Vodafone Historischer Absturz eines Mobilfunk-Riesen

Vodafones Marktanteil ist auf einen historischen Tiefststand abgestürzt. Schon im nächsten Quartal könnte der Konzern unter die Schallmauer von 30 Millionen Kunden fallen.

Vodafone Quelle: dpa

Können Sie sich noch an den 18. Dezember des Jahres 2006 erinnern? Damals, also vor rund neun Jahren, hatte der damalige Deutschland-Statthalter von Vodafone, Friedrich Joussen, allen Grund zum Feiern. Mitten im Weihnachtsgeschäft durchbrach die Nummer Zwei auf dem deutschen Mobilfunkmarkt die Schallmauer von 30 Millionen Kunden.

750.000 Neukunden hatte Vodafone in nur zweieinhalb Monaten gewonnen. Joussen lieferte sich mit dem damaligen Telekom-Chef René Obermann ein Kopf-an-Rennen um die Marktführerschaft. Zur Erinnerung: Damals gab er erst 85 Millionen aktivierte Mobilfunk-Sim-Karten in Deutschland.

Jetzt rückt Vodafone wieder nahe an die damals überschrittene 30-Millionen-Marke heran – allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. Vodafones Konzernchef verkündete heute bei der Vorlage der Quartalszahlen, dass nur noch 30,3 Millionen Vertrags- und Prepaid-Kunden das Vodafone-Netz nutzen – 600.000 Kunden weniger als Ende März 2015.

Zum Vergleich: Heute telefonieren 112 Millionen Kunden in den deutschen Mobilfunknetzen, 27 Millionen mehr als 2006. Vodafones Marktanteil ist damit auf einen historischen Tiefststand von 27 Prozent abgestürzt. Seit dem Rekordstand im September 2011 (37,6 Millionen Kunden) hat Vodafone damit mehr als sieben Millionen Mobilfunkkunden in Deutschland verloren. Hält der Trend an, wird Vodafone bereits im nächsten Quartal unter die 30-Millionen-Marke rutschen.

Richtungsstreit bei Vodafone

Angesichts solch einer desaströsen Marktentwicklung ist verständlich, dass hinter den Kulissen von Vodafone ein Richtungsstreit über die künftige Ausrichtung des Unternehmens tobt. Joussens Nachfolger Jens Schulte-Bockum warf bereits Ende Mai wegen „unüberbrückbarer Differenzen“ das Handtuch.

Die zehn umsatzstärksten Telekomkonzerne der Welt

Vor wenigen Tagen feuerte Colao auch noch seinen überaus ehrgeizigen, aber erfolglosen Europa-Chef Philipp Humm. Den Ausweg aus der Krise sieht Colao offenbar darin, die europäischen Landesgesellschaften noch stärker von der Konzernzentrale in London zu steuern.

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Immerhin: Der neue Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter hat durchgesetzt, dass er kein reiner Befehlsempfänger sein wird. Wie die Chefs der drei anderen großen Landesgesellschaften in Großbritannien, Italien und Spanien steigt er ins oberste Führungsgremium des Vodafone-Konzerns auf.  Ihre erste Aufgabe wird sein, die Führungskrise bei Vodafone schnell zu beenden.

Als Vodafone noch von Erfolg zu Erfolg eilte, hielten die Chefs weitgehend autonomer Landesgesellschaften fast alle Fäden in der Hand. Die richtige Führungsorganisation mit einer ausbalancierten Mischung aus zentralen und dezentralen Entscheidungen könnte der Schlüssel für eine Rückkehr zur alten Stärke sein.

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