Vor der Präsentation des iPhone 6 Apple jagt sich selbst

In der kommenden Woche präsentiert Apple seine Neuheiten. Mit dem iPhone 6 will der Konzern mit dem angebissenen Apfel als Logo neue Verkaufsrekorde erzielen. Doch kann der Konzern aus dem kalifornischen Cupertino wirklich noch mit Neuheiten überzeugen? Nein, meint Wafa Moussavi-Amin, Geschäftsführer vom Marktforschungsunternehmen IDC Europe, im Interview.

Wafa Moussavi-Amin Quelle: IDC

WirtschaftsWoche Online: Das nächste iPhone soll in der kommenden Woche präsentiert werden. Wird das Gerät wichtig für den Markt?

Moussavi-Amin: Ja, auf jeden Fall – auf dem Smartphone-Markt wird es eine Stütze fürs Wachstum sein, und natürlich wird es bei Apple den Umsatz antreiben.

Warum schafft es Apple immer wieder, so großes Interesse auf sich und seine Neuheiten zu ziehen?

Das liegt zum einen an der sehr loyalen Anhängerschaft von Apple, die immer wieder die neuesten Geräte kauft. Hinzu kommt die Funktionalität, die durch ihre Einfachheit in der Anwendung überzeugt. Und das Marketing ist gut.

Aber eigentlich macht Apple doch eher nur wenig Werbung, kaum Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Apple braucht eben keine Pressearbeit. Das Unternehmen steht so sehr im Fokus der Aufmerksamkeit, dass Apple nur eine Pressemitteilung herauszuschicken braucht und schon schwirren die Informationen durch die Blätter dieser Welt.

Die Köpfe hinter Apple

Was macht Apple besser als die Konkurrenz?

Das Herausragende ist die Einfachheit. Die vergleichsweise einfache Bedienung macht ein Apple-Gerät direkt einsatzbereit. Der Anwender wird gut durch die Menüs geführt und schon ist alles erledigt. Außerdem hat Apple es geschafft, mehrere Geräte – iPhone, iPad, MacBook, Apple-TV, … – übergangslos miteinander zu verbinden. Das hat noch kein anderer so gut erreicht.

Warum schafft der Wettbewerb das nicht?

Der einzige Wettbewerber, der eine ähnlich breite Palette auf dem Markt bietet, wäre Microsoft. Microsoft hatte eine sehr schwache mobile Strategie und hat deshalb in diesem Bereich an Bedeutung verloren. Aber das hat sich geändert mit dem Kauf von Nokia, mit dem Angebot des Tablet-Computers Surface. Die Redmonder sind jetzt auf einem guten Weg.

Google ist zwar im mobilen Bereich sehr stark, aber es fehlt an Breite in der Produktpalette. Es wird noch dauern, bis etwa das Chromebook von Google eine größere Rolle spielt.

Wie sieht es mit Samsung aus – die Koreaner sind breit aufgestellt.

Samsung hat zweifellos eine gute Position – aber Samsung ist auch ein sehr großer Konzern, der alles bietet von der IT bis zur Waschmaschine. Das ist vielleicht zu viel, man ist nicht fokussiert genug. In den letzten Quartalen haben wir schon gesehen, dass Samsung unter Druck gerät. Im Vergleich zu Apple setzt Samsung auch auf günstigere Geräte. Genau in diesem Bereich werden sie von neuen Herstellern aus China attackiert, und Samsung muss sich wehren. Das kostet.

Apple dagegen hat sich im hochpreisigen Segment positioniert und etabliert.

Apple-Produkte, die leider nie entstanden
In seinem Buch "Genial Einfach" berichtet Hartmut Esslinger von seiner Zusammenarbeit mit Steve Jobs und wie dieser das Potential des Designs erkannte. Das Buch zeigt hunderte Skizzen und Bilder von den Ursprüngen der Designs. Im Folgenden eine kleine Übersicht. Hier im Bild: Der Charme von 1982 spricht aus dieser Macintosh-Studie, die aus Faserstoffplatten gebaut wurde. © Hartmut Esslinger & frog team Quelle: Presse
Diese Studie zeigt das MacBook 1, wie die Designer es sich 1982 vorstellten. Es erscheint aus heutiger Sicht als ein ziemlich dicker Brummer - im Vergleich zu anderen tragbaren Computern der Achtziger ist es aber schon ein zartes Pflänzchen. © Hartmut Esslinger & frog team Quelle: Presse
Waren Computer damals meist in einem Grau-Beige-Ton gehalten, entstand ab 1982 in der Zusammenarbeit zwischen Steve Jobs und Hartmut Esslinger das neue, moderne Farb- und Designkonzept "Snow White" (der englische Name des Märchens "Schneewittchen"). © Hartmut Esslinger & frog team Quelle: Presse
Der Entwurf des Apple IIc von 1983 erinnert noch stark an eine Schreibmaschine. Bei diesem Modell wurde erstmals das neue Weiß eingesetzt, was den Computer kompatibler für Wohnräume machen sollte. © Hartmut Esslinger & frog team Quelle: Presse
Schlanker kommt da schon dieser Entwurf des Macintosh SE von 1983/84 daher. Die Vision eines modernen Keyboards und der Maus zur Eingabe. © Hartmut Esslinger & frog team, Foto: Dietmar Henneka Quelle: Presse
Mobiltelefone waren in den 80er Jahren noch halbe Telefonzellen. Wie unpraktisch, dachte sich schon damals das Apple-Design-Team, und entwarf 1983 etwa diese frühe Version eines Klapp-Handys. © Hartmut Esslinger & frog team Quelle: Presse
Eine frühe Vision eines Tablet-Macs. Dieses Design stammt von 1982. Die Bedienung sollte über einen großen, klobigen Eingabestift funktionieren. © Hartmut Esslinger & frog team Quelle: Presse

Wettbewerber wie Nokia und Samsung lästern über oder stänkern gegen Apple. Was halten Sie davon – ist das berechtigt?

Stänkern würde ich das nicht nennen. In den USA gibt es einfach provokativere Werbung als in Deutschland. Aber natürlich hat Samsung beispielsweise mit seinem Spot über größere Displays einen wunden Punkt von Apple getroffen. Apple muss jetzt zum ersten Mal seit dem Boom mobiler Geräte dem Wettbewerb folgen und wird wohl jetzt beim neuen iPhone ein größeres Display anbieten. Die Phablets, also die Smartphones, die größenmäßig in Richtung Tablet gehen, haben Apple ganz schön zugesetzt.

Beim iPad mini hat Apple bereits auf den Wettbewerb reagiert, aber diese Reaktion hat sich noch in Grenzen gehalten, weil das iPad mini nicht so wichtig ist. Aber beim iPhone läuft Apple jetzt erstmals dem Wettbewerb richtig hinterher.

Wie innovativ ist Apple denn eigentlich noch?

Das ist schwer zu sagen. Bei den Endgeräten hat Apple auf jeden Fall das Heft des Handelns aus der Hand gegeben. Das iPhone 6 mit größerem Display ist der erste Wink, der zeigt Apple ist zum Verfolger geworden, statt eigene Akzente zu setzen.

Aussagen der Geschäftsführung von Apple, man konzentriere sich auf die Anbindung aller Geräte und auf Back-Office-Applikationen versprechen nicht die großen und plakativen Innovationen, die Apple groß gemacht haben.

Sie spielen auf die Abmachung von Apple und IBM an, dass beide Unternehmen bei industriespezifischen Anwendungen und Apps eng zusammenarbeiten wollen.

Ja, genau. Apple will sich im Business-Bereich besser positionieren. Aber dieser Bereich macht bei Apple nur eine marginale Rolle im Gesamtgeschäft aus. Hier sind andere viel wichtiger.

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