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Valley Talk

Wie Facebooks Börsengang das Tal gepusht hat

Matthias Hohensee Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Matthias Hohensee Korrespondent (Silicon Valley)

Als Mark Zuckerberg mit dem weltweit erfolgreichsten Sozialen Netzwerk Facebook an die Börse gegangen ist, hat das den Anlegern gar nicht gut getan. Dem Silicon Valley hingegen schon. Über das Tal der Auserwählten.

Facebooks Schritte seit dem Börsenflop
18. Mai 2012: Der FlopFacebook geht erstmalig an die Börse und muss schon wenige Tage später eine Schlappe einstecken. Die Aktie fiel im Nasdaq auf 13,1 Prozent und wurde zu einer der größten Blamagen, die es bei einer Premiere an der Wall Street je gegeben hat. Der Hintergrund des Debakels liegt in Recherchen der US-Wirtschaftsmedien "Wall Street Journal", "New York Times", den Agenturen Bloomberg und Reuters sowie diversen Börsenbloggern. Anscheinend wollten institutionelle Investoren mit dem Milliarden-Deal kräftig verdienen – und das auf Kosten der kleinen Anleger, die über die wahren Aussichten von Facebook im Dunkeln gelassen worden seien. Im Vorfeld des Börsengangs seien "zentrale Informationen" über die Geschäftslage von Facebook nur "selektiv offengelegt" worden. Insider hätten vorab gewusst, dass Facebook weniger wert war, als der Öffentlichkeit vermittelt wurde. Quelle: dpa
24. September 2012: Schwarzer Börsen-TagDie Facebook-Aktie hat am 24. September einen ihrer schwärzesten Tage seit dem Börsengang im Mai erlebt. Sie verlor bis zum Börsenschluss in New York mehr als 9 Prozent auf 20,79 Dollar. Grund für den Einbruch waren erneut hochgekochte Zweifel daran, dass das Soziale Netzwerk seine überlebenswichtigen Werbeeinnahmen wie erhofft steigern kann. Ein Problem, mit dem Facebook seit dem Siegeszug von Smartphone und Tablet zu kämpfen hat. Quelle: dpa
August/September: Timeline wird zur PflichtEinige Monate hatte Facebook die „Chronik“ als Option angeboten. Dann kam nach einer Siebentagesfrist weltweit die Zwangsumstellung auf das neue Facebook-Profil. Damit änderte sich die Optik der Startseite. Neben dem Profilbild kam das große Titelbild dazu. Darunter stehen seitdem die Eckdaten, etwa welchen Beruf jemand hat, wo er wohnt oder mit wem er verheiratet ist. Am rechten Rand findet sich ein Zeitstrahl. Alle Postings werden in Monatsordnern sortiert abgespeichert. Mit der Umstellung tauchten wieder etliche alte Bilder im sichtbaren Bereich auf, was für einigen Ärger bei den Usern sorgte. Quelle: REUTERS
September 2012: Der Instagram DealIm September wurde bekannt, dass Facebook das US-Softwareunternehmen Burbn übernimmt, das die Fotosharing-App Instagram und den dazugehörigen Fotosharingdienst entwickelt hat. Der Kaufpreis soll laut Medienberichten eine Milliarde US-Dollar betragen. Die Fotosharing-Anwendung für mobile iOS- und Android-Geräte sind seitdem ein Teil von Facebook. Damit lassen sich Fotos verfremden und über soziale Netzwerke verbreiten. Neben dem eigenen Fotosharing-Dienst von Instagram bestehen Schnittstellen zum Beispiel zu Facebook, Flickr, Twitter, Posterous, Tumblr und Foursquare. Quelle: dapd
12. Oktober 2012: 1 Milliarde NutzerGründer Mark Zuckerberg verkündete persönlich, dass die Rekordmarke von einer Milliarde Nutzern geknackt worden sei. "Einer Milliarde Menschen zu helfen, ist unglaublich, es erfüllt einen mit Demut und es ist das, worauf ich mit Abstand am meisten stolz in meinem Leben bin", schrieb der 28-Jährige auf seiner Facebook-Seite. Für Zuckerberg zementiert die Rekordmarke auch die geschäftliche Zukunft des Unternehmens. "Die Frage für die nächsten fünf oder zehn Jahre wird nicht sein, ob Facebook zwei oder drei Milliarden erreicht", sagte er in einem Interview mit dem Magazin "Businessweek". Faceboo kämpfe vielmehr darum, die Einnahmen schneller zu steigern, während die Aktie schwächelt. Quelle: dapd
15. Januar: Graph SearchMark Zuckerberg stellt im Rahmen einer Pressekonferenz die Suchmaschine „Graph Search“ vor. Damit steigt Facebook stärker in die Suche ein. Zuckerberg sieht das Produkt neben "Newsfeed“ (Aktivitäten von Freunden und Bekannten) und "Timeline“ (die eigenen Aktivitäten) als dritten großen Eckpfeiler seines Unternehmens. Die Anleger waren wenig begeistert. Die Facebook-Aktie drehte ins Minus. Denn ein "Jungbrunnen“ für das gealterte Facebook, den viele erwartet hatten, ist die "Graph Suche“ nicht. Zudem ist sie in der Beta-Version nur wenigen Facebook-Nutzern zugänglich und sehr eingeschränkt. Weitere Informationen Quelle: REUTERS
30. Januar 2012: Mehr Werbe-EinnahmenFacebook wächst weiter und auch die mobile Werbung nimmt Fahrt auf. Doch die Margen schrumpfen, unter dem Strich bleibt weniger übrig. Die Kosten steigen und es wird massiv investiert. Die Börse reagiert mit Verunsicherung. Das Umsatzwachstum im Weihnachtsquartal von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 1,58 Milliarden Dollar übertraf sogar die Analystenschätzungen von im Schnitt 1,53 Milliarden Dollar. Doch dem weltgrößten Social Network laufen die Kosten davon. Der Nettogewinn des Unternehmens aus dem kalifornischen Menlo Park fiel im Jahresvergleich um dramatische 79 Prozent auf nur noch 64 Millionen Dollar. Nachbörslich verlor die Aktie in der Spitze bis zu zehn Prozent, erholte sich später aber wieder leicht. Quelle: REUTERS

Egal, wie laut die Anleger klagen, für das Silicon Valley hat sich der Börsengang von Facebook ausgezahlt. Nicht nur für das sorgsam gehegte Image vom Tal der Auserwählten, in dem regelmäßig neue Milliardenunternehmen entstehen – trotz horrender Büromieten, maroder Straßen und Schulen sowie hoher Steuern und Gehälter. Das prosperierende Netzwerk aus Talenten, Gründern sowie Geld und Auftraggebern wiegt die Nachteile eindeutig auf.

Auch die lokale Bauwirtschaft profitiert. Denn das neue Hauptquartier des sozialen Netzwerks am Rande von Menlo Park, dessen Einfahrt ein nach oben gereckter "Mag ich" Daumen ziert, wird bald zu klein. So errichtet schräg gegenüber Stararchitekt Frank Gehry bis Ende 2014 einen zusätzlichen Bürokomplex, damit die Zahl der örtlichen Facebook-Mitarbeiter von heute 2200 auf 9000 im Jahr 2019 wachsen kann.

Kapital hat Facebook reichlich. Elf Milliarden liegen immer noch auf der hohen Kante. Was wiederum die Fantasien von Startup-Gründern beflügelt, die an das soziale Netzwerk andocken wollen.

Die Immobilienpreise im Silicon-Valley steigen

Vieles erinnert an den Effekt des Google-Börsengangs vor neun Jahren, der nicht nur Unternehmer inspirierte und zusätzliches Wachstumskapital freisetzte, sondern auch die lokale Wirtschaft stimulierte. Auch wenn sich die Anbieter von Luxuslimousinen ein besseres Geschäft erhofft hatten. Doch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg mag es einfach nicht, wenn Reichtum unverhohlen zur Schau gestellt wird.

Häuser sind ohnehin die bessere Geldanlage. Zumal, wenn sie wie Zuckerbergs Eigenheim in Palo Alto zu Rekord-Niedrigzinsen finanziert werden können. Die Immobilienpreise sind im Facebook-Google-Apple-Speckgürtel, der sich über 30 Kilometer zwischen Menlo Park, Palo Alto, Mountain View und Cupertino erstreckt, nie richtig eingebrochen. Und derzeit kräftig am Steigen. In Menlo Park, der neuen Heimat von Facebook, haben sie seit dessen Börsengang vor einem Jahr nochmals um zehn Prozent zugelegt.

Anleger allerdings, die sich vor einem Jahr zum Facebook-Börsengang mit Aktien des sozialen Netzwerks eindeckten, kennen bislang nur den gegenteiligen Effekt. Der Einführungskurs stürzte von 38 auf 17,5 Dollar ab. Seitdem ist der Kurs wieder auf 26 Dollar gestiegen, obwohl sich seit dem Börsengang die Zahl der frei handelbaren Aktien verfünffacht hat.

Trotz des Kursrutschs ist die Aktie immer noch sehr teuer. Der Facebook-Börsenwert beträgt etwa das 13-Fache des Vorjahresumsatzes. Bei Google hingegen liegt er nur beim Fünfeinhalbfachen des Umsatzes.

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