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Weg von den Waffenbrüdern Warum das Silicon Valley auf Abstand zum Militär geht

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Bloß Werkzeuge der US-Regierung?

Doch die Eintracht schwindet offenbar. Zwar spricht keine der beiden Seiten offen über das Thema. „Doch der Umgang zwischen den führenden Unternehmen des Valley und Washington wird immer kühler und eine Art Zerwürfnis ist die einzige Erklärung für das kühle Verhältnis“, so ein Insider. So wurde NTSA-Chef Harrison offenbar bei seinen Besuchen in mehreren Unternehmen gebeten, er möge sich nicht ins öffentlich ausliegende Gästebuch eintragen.

Den Unmut der IT-Riesen umschreibt der US-Autor Peter Singer so: „Die Regierung reicht dem Valley über Aufträge die eine Hand – aber schlägt sie mit deren anderen ins Gesicht.“

Wer am meisten für Rüstung ausgibt
Soldaten Quelle: REUTERS
Südkoreanische Soldaten Quelle: AP
Ursula von der Leyen besucht Bundeswehr-Soldaten in Kiel Quelle: REUTERS
Japanische Flagge in Tokio Quelle: dpa
Tower Bridge in London Quelle: REUTERS
Ein französischer Soldat patrouilliert an Wahlplakaten in Paris vorbei Quelle: AP
Soldaten der indischen Armee Quelle: REUTERS


Der erste Auslöser war im Jahr 2013 die Enthüllung des ehemaligen Geheimdienstlers Edward Snowden über die ausgeprägten Überwachungsprogramme, mit denen der US-Geheimdienst NSA Firmen und Privatleute im Rest der Welt ausspähte. Dabei wurde klar, dass die US-Regierung viele heimische Unternehmen nutzte, teilweise ohne deren Wissen und nicht selten auch gegen deren Willen, schreibt der Autor Scott Malcomson in seinem Buch "Splinternet".

Seitdem fürchten die IT-Riesen, eine zu großer Nähe zur US-Regierung könnte ihrem Ruf bei den Konsumenten schaden und das besonders in Ländern wie China oder Teilen Europas, die den USA kritisch bis ablehnend gegenüberstehen. „Für das Silicon Valley ist es jetzt ein Nachteil als Werkzeug der US-Regierung gesehen zu werden“, glaubt Malcomson.

Als der Schock über die NSA-Schnüffelei zu verebben begann, kam Rückschlag Nummer zwei. Nach einem islamistischen Anschlag im Dezember 2015 verlangte das amerikanische Justizministerium, Apple solle dem FBI eine Software schreiben zum Freischalten eines iPhones der Terroristen. Apple weigerte sich und erhielt selbst von Konkurrenten sofort eine breite Rückendeckung in der Branche. Die Branche fürchtete nach einem solchen Präzedenzfall eine Flut solcher Anfragen von Strafverfolgern zu erhalten. Dazu könnte die Software in falsche Hände geraten und zu einem Einfallstor für Hacker werden.

Über den Differenzen ist den Hightech-Riesen dann offenbar klar geworden, dass sie die Militärs ohnehin nicht mehr so recht brauchen. Beispiel Forschungsgelder: Stand die US-Regierung in 1980er Jahren für fast die Hälfte des weltweiten Forschungsbudgets, sind es laut einer Studie der New York University nun keine zehn Prozent mehr. Risikokapitalgeber und andere Regierungen wie die Chinas haben inzwischen deutlich tiefere Taschen.

Das gilt für das Auftragsvolumen ebenso. „So attraktiv eine Order aus Washington auch lange Zeit war. Inzwischen ist für viele der Zivilmarkt viel größer und attraktiver“, sagt Heinz Schulte, Chef des auf Wehrtechnik spezialisierten Informationsdienstes Griephan.

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