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Vorwurf illegaler Preisabsprachen Apple steht wegen E-Book-Absprachen vor Gericht

Mit dem iPad hat Apple im Jahr 2010 das E-Book-Geschäft umgekrempelt. Die damaligen Deals mit der Buchbranche sorgen aber für ein juristisches Nachspiel: Apple legt sich vor Gericht mit US-Wettbewerbshütern an.

Warum Apple Milliardenschulden macht
Wofür braucht Apple das Geld?Apple hat seinen Aktionären versprochen, ihnen bis Ende 2015 insgesamt 100 Milliarden Dollar zu geben - entweder über Dividenden oder über den Rückkauf von Aktien. Das soll die Wertpapiere attraktiver machen für Anleger und somit den zuletzt gesunkenen Kurs wieder in die Höhe treiben. Großaktionäre hatten Apple-Chef Tim Cook zu dem Schritt gedrängt. Sein verstorbener Vorgänger Steve Jobs hatte derartige Ausschüttungen kategorisch abgelehnt. Quelle: dpa
Auf welchem Wege besorgt sich Apple das Geld?Apple verkauft Anleihen, auf Englisch Bonds genannt. Dabei leihen Investoren dem Unternehmen Geld für eine bestimmte Zeit. Im Gegenzug bekommen die Anleger ein Schuldpapier, auf das Zinsen fällig werden. Apple legt mehrere dieser Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten sowie variablen und festen Zinssätzen auf. Dadurch muss der Konzern nicht alles Geld auf einmal zurückzahlen. Quelle: dapd
Geld auf der hohen Kante Quelle: dpa
Welche Rolle spielt die Deutsche Bank bei den Anleiheverkäufen?Die Deutsche Bank brachte die Anleihen zusammen mit dem Wall-Street-Haus Goldman Sachs am Kapitalmarkt unter. Die Banker schätzen dabei die Nachfrage von Investorenseite ein, kalkulieren den zu zahlenden Zinssatz und wickeln den Anleiheverkauf letztlich ab. Bei Apple soll die Nachfrage nach den Anleihen drei Mal so groß wie das Angebot gewesen sein, entsprechend niedrige Zinsen wird das Unternehmen zahlen müssen. Quelle: dpa
Hat sich Apple früher schon einmal Geld geliehen?Ja, aber das liegt lange zurück. Steve Jobs wollte Apple schuldenfrei halten. Der letzte Verkauf von Anleihen fand nach Daten des Finanzdienstleisters Bloomberg Mitte der 90er Jahre statt. Damals flossen 300 Millionen Dollar und der Zinssatz lag bei 6,5 Prozent. Apple zahlte die Schulden 2004 zurück. Quelle: dpa
Kann ich auch Apple-Anleihen kaufen?Grundsätzlich ja. Anleihen lassen sich wie andere Wertpapiere auch an der Börse handeln. Allerdings sind die zu erwartenden Renditen eher gering. Überdies gilt trotz der jüngsten Apple-Erfolge die Branche zumindest den Rating-Agenturen als zu wechselhaft. "Firmen wie Sony, Nokia und Motorola Mobility haben die Risiken aufgezeigt, die sich aus dem laufend verändernden Kundengeschmack, einfachen Wechselmöglichkeiten und einem starken Wettbewerb ergeben“, warnte die Ratingagentur Fitch. "Sie alle besaßen einst dominante Marktpositionen und gesunde Finanzen, und doch kamen sie binnen relativ kurzer Zeit ins straucheln.“ Quelle: dpa

Apple muss sich wegen des Vorwurfs illegaler Preisabsprachen bei E-Books vor einem New Yorker Gericht verantworten. Nach Einschätzung des amerikanischen Justizministeriums haben Apple und fünf US-Verlage zum Start des iPad-Tablets künstlich und zum Schaden der Verbraucher höhere Preise für digitale Bücher durchgesetzt. Die Verlage gingen inzwischen millionenschwere Vergleiche mit der US-Regierung ein, nur Apple wehrt sich weiter gegen die Anschuldigungen. Der am Montag gestartete Prozess ist auf rund drei Wochen angesetzt. Der Fall wird nicht von Geschworenen, sondern von Richterin Denise Cote entschieden.
Als Apple 2010 mit seinem iPad herauskam, dominierte Amazon das Geschäft mit digitalen Büchern. Der weltgrößte Online-Einzelhändler verkaufte dabei aktuelle Bestseller für seine Kindle-Lesegeräte besonders günstig zum Preis von 9,99 Dollar. Dabei zahlte Amazon den Verlagen beim Einkauf der Titel einige Dollar pro E-Book mehr, wie aus Unterlagen zum Verfahren bekanntwurde. Die Buchbranche war dennoch unzufrieden, weil sie die Preisvorstellungen der Leser unter Druck sah.

Rückschläge für Apple

Deshalb sahen die Verlage den Markteintritt von Apple als Chance auf einen Gegenpol zu Amazon. Unter der Regie von Apple-Gründer Steve Jobs Regie einigte sich der Konzern mit den US-Verlagen auf ein sogenanntes „Agentur-Modell“ - ähnlich der deutschen Buchpreisbindung. Dabei bestimmen die Verlage den Preis. Apple sicherte sich die übliche Kommission von 30 Prozent. Damit verdienten die Verlage zunächst zwar teilweise weniger als bei den Geschäften mit Amazon, hatten aber die Aussicht auf langfristig höhere Preise. Denn zugleich gab es eine Klausel, dass kein anderer Händler die Bücher günstiger bekommen konnte als Apple. Damit musste auch Amazon schnell auf das neue Modell wechseln.
Zum Prozessauftakt bekräftigten die Ankläger ihre Vorwürfe und zogen dafür auch Äußerungen des im Herbst 2011 verstorbenen Apple-Gründers Steve Jobs heran. Unter anderem habe er sich sicher gezeigt, dass Amazon sein Preismodell werde aufgeben müssen, darin sehen sie ein Indiz für Absprachen. Apple wies die Vorwürfe abermals zurück: „Wir haben nichts Unrechtes getan.“ Richterin Cote musste dem Unternehmen versichern, dass es einen fairen Prozess bekommen werde. Sie hatte in einer vorherigen Anhörung ihre vorläufige Ansicht mitgeteilt, dass sie die Argumente der Anklage stichhaltig finde.

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Das US-Justizministerium und Staatsanwälte von mehr als 30 US-Bundesstaaten gingen im vergangenen Jahr gegen die Praxis vor. Sie argumentieren, dass US-Verbraucher deswegen Millionen Dollar mehr für elektronische Bücher bezahlt hätten. Die besonderen Konditionen in den Deals zwischen Apple und der Buchbranche wurden inzwischen abgeschafft. Nach und nach gingen alle betroffenen Verlage Vergleiche mit den Behörden ein, zuletzt erklärte sich Penguin im Mai zur Zahlung von 75 Millionen Dollar bereit. Apple-Chef Tim Cook lehnt diesen Weg jedoch strikt ab. Apple habe nichts falsch gemacht und stattdessen für mehr Wettbewerb gesorgt, erklärt er.

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