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Vodafone im Visier AT&T bekommt scharfen Gegenwind aus Europa

Der US-Riese AT&T greift nach Vodafone und will zum größten Telekomkonzern Europas aufsteigen. Doch nach den NSA- und CIA-Enthüllungen stößt der Sprung über den Atlantik auf wenig Gegenliebe.

Enge Verbindungen zu den US-Geheimdiensten torpedieren die Expansionspläne von AT&T-Chef Randall Stephenson. Quelle: REUTERS

Wenn Randall Stephenson zu einem seiner in jüngster Zeit häufigeren Auftritte in Brüssel oder London über den Atlantik kommt, hält der AT&T-Chef den Europäern gern den Spiegel vor. „Vor sechs Jahren gehörte Europa die Spitzenposition im Mobilfunk“, erklärt der Vorstandschef des größten US-Telekomkonzerns dann seinen Zuhörern. Heute dagegen, sagt Stephenson mit stolzgeschwellter Brust, hätten die USA die Vorreiterrolle übernommen: „Europa hinkt inzwischen weit hinter den USA her.“ Denn die US-Konzerne bauen die schnellsten Mobilfunknetze und setzen die meisten Trends im mobilen Internet.

Ein Rezept, wie die Schwäche überwunden werden könnte, stellt Stephenson auch aus: Wenn sich Europa stärker am amerikanischen Wettbewerbsmodell orientiere und sich die Netzbetreiber über alle Ländergrenzen hinweg frei ohne unterschiedliche nationale Regulierungsauflagen entfalten dürften, könnte Europa an alte Erfolge anknüpfen.

Die größten Deals der Unternehmensgeschichte
Platz 1072,0 Mrd. Dollar zahlte der Kabelkonzern Comcast für AT&T Broadband (2001). Quelle: dapd
Platz 972,6 Mrd Dollar zahlte der Versicherer Travelers Group für Citicorp (1998). Quelle: REUTERS
Platz 872,7 Mrd Dollar zahlte der Mobilfunkkonzern AT&T für BellSouth (2006). Quelle: AP
Platz 774,6 Mrd Dollar zahlte der Ölmulti Royal Dutch Petroleum für Shell Transport & Trading (2004). Quelle: dapd
Platz 676,0 Mrd Dollar zahlte der Pharmakonzern Glaxo Wellcome für SmithKline Beecham (2000). Quelle: AP
Platz 5 78,9 Mrd Dollar zahlte der Ölkonzern Exxon für Mobil (1998). Quelle: AP
Platz 489,2 Mrd Dollar zahlte der Pharmamulti Pfizer für Warner-Lambert (1999). Quelle: AP

Die von Stephenson verordnete Medizin hat einen bitteren Beigeschmack. Seit dem Sommer sucht der AT&T-Chef nach Übernahmekandidaten, und Europa steht ganz oben auf seiner Shoppingliste. Doch wo er auch anklopfte, die Tür wurde zugeschlagen – so in Madrid und Rom bei Telefónica und Telecom Italia. Ihre ehemals staatlichen Ex-Monopolisten unter US-Kontrolle, das wollten die dortigen Regierungen nicht zulassen.

Jetzt nimmt Stephenson den britischen Mobilfunkriesen Vodafone ins Visier. Und keine Regierung, kein Wettbewerbshüter soll die Pläne durchkreuzen. „Wenn AT&T den Sprung über den Teich machen will, ist das eine der wenigen Optionen, da Vodafone keine staatlichen Eigner hat“, sagt Jürgen Morath, Geschäftsführer bei der Beratung Accenture in Frankfurt.

Stephenson hätte sich keinen schlechteren Zeitpunkt für den Sprung nach Europa ausgucken können. Alle IT-Unternehmen aus den USA stehen seit den Enthüllungen des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden unter dem Generalverdacht, beim Ausspähen und Überwachen des weltweiten Internet-Verkehrs eng mit amerikanischen Geheimdiensten zu kooperieren. Und AT&T arbeitete offenbar nicht nur mit der NSA, sondern auch mit dem Auslandsgeheimdienst CIA zusammen, wie die „New York Times“ von einem Insider erfuhr. Wenn solch ein US-Unternehmen die Kontrolle über die hiesigen Festnetz- und Mobilfunkinfrastrukturen übernehmen will, wiegt dieser Verdacht besonders schwer. Denn das Abzapfen der Daten wäre dann noch einfacher.

Die zehn umsatzstärksten Telekomkonzerne der Welt

Der Megadeal im Volumen von weit mehr als 150 Milliarden Euro wäre eine der größten Übernahmen weltweit. Eine AT&T-Vodafone-Gruppe würde mit einem Umsatz von rund 200 Milliarden Euro Marktführer in den USA und Europa und der mit Abstand größte Telekomkonzern. Derzeit spielen die Amerikaner alle Szenarien durch. Danach könnte Stephenson Anfang 2014 Kontakt mit Vodafone-Chef Vittorio Colao aufnehmen und ein Übernahme- oder Fusionsangebot vorlegen.

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