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Videoplattform YouTube kündigt Maßnahmen gegen Fake News an

Soziale Netzwerke und Webplattformen kämpfen gegen Falschnachrichten. Auch YouTube will nun verstärkt gegen die Flut von Fake News vorgehen.

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Youtube will künftig „zuverlässige“ Nachrichtenquellen prominenter hervorheben. Quelle: AP

New York YouTube will verstärkt gegen Falschnachrichten auf der Online-Videoplattform vorgehen und zugleich etablierte Medien unterstützen. Dazu würden künftig „zuverlässige“ Nachrichtenquellen prominenter hervorgehoben, kündigten Manager des zu Google gehörenden Unternehmen am Montag an. Dies gelte vor allem bei überraschenden Nachrichtenlagen, in deren Folge sich Fake News besonders leicht verbreiteten.

In solchen Fällen will YouTube Nutzern in den Suchergebnissen künftig eine kurze Textvorschau eines Nachrichtenartikels anzeigen. Auf diese Weise soll ein Gegengewicht zu Videos gesetzt werden, die unmittelbar nach Gewaltakten, Naturkatastrophen und anderen Großereignissen rasch hochgeladen werden, oft aber falsche Informationen beinhalten.

Nach dem Massaker von Las Vegas mit mindestens 59 Toten im Oktober 2017 tauchten beispielsweise bei YouTube prominent Videos mit angeblichen „Belegen“ auf, wonach solche Massenschießereien ein Schwindel seien, die von „Krisenakteuren“ ausgeführt würden.

Bei großen Nachrichtenlagen brauchen Medien oft eine gewisse Zeit, um qualitativ hochwertige Videoclips zu produzieren und zu prüfen. Daher strebe YouTube an, den Kreislauf der Falschinformationen durch das Anzeigen von Artikeln zu durchbrechen, die schnell einen Überblick über die tatsächliche Lage der Dinge liefern könnten, berichteten die Manager in YouTube-Büros in New York.

Allerdings wurden nur vage Angaben über die Quellen gemacht, die die Online-Plattform als zuverlässig erachtet. Man wolle nicht einfach nur eine Liste mit etablierten Nachrichtenmedien zusammenstellen, die bei YouTube populär seien, zumal die Definition von „verlässlich“ auch „fließend“ sei, sagte Produktmanager Neal Mohan. 10.000 Prüfer bei Google, die Sucherergebnisse aus aller Welt bewachen, würden aber bestimmen, welche Quellen und Nachrichten als verlässlich eingestuft werden könnten.

In den nächsten Jahren will YouTube zudem 25 Millionen Dollar in die Verbesserung von Nachrichten auf der Videoplattform stecken. Das Geld solle unter anderem Medienhäusern in aller Welt beim Aufbau von „nachhaltigen Videoabläufen“ unterstützen - etwa über Schulungen des Personals und einem Ausbau von Produktionsanlagen. Das Erstellen von Videos will YouTube aber nicht finanzieren.

Zugleich will die Firma prüfen, ob mit gemeinhin als verlässlich eingeschätzten Quellen wie Wikipedia und Encyclopedia Britannica grassierenden Verschwörungsvideos entgegengewirkt werden könnte. Berüchtigte Themen, die Anlass zu kruden Thesen geben, will Google künftig für Nutzer um Zusatzinformationen von Dritten ergänzen.

Alexios Mantzarlis von der Journalistenschule Poynter Institute sah in den bei YouTube geplanten Nachrichtenartikeln bei Suchergebnissen einen „zaghaften guten Schritt nach vorne“. Doch frage er sich, was mit Fake-News-Videos passiere, die auf YouTube empfohlen würden und dann ohne Prüfung in den Feeds auftauchten. Es wäre ratsam, wenn Google Menschen statt Algorithmen einsetzen würde, um Inhalte auf Falschnachrichten zu testen.

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