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Vor der Präsentation des iPhone 6 Apple jagt sich selbst

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Smart-Home-Lösungen mit vernetzten Waschmaschinen?

Jetzt zur IFA stellen viele Hersteller Smart-Home-Lösungen vor, vernetzte Waschmaschinen und Kaffeemaschinen mit App-Steuerung übers Handy. Google hat mit der Übernahme des Heimtechnik-Start-ups Nest einen viel beachteten Coup gelandet. Verschläft Apple diesen Markt?

Ja, das ist ein wunder Punkt von Apple. Dazu zählen übrigens nicht nur Smart-Home-Anwendungen wie Nest, sondern auch Multimedia-Lösungen wie Google TV und Google Chromecast oder Spielekonsolen wie die Xbox von Microsoft und die Playstation von Sony. Das sind Märkte mit großen Wachstumsoptionen, auf denen Apple in Rückstand geraten ist.

Aber es gibt doch auch Apple TV.

Das hat Apple aber nicht ausreichend weiterentwickelt. Man wollte das Content-Geschäft voranbringen – aber bei den Fernsehstationen ist man schnell auf Widerstand gestoßen. Und nicht zuletzt hat Amazon den Markt für den Online-Vertrieb von Videos schon besetzt. Andere Content-Produzenten und -Lieferanten sind vorsichtig geworden. Die Presse, Zeitungen und Zeitschriften haben gesehen, was Apple mit seiner Umsatzbeteiligung und seinen Vorstellungen anrichten kann. Deshalb ist Apple nicht so gut aufgestellt im weiteren Content-Geschäft.

Außerdem darf man nicht vergessen, dass das Content-Geschäft ein sehr lokales Geschäft ist. Apple ist stark zentral gesteuert, ist ein amerikanisches Unternehmen. Das lokale Geschäft kann Apple nicht so stringent wie die übrigen Geschäfte weiterentwickeln. Deshalb ist es für das Unternehmen sehr schwer, lokalen Content zur Verfügung zu stellen.

Apple glänzt zurzeit aber trotzdem mit Rekorden in der Unternehmensbewertung an der Börse.

Apple kann ja auch die nächsten Wachstumserwartungen locker erreichen. Im dritten Quartal 2013 hat das Unternehmen 37 Milliarden Dollar umgesetzt. Im dritten Quartal 2014 sind leicht 40 Milliarden Dollar zu machen. Und mit dem Launch der neuen Geräte wird Apple nochmal zulegen.

Aber mittelfristig kommt eine harte Zeit auf Apple zu. Zurzeit ist nicht zu sehen, welche Innovationen man dort noch im Köcher hat, um im Wettbewerb anzugreifen und vorzupreschen. Man kann davon ausgehen, dass Apple die Nummer 1 in der IT-Consumer-Welt verlieren wird.

Was Apple Neues bringt
Die wohl bedeutendste Neuerung ist die Generalüberholung des Betriebssystems für das Smartphone iPhone und den Tablet-Computer iPad. Unter anderem hat das Design eine Generalüberholung erfahren und ist durch den Verzicht auf viele 3D-Logos „flacher“ in der Ansicht geworden. Quelle: REUTERS
Das Betriebssystem iOS 7 sei die wichtigste Änderung an der Software seitdem das iPhone auf den Markt gekommen sei, so Apple. Von den Neuerungen sollen auch ältere Geräte bis zum iPhone 4 profitieren können. Verfügbar wird die Software ab Herbst sein. Quelle: REUTERS
Der Wechsel zwischen mehreren Webseiten wird bei iOS 7 durch ein neues Scroll-Feature ermöglicht. Quelle: REUTERS
Auch der Mediendienst iTunes erhält einen neuen Anstrich. Quelle: REUTERS
Es ist keine Revolution, aber Apple bietet jetzt einen eigenen Streaming-Dienst an, der Musik etwa auf das iPhone überträgt: „iTunes Radio“. Der Dienst ist jedoch vorerst nur in den USA erhältlich. Quelle: dpa
Das Angebot „iTunes Radio“ enthält Werbeanzeigen und ist kostenfrei. Quelle: AP
Apple hat zudem ein neue Betriebssystem mit dem Namen OS X Mavericks vorgestellt für die Computer und Notebooks des Hauses. Die Neuentwicklung soll unter anderem eine engere Verzahnung mit iPhones und iPads ermöglichen. Quelle: dpa

Wer profitiert davon?

Inwiefern Google dazu gehört, bleibt abzuwarten. Microsoft wird profitieren können, wenn sie in der Umsetzung ihrer mobilen Strategie keine grundlegenden Fehler machen. Aber auch Amazon und Facebook sind sehr aktiv.

Sie meinen, Amazon und Facebook drängen auch stark ins Hardware-Geschäft?

Ja. Amazon bleibt nicht bei seinem E-Book-Reader Kindle stehen. Das sieht man jetzt schon beim Kindle Smartphone. Ich kann mir dabei auch gut vorstellen, dass Amazon sein eigenes Betriebssystem entwickelt und nicht mehr auf ein modifiziertes Android von Google zurückgreift. Da sind dann auch TV-Geräte mit eigenen Konsolen von Amazon denkbar.

Bei Facebook gibt’s schon lange Spekulationen um ein Smartphone. Es bleibt abzuwarten, welche Pläne man dort noch in der Schublade hat.

Eines ist allerdings klar Die hohen Margen, die Apple zurzeit noch mit der Hardware verdient, werden von keinem mehr erreicht.

Wie innovativ ist also Apple noch?

Im Moment, sage ich, bringt Apple nur sehr eingeschränkt noch Innovationen. Dass das iPhone 6 größer werden soll, liegt nicht an Apple, sondern an der Konkurrenz. Dazu passen übrigens auch Spekulationen, dass ein größeres iPad auf den Markt kommen könnte. Damit läuft Apple dem neuen Surface 3 von Microsoft nach.

Apple ist zum Getriebenen geworden.

In Arbeit
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Wie kann Apple das ändern?

Das Unternehmen braucht kreative Köpfe. Ender der 70-er, Anfang der 80-er Jahre war Apple innovativ – und das hing mit Steve Jobs zusammen. Danach ging’s mal so schlecht, dass Microsoft Apple finanziell auf die Beine helfen musste. Mit Jobs zurück an der Spitze kamen schicke iPods, wurden Smartphone mit Touch-Bedienung erfolgreich. Solche Innovationen sind nicht in Sicht.

Wie kommt Apple wieder an kreative Köpfe – durch den Aufkauf von Start-ups?

Ja, Start-ups sind schon eine Möglichkeit. Aber das sind ja öffentliche Unternehmen, die auch von Wettbewerbern beobachtet werden. Und Microsoft und Google sind sehr stark darin, aktive innovative Köpfe für ihre Unternehmen zu finden.

Welche Rolle wird Apple auf der IFA spielen, die jetzt in Berlin beginnt?

Auf der IFA wird die Schwäche von Apple sichtbar. Die vielen Neuheiten, die dort präsentiert werden, haben nichts mit Apple zu tun – höchstens die Möglichkeit, dass sie per Smartphone bedient werden können. Aber damit wird das iPhone nur zu einer Multifunktions-Fernbedienung für die echten Innovationen.

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