Von Soft zu Service Der Microsoft-Umbau ist ein Balanceakt

Microsoft-CEO Steve Ballmer baut den größten Softwarekonzern der Welt zu einem "Service und Geräte"-Unternehmen um und will mehr Einfluss auf die Hardware seiner Partner nehmen. Das birgt Konfliktpotential.

Aus Microsoft soll ein

Die Energie von Microsoft-Chef Steve Ballmer ist legendär. Doch nun steckt der 57jährige in einer Mammutaufgabe, die selbst seine Kräfte überschreiten könnte. Ballmer baut den größten Softwarekonzern der Welt, den der Multimilliardär seit Januar 2000 führt, zu einem "Service und Geräte" Unternehmen um. Aus Microsoft soll ein "Microservice" werden. Deshalb die jüngste Management-Rochade. Da mit Windows 8 nun ein einheitliches Betriebssystem bereitsteht, das von Smartphones über Tablets, Notebook und Desktop-Computern alle möglichen Geräte antreiben kann, möchte Ballmer im nächsten Schritt stärker Einfluss auf die Hardware nehmen. Im Gegensatz zu Apple, das Hard-und Software aus einer Hand anbietet, lizensiert Microsoft seine Software an Hardware-Partner. Doch das frühere Erfolgsmodel ist durch steigende Komplexität angegriffen.

So sieht Windows 8.1 aus
Tempo, bitte! Microsoft werde seine Produkte künftig schneller überarbeiten, kündigte Firmenchef Steve Ballmer an. Windows 8.1 ist dafür ein gutes Beispiel: Vorgänger Windows 8 ist noch nicht einmal seit einem Jahr am Markt, da redet das Unternehmen schon über den Nachfolger. Quelle: AP
Der Startbildschirm von Windows 8.1 ähnelt dem Vorgänger, allerdings können Nutzer künftig die Kacheln mehr an ihre eigenen Bedürfnisse anpassen – vier Größen sind erlaubt. Für viele dürfte jedoch etwas anderes wichtiger sein... Quelle: Microsoft
Wer mit der Kacheloberfläche nicht klar kommt, kann künftig gleich im Desktop-Modus starten. Und der enthält auch wieder einen Startknopf (unten links) – der führt zum neuen Startmenü, das Microsoft mit Windows 8 eingeführt hat. Quelle: Microsoft
Der Sperrbildschirm lässt sich jetzt individueller gestalten – so können Nutzer im Hintergrund eine Diaschau mit ihren Bildern laufen lassen, auch animierte Hintergründe sind möglich. Quelle: Microsoft
Kalender, E-Mail und Foto nebeneinander: In Windows 8.1 lässt sich der Bildschirm in mehrere Abschnitte teilen (bisher waren nur zwei möglich). Wie sinnvoll das ist, hängt allerdings von der Bildschirmauflösung ab. Erleichtert wird der Umgang mit mehreren Monitoren, Anwendungen sollen ohne großen Aufwand hin- und hergeschoben werden können. Quelle: Microsoft
Den Online-Speicher Skydrive integriert Microsoft noch enger ins Betriebssystem. Er soll es beispielsweise erleichtern, Dateien zwischen verschiedenen Geräten abzugleichen. Quelle: Microsoft
Eine für alles: Die Suche in Windows 8.1 durchforstet nicht nur den eigenen Rechner, sondern auch das Internet. Quelle: AP

Hinter vorgehaltener Hand beschweren sich Microsoft-Manager schon lange darüber, dass die Hersteller ihre Geräte besser auf Windows abstimmen könnten. Die Gescholtenen kritisieren  wiederum Microsofts Schwerfälligkeit.

Dass Microsoft selber leistungsfähige Hardware entwickeln kann, haben dessen Ingenieure mit der Spielkonsole Xbox und dem Tablet Surface bewiesen. Doch das Verhältnis zu langjährigen Partnern wie Acer, Lenovo und Hewlett Packard gilt seit dem Microsoft Tablet als gestört. Statt noch stärker in die Hardwareproduktion einzusteigen, propagiert Ballmer deshalb den engeren Schulterschluss. Vorbild ist die Allianz, die Microsoft mit Nokia geschlossen hat. Dabei nutzt der Handy-Hersteller nicht nur Microsoft Software, sondern auch dessen Internet-Dienste. Beide arbeiten eng mit der Entwicklung zusammen.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Doch Ballmers Strategie löst nicht das Problem, dass Software- und Hardwarehersteller sich weiterhin bei Problemen gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben können. Zum anderen lässt sich mit Hardware allein kaum noch Geld verdienen. Microsofts Partner müssen deshalb zwangsläufig selber stärker in Internet-Dienste einsteigen. Das birgt Konfliktpotential mit Microsoft.

Mit Googles Android steht eine Alternative bereit. Ballmer kann aus Microsoft nicht einfach ein Apple machen, ohne Marktanteile zu verlieren. Doch ob der von ihm praktizierte Balanceakt gelingt, ist fraglich. Seine Strategie ist weder Fisch noch Fleisch.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%