Daten in die Cloud und aus ihr herausgeholt werden können. Wer mehr Speicher benötigt, kann bis zu einen Terabyte für 9,99 Euro pro Monat erwerben oder für 99 Euro pro Jahr. Quelle: dpa
Microsoft OneDriveMit einem großen Gratisspeicher lockt Microsoft, das 2015 mit OneDrive den Nachfolger seines Cloud-Speichers SkyDrive präsentierte. 15 Gigabyte winken hier, die auf bis zu 20 Gigabyte erweiterbar sind, indem man etwa neue Kunden wirbt und die automatische Sicherung von Bildern aktiviert. Auch hier können Nutzer entweder über den Browser oder über eine Anwendung auf die Cloud zugreifen. Für 100 GB verlangt Microsoft 70 Cent pro Monat, ein Terabyte ist für günstige sieben Euro monatlich zu haben – inklusive dem Microsoft 365 Office-Paket. Nur die Anbieter Spideroak und Livedrive sind noch günstiger. Quelle: dpa
Spideroak Quelle: Screenshot
Google DriveWie auch Microsoft wartet Google Drive mit 15 Gigabyte Gratisspeicher auf. Neben dem Speicher bietet Google einige zusätzliche Cloud-Dienste wie ein Office-Programm, das mehrere Anwender gemeinsam und parallel bearbeiten können; die Versionskontrolle wird über die Cloud-Software synchronisiert. Wer mehr als die 15 Gigabyte Speicher benötigt, kann für 1,99 Dollar pro Monat 100 GB erwerben, ein Terabyte kostet 9,99 Dollar. Der Speicher ist auf bis zu 30 Terabyte erweiterbar – Kostenpunkt: 299,99 Dollar. Quelle: dpa
Amazon Cloud DriveDas Online-Kaufhaus Amazon bietet mit seinem Dienst „Cloud Drive“ fünf Gigabyte freien Speicherplatz für die ersten zwölf Monate. Bei Amazon erworbene MP3-Dateien werden direkt auf der Online-Festplatte abgelegt. 50 Gigabyte sind ab 20 Euro pro Jahr zu haben, ein Terabyte ab 400 Euro. Quelle: dpa
Apples iCloudApple-Nutzer erhalten fünf Gigabyte Cloud-Speicher gratis. Sofern ein iPhone-Nutzer keine anderen Einstellungen vornimmt, landen sämtliche Fotos, die er mit seinem Smartphone schießt, in der Cloud. Auch auf Kontakt-Daten, Termine und andere Anwendungen greift die Cloud zu. Solange man ausschließlich Apple-Geräte nutzt, ist die Synchronisation einer der Aspekte, mit denen Apple besonders punktet. Speichererweiterungen sind problemlos möglich: 50 Gigabyte sind für 99 Cent pro Monat erhältlich, ein Terabyte kostet 9,99 Euro – und damit das Doppelte des Dropbox-Preises. Quelle: dpa
ADrive Quelle: Screenshot

Selbst die Unternehmen, die in der Wolke sind, machen es nicht richtig?
Stellen Sie sich die Cloud in Schichten vor. Viele Unternehmen bleiben an der Oberfläche. Sie nutzen Infrastructure-as-a-Service, eine Art nacktes Cloud-Datenzentrum. Das ist nicht mehr als ein langsames Herantasten. Platform-as-a-Service mit zusätzlichen Funktionen wie Sicherheitsprogrammen und Monitoringtools geht schon einen Schritt weiter. Die wenigsten Firmen entfalten das volle Potenzial in Form von Software-as-a-Service auf breiterer Basis.

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