Von wegen Kundenklau Shoppen im Web und im Geschäft

Den Einzelhändler beschäftigen derzeit so einige Befürchtungen: Beispielsweise die, dass der Onlinehandel den Geschäften Kunden wegnimmt. Doch die Angst ist unbegründet, wie die Studie „The Retail Revolution“ zeigt.

Macht das Online-Shopping Geschäften die Kunden streitig? Das Gegenteil ist der Fall, zeigt eine aktuelle Studie Quelle: dpa

"Es ist genau das Gegenteil der Fall", sagt Geschäftsführerin Franziska von Lewinski. Die Agenturchefin hat das Einkaufsverhalten von Konsumenten in einer Studie mit dem Titel "The Retail Revolution" untersucht. Ein wesentliches Ergebnis ist: Das Internet hat sich als Verkaufskanal etabliert und die Handelslandschaft massiv verändert. Aber die Käufer nutzen das Internet nur in bestimmten Bereichen als primären Einkaufskanal. Reine Onlinekäufer gibt es nur wenige, vielmehr steigt der Anteil der hybriden Käufer, die sowohl im Geschäft als auch im Internet einkaufen.

Fünf Thesen: Wie die Welt zum Shopping-Center wird

"Die Kunden kaufen dort ein, wo sie sich gerade aufhalten", unterstreicht Interone-Managerin von Lewinski. Insofern differenzieren sie beim Einkaufen nicht zwischen offline und online. Das Phänomen "offline gesehen und online gekauft" gäbe es zwar, allerdings nur, wenn große Preisunterschiede bestehen, schränkt Lewinski ein. Der umgekehrte Effekt "online gesehen und offline gekauft" sei weiter verbreitet.

Top Ten der Onlineshops

Umsatzstärkste Warengruppe im interaktiven Handel im vergangenen Jahr war nach Angaben des EHI Retail Institute Bekleidung, Textilien und Schuhe mit einem Gesamtumsatz in Höhe von 12,82 Milliarden Euro. Doch für Bekleidungshersteller wie H&M und Zara käme wohl ein reiner Onlinehandel nie in Frage. Es sind vor allem die großen Player im E-Commerce-Markt, die mit stabilem Wachstum die "Top Ten der größten deutschen Onlineshops" anführen.

Das Imperium von Amazon
Viel Geld in der KasseIn den ersten sechs Monaten 2013 setzte Amazon 31 Milliarden US-Dollar um - gut fünf Milliarden mehr als im Vorjahreszeitraum. Davon blieben 75 Millionen Dollar Gewinn hängen (2012: 137 Millionen). 2012 setzte Amazon gut 61 Milliarden US-Dollar um (Vorjahr: 48 Milliarden), machte aber einen Nettoverlust von rund 30 Millionen US-Dollar (Vorjahr: 631 Millionen Gewinn). Ein Überblick über Teile des Amazon-Imperiums... Quelle: dpa
Investitionen ins eigene UnternehmenMal als Nebengeschäft begonnen, ist der Buchhändler mittlerweile auch ein Riese im Cloud-Computing. Dabei vermietet Amazon Speicherkapazitäten seiner Großrechenanlagen, etwa eine halbe Milliarde Dollar pro Jahr bringt das nach einer Berechnung der Schweizer Investmentbank UBS. Und das Geschäft wächst rasant: Bis 2014 sollen sich die Einnahmen verfünffachen. Auch der hauseigene E-Reader Kindle liegt dem Unternehmen am Herzen. Mittlerweile wurden hier die Preise drastisch reduziert. Im Spätsommer 2011 begann Amazon mit der neuesten Version seines E-Readers einen Angriff auf den Branchenprimus Apple und präsentierte mit seinem Kindle Fire einen würdigen iPad-Herausforderer. Aber auch größere und kleinere Onlinehandelsplattformen verleibt sich Amazon gerne ein, so gerade aktuell den Filmaboservice Lovefilm… Quelle: AP
LovefilmDVDs kommen per Post ins Haus, mit dem „Lovefilm“-Player kann der Nutzer aber die aktuellen Hollywood-Streifen auch direkt auf seinem Rechner anschauen. Amazon hält schon länger eine Minderheitsbeteiligung an dem Unternehmen und wickelt seinen eigenen Film-Abo-Service direkt über Lovefilm ab. Simon Calver, Chief Executive von LOVEFiLM International, lobt die Übernahmepläne bei der Bekanntgabe am 20. Januar 2011.
IMDb… Amazon hatte 2008 sein Filmverleihgeschäft in Deutschland und Großbritannien mit Lovefilm zusammengelegt und war mit 42 Prozent größter Einzelaktionär geworden. Bereits 1998 verleibte sich Amazon die
WootEinen gewissen Verkaufsdruck erzeugen will die E-Commerce-Plattform Woot. Nutzer bekommen nicht angezeigt, wie viele Bestände des nur einen Tag gültigen Angebots vorhanden sind. Der Preis ist niedrig, die Produkte stehen im Wettbewerb zu den Angeboten von Amazon.Woot verkauft auf dem amerikanischen Markt – und Mitte 2010 langte Amazon für einen unbekannten Preis zu. Quelle: Screenshot
BuyVIPNur ein paar Monate später, im Oktober 2010, griff sich Amazon ein weiteres Webunternehmen. BuyVIP ist eine geschlossene Shopping-Community. Die Mitglieder haben die Möglichkeit, auf persönliche Einladung an limitierten Verkaufskampagnen teilzunehmen. In diesen Kampagnen werden ausgewählte Produkte beliebter und bekannter Marken aus dem Lifestyle- und Fashion-Bereich angeboten. Entsprechend leer kommt die Startseite daher; ein bisschen Animation von neuer Mode und ein Anmeldeformular. 70 Millionen Euro blätterte Amazon dafür auf den Tisch – nachdem der Marktführer Vente-Privée mehrfach abgewunken hatte. Quelle: Screenshot
Diapers und SoapAmazon ist ein riesiger Onlinehändler, doch in bestimmten Nischen hat die Konkurrenz die Nase vorn. So wurde Diapers zum größten Versandhändler von Babywindeln. Ein lukratives Geschäft - Amzon blätterte im November 2010 mehr als eine halbe Milliarde Dollar auf den Tisch um Quidsi zu übernehmen. Das amerikanische Unternehmen Quidsi betreibt diapers.com, sowie den Drogeriespezialisten soap.com. 545 Millionen Dollar sind zwar nicht von Pappe, aber einmal bezahlte Amazon sogar noch deutlich mehr für eine Onlinehandelsplattform… Quelle: Screenshot

Unangefochtener Spitzenreiter ist weiterhin Amazon - mit großem Abstand vor dem zweitplatzierten Otto.de gefolgt von Neckermann.de, belegt die E-Commerce-Marktstudie von EHI Retail Institute und Statista. Diese drei Unternehmen erwirtschafteten 2011 mit 8,3 Milliarden Euro Umsatz rund 37 Prozent des rund 25 Milliarden schweren E-Commerce-Marktes. Der Verband erwartet für 2012 ein Wachstum um 7,2 Prozent. Besonders in der Vorweihnachtszeit hat sich das Internet als umsatzstarker Verkaufskanal gezeigt.

Die drei Ikonen des E-Commerce: Zalando, eBay und Amazon gelten zwar als reine Onlineanbieter, aber sie sind teils auch stationär präsent. So eröffnete Zalando im April dieses Jahres einen Outlet-Store in Berlin für registrierte Zalandokunden. Das Warenangebot stammt aus den Vorsaisons oder ist B-Ware, bei denen Besucher nach Angaben von Zalando zwischen 30 und 70 Prozent sparen können.

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