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Valley Talk

Intel steht am Anfang einer Zeitenwende

Matthias Hohensee Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Matthias Hohensee Korrespondent (Silicon Valley)

Die Hoffnung stirbt zuletzt, doch am Bedeutungsverlust des Chipriesen wird auch der in Kürze präsentierte neue Chef nichts mehr ändern. Zu tief greifend ist der Umbruch in der High-Tech-Branche.

Es ist der größte Rückgang seit 20 Jahren: Im ersten Quartal, schrumpfe der Absatz von Desktops und Laptops weltweit um 14 Prozent. Der Halbleitergigant Intel spürt das schmerzhaft. Quelle: REUTERS

Jahrelang galt: Was gut ist für Intel, ist auch gut für das Silicon Valley. Der 1968 gegründete Halbleiterhersteller gilt neben Hewlett-Packard als Keimzelle des Silicon Valley und als Pate für dessen einprägsamen Namen. Mit Silizium in Form von Computerchips ließ sich in den vergangenen fünf Jahrzehnten gutes Geld verdienen. Wenn Intel prosperierte, waren die Zeiten im Silicon Valley gut. Stagnierte das Geschäft wie in den Achtzigerjahren und zum Jahrhundertwechsel, machte sich Katzenjammer breit.

Setzte sich diese Tradition fort, dann müssten dem Silicon Valley düstere Zeiten bevorstehen. Denn Intel, dessen Chef Paul Otellini im Mai abtritt, steckt mal wieder in der Krise. Nun ist klar, dass der fürs Tagesgeschäft zuständige Brian Krzanich zur Hauptversammlung am 16. Mai übernimmt. Er tritt ein schweres Erbe an.

Das iPhone wandelt die Wirtschaft
Die überraschende Ankündigung, dass der seit 2005 amtierende Intel-Vorstandschef Paul Otellini im Mai 2013 zurücktritt, dürfte unter anderem einem Umstand geschuldet sein: Zwar ist Intel immer noch der weltgrößte Halbleiterkonzern – jedoch spielt er im boomenden Geschäft mit Tablets und Smartphones nur eine untergeordnete Rolle. Seit Jahresbeginn war die Intel-Aktie zuletzt durch die schnell sinkenden PC-Verkäufe und dem wachsenden Interesse der Verbraucher, lieber zu Smartphone und Tablet zu greifen, unter Druck geraten. Quelle: AP
Doch der Siegeszug bei Smartphones und Tablets macht gleich einer ganzen Reihe von Gadgets sowie deren Herstellern das Leben schwer. Dank der immer besser werdenden Kameras in Smartphones stagniert das Geschäft mit eigenständigen Digicams – zumindest in der Kompaktklasse. Der Fotopionier Kodak musste im Januar 2012 Insolvenz anmelden; andere Hersteller wie Canon oder Sony suchen ihr Heil in höherwertigen Systemkameras. Quelle: dpa
Gleiches gilt – wenn auch in abgeschwächterem Maße – für Bewegtbilder. Dank hochauflösender Kameras können Highend-Smartphones wie etwa das iPhone 5 oder Samsungs Galaxy S3 auch Video-Clips in Full-HD aufnehmen. Cisco hat die Produktion des einstmals führenden Kompakt-Camcorders Flip im Frühjahr 2011 eingestellt – nur knapp zwei Jahre nach der Übernahme des Unternehmens. Quelle: REUTERS
Auch eigenständige Navigationsgeräte werden von Smartphones und Tablets zunehmend in eine Nische gedrängt. Der Aktienkurs des börsennotierten Anbieters Tom Tom dümpelt etwa seit gut anderthalb Jahren unterhalb von fünf Euro. Quelle: gms
Die erste Industrie, die Apple-Gründer Steve Jobs revolutioniert hat, war die Musikbranche mit dem digitalen Musikspieler iPod und dem Web-Shop iTunes Music Store. Inzwischen frisst die Revolution ihre Kinder: Weil der Player jetzt in iPhone und iPad integriert ist, sind die Verkaufszahlen des iPod seit 2008 rückläufig. Quelle: REUTERS
Dank inzwischen jeweils deutlich über 700.000 Apps unter Apple und Android gibt’s für die Mehrzahl aller Smartphones ein geradezu unerschöpfliches Reservoir an Spielen. Klassische mobile Daddelkisten wie etwa Sonys PSP können Gamern kaum noch einen Mehrwert bieten. Quelle: REUTERS

Nicht so sehr finanziell. Auf dem Papier schaut Otellinis Vermächtnis glänzend aus. In seinen acht Jahren an der Spitze des Halbleiterherstellers steigerte er dessen Umsatz von 38 Milliarden Dollar auf fast 54 Milliarden Dollar und fuhr im Geschäftsjahr 2011 den Rekordgewinn von fast 13 Milliarden Dollar ein. Nach Apple und Hewlett-Packard ist Intel das umsatzstärkste Unternehmen des Silicon Valley. Wobei der Halbleitergigant im Gegensatz zu HewlettPackard weiterhin gutes Geld verdient.

Was also ist das Problem? Otellini versagte dabei kläglich, das Unternehmen für den Umbruch einer von Desktops und Laptops dominierten Computerbranche in eine Welt der Mobiltelefone und Tablets fit zu machen. Während Intel weiter bei Prozessoren für traditionelle Computer dominiert - laut Marktforscher IDC mit rund 80 Prozent Marktanteil weltweit -, ist das Unternehmen im Wachstumsmarkt Smartphones und Tablets kaum vertreten.

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