Valley Talk

Die Zukunft der Online-Speicherdienste

Matthias Hohensee Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Matthias Hohensee Korrespondent (Silicon Valley)

Die Speicherdienste Dropbox und Box boten Google, Microsoft und Co. bisher Paroli. Nun schlagen die Großen zurück.

So können Sie Ihre Daten online abspeichern
DropboxEiner der bekanntesten Cloud-Speicher-Dienste ist Dropbox. Der US-Anbieter gewährt Nutzern vergleichsweise geringe zwei Gigabyte Gratisspeicher – wer die Dropbox anderen empfiehlt kann den Speicher auf bis zu 16 GB erweitern. Entweder über einen Browser oder über die Applikationen von Dropbox lassen sich Daten hoch- und herunterladen. Installiert man die Software, erscheint sowohl beim Windows- als auch beim Apple-Betriebssystem ein Ordner im Explorer, in dem einfach per kopieren und einfügen Daten in die Cloud und aus ihr herausgeholt werden können. Wer mehr Speicher benötigt, kann bis zu einen Terabyte für 9,99 Euro pro Monat erwerben oder für 99 Euro pro Jahr. Quelle: dpa
Microsoft OneDriveMit einem großen Gratisspeicher lockt Microsoft, das 2015 mit OneDrive den Nachfolger seines Cloud-Speichers SkyDrive präsentierte. 15 Gigabyte winken hier, die auf bis zu 20 Gigabyte erweiterbar sind, indem man etwa neue Kunden wirbt und die automatische Sicherung von Bildern aktiviert. Auch hier können Nutzer entweder über den Browser oder über eine Anwendung auf die Cloud zugreifen. Für 100 GB verlangt Microsoft 70 Cent pro Monat, ein Terabyte ist für günstige sieben Euro monatlich zu haben – inklusive dem Microsoft 365 Office-Paket. Nur die Anbieter Spideroak und Livedrive sind noch günstiger. Quelle: dpa
Spideroak Quelle: Screenshot
Google DriveWie auch Microsoft wartet Google Drive mit 15 Gigabyte Gratisspeicher auf. Neben dem Speicher bietet Google einige zusätzliche Cloud-Dienste wie ein Office-Programm, das mehrere Anwender gemeinsam und parallel bearbeiten können; die Versionskontrolle wird über die Cloud-Software synchronisiert. Wer mehr als die 15 Gigabyte Speicher benötigt, kann für 1,99 Dollar pro Monat 100 GB erwerben, ein Terabyte kostet 9,99 Dollar. Der Speicher ist auf bis zu 30 Terabyte erweiterbar – Kostenpunkt: 299,99 Dollar. Quelle: dpa
Amazon Cloud DriveDas Online-Kaufhaus Amazon bietet mit seinem Dienst „Cloud Drive“ fünf Gigabyte freien Speicherplatz für die ersten zwölf Monate. Bei Amazon erworbene MP3-Dateien werden direkt auf der Online-Festplatte abgelegt. 50 Gigabyte sind ab 20 Euro pro Jahr zu haben, ein Terabyte ab 400 Euro. Quelle: dpa
Apples iCloudApple-Nutzer erhalten fünf Gigabyte Cloud-Speicher gratis. Sofern ein iPhone-Nutzer keine anderen Einstellungen vornimmt, landen sämtliche Fotos, die er mit seinem Smartphone schießt, in der Cloud. Auch auf Kontakt-Daten, Termine und andere Anwendungen greift die Cloud zu. Solange man ausschließlich Apple-Geräte nutzt, ist die Synchronisation einer der Aspekte, mit denen Apple besonders punktet. Speichererweiterungen sind problemlos möglich: 50 Gigabyte sind für 99 Cent pro Monat erhältlich, ein Terabyte kostet 9,99 Euro – und damit das Doppelte des Dropbox-Preises. Quelle: dpa
ADrive Quelle: Screenshot

Es gab in den vergangenen Jahren immer wieder Gerüchte im Silicon Valley, welcher High-Tech-Konzern die Start-Ups Box und Dropbox kaufen würde. Deren Gründern war das Kunststück gelungen, direkt unter der Nase von Schwergewichten wie Apple, Hewlett-Packard, Google, Microsoft und Amazon populäre Online-Speicherdienste aufzubauen, in denen jedermann bequem Fotos, Musik oder Texte sichern kann.

Apple-Gründer Steve Jobs soll – wohl nur halb im Scherz – gedroht haben, Dropbox plattzumachen, falls es eine Kaufofferte ausschlage. Hewlett-Packard klopfte bei Wettbewerber Box an. Doch die Gründer wollten lieber eigenständig bleiben. Ihre Investoren witterten höhere Gewinne durch Börsengänge. Sie statteten Box mit rund einer halben Milliarde Dollar Wagniskapital aus, Dropbox sogar mit 1,1 Milliarden.

Die Story war schließlich attraktiv. Box startete seinen Speicherdienst 2005, Dropbox 2007. Beide konzentrierten sich zunächst auf Konsumenten und deren wachsende Flut an Digitalfotos. Sie punkteten mit einfacher Bedienung, kostenlosen Basisdiensten und dem parallelen Verwalten der Dokumente auf Desktops, Notebooks, Tablets und Smartphones.

Dropbox und Box drohen im Preiskampf unterzugehen

Diese Beliebtheit nutzten sie zum Vordringen ins Unternehmensgeschäft. Dropbox behauptet, mittlerweile 80.000 zahlende Geschäftskunden zu haben. Box kommt nur auf die Hälfte, darunter aber Großkunden wie den Konsumgüterkonzern Procter & Gamble oder den Autohersteller Toyota.

Die Gerüchte, beide Unternehmen würden gekauft, halten sich weiterhin hartnäckig. Doch die Zeiten haben sich geändert. Box und Dropbox drohen in einem gnadenlosen Preiskampf der Giganten finanziell ausgehungert zu werden.

Vor- und Nachteile des Cloud Computing

Die Eskalation begann im Frühjahr, als Google den Preis für 100 Gigabyte Speicher auf 1,99 Dollar pro Monat senkte. Im Juni zog Microsoft mit 1,99 Dollar gleich, offerierte aber die ersten 50 Gigabyte gratis. Google konterte mit 2 Terabyte Gratis-Speicherplatz für Geschäftskunden pro Jahr. Im Juli schlug Amazon mit seinem neuen Speicherservice Zocalo zu. Für 5 Dollar im Monat gibt es 200 Gigabyte, zahlen muss nur, wer sein Konto aktiv nutzt.

Für Dropbox ist Amazons Offensive besonders bitter. Das Start-up mietet seinen Speicherplatz bei dem Online-Giganten aus Seattle, der ihm nun Konkurrenz macht. Und Apples neues Betriebssystem Yosemite, das im Herbst auf den Markt kommt, hat einige der Dropbox-Funktionen kopiert.

Box ist unprofitabel

Wie können die beiden Firmen kontern? Klar ist: Der Gang zur Börse ist versperrt, solange der Eindruck vorherrscht, die Kandidaten würden zerrieben. Frisches Kapital ist hier also nicht zu holen.

Box versucht es mit einer Offensive. Sein Gründer Aaron Levie hat gerade noch einmal 150 Millionen Dollar Wagniskapital eingesammelt und bietet seinen Geschäftskunden nun unbegrenzten Speicherplatz für 15 Dollar im Monat an. Ein Modell, das er – im Gegensatz zu seinen großen Wettbewerbern – nicht lange durchhalten kann. Box ist unprofitabel. Es hat seit Gründung etwa 400 Millionen Dollar verloren.

In Arbeit
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Doch die Zukunft sieht gar nicht so schlecht aus. Box und Dropbox sind international bekannte Marken in einem Wachstumsfeld. Sie haben Kunden, die schon aus Bequemlichkeit nicht einfach wechseln. Voraussichtlich wird auch Facebook in den Speichermarkt einsteigen, sobald die Aufsichtsbehörden die Übernahme des Kurznachrichtendienstes WhatsApp genehmigt haben. Facebook-Chef Mark Zuckerberg ist mit Dropbox-Gründer Drew Houston gut bekannt. Wer immer Dropbox und Box übernimmt, wird sicherlich keine Rekordsummen zahlen. Doch wer wird nicht lieber gerettet, statt unterzugehen?

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