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Werner knallhart

Apple Watch: Die Uhrenhersteller können einpacken

Ist die Apple Watch erstmal da, sind Armbanduhren mit Uhrwerk nur noch was für Sparfüchse, Nostalgiker und Zukunftsverweigerer. Noch so eine Branche, die den Fortschritt verschlafen hat.

Kunden stehen im Apple-Store in München neben dem Logo des Unternehmens. Das Unternehmen hat den Spezialisten für Twitter-Analyse Topsy gekauft. Quelle: dpa

Wo bleibt denn nun die Apple Watch? Bis vor kurzem hieß es bei Apple "Anfang 2015", nun nur noch "2015".

Ich kann es nicht abwarten, denn ich glaube: Das wird der neue große Wurf. Und das liegt an ein drei ganz simplen Kleinigkeiten. Dazu gleich.

Erinnern wir uns an damals: Als das iPhone kam, gab es schon einige Smartphones. Ein Freund von mir hatte so eins. Eine Seele von Mensch. Um den aus der Ruhe zu bringen, brauchte es schon ein Samsung Omnia.

Dieses Telefon konnte man damals noch nicht mit dem Finger navigieren, sondern nur mit so einem popeligen Plastikstängel. Aber auch das war keine Freude. So sah ich meinen Freund einst auf seinem Sofa sitzen, roter Kopf, Ader am Hals, und kreischend mit dem Stängel auf das Display eindreschen: "Jetzt! Funktionier! End! Lich!"

Danach nutzte er das Omnia nur noch als Wecker.

Apple-Produkte, die leider nie entstanden
In seinem Buch "Genial Einfach" berichtet Hartmut Esslinger von seiner Zusammenarbeit mit Steve Jobs und wie dieser das Potential des Designs erkannte. Das Buch zeigt hunderte Skizzen und Bilder von den Ursprüngen der Designs. Im Folgenden eine kleine Übersicht. Hier im Bild: Der Charme von 1982 spricht aus dieser Macintosh-Studie, die aus Faserstoffplatten gebaut wurde. © Hartmut Esslinger & frog team Quelle: Presse
Diese Studie zeigt das MacBook 1, wie die Designer es sich 1982 vorstellten. Es erscheint aus heutiger Sicht als ein ziemlich dicker Brummer - im Vergleich zu anderen tragbaren Computern der Achtziger ist es aber schon ein zartes Pflänzchen. © Hartmut Esslinger & frog team Quelle: Presse
Waren Computer damals meist in einem Grau-Beige-Ton gehalten, entstand ab 1982 in der Zusammenarbeit zwischen Steve Jobs und Hartmut Esslinger das neue, moderne Farb- und Designkonzept "Snow White" (der englische Name des Märchens "Schneewittchen"). © Hartmut Esslinger & frog team Quelle: Presse
Der Entwurf des Apple IIc von 1983 erinnert noch stark an eine Schreibmaschine. Bei diesem Modell wurde erstmals das neue Weiß eingesetzt, was den Computer kompatibler für Wohnräume machen sollte. © Hartmut Esslinger & frog team Quelle: Presse
Schlanker kommt da schon dieser Entwurf des Macintosh SE von 1983/84 daher. Die Vision eines modernen Keyboards und der Maus zur Eingabe. © Hartmut Esslinger & frog team, Foto: Dietmar Henneka Quelle: Presse
Mobiltelefone waren in den 80er Jahren noch halbe Telefonzellen. Wie unpraktisch, dachte sich schon damals das Apple-Design-Team, und entwarf 1983 etwa diese frühe Version eines Klapp-Handys. © Hartmut Esslinger & frog team Quelle: Presse
Eine frühe Vision eines Tablet-Macs. Dieses Design stammt von 1982. Die Bedienung sollte über einen großen, klobigen Eingabestift funktionieren. © Hartmut Esslinger & frog team Quelle: Presse

Dann kam das iPhone. Und setzte Maßstäbe. Erster großer Vorteil: Es funktionierte. Und die Welt lernte etwas Neues kennen: Apps. Und Firmen wie Siemens und Nokia guckten blöd.

So ähnlich wird es jetzt wieder kommen. Wearables werden unser Leben wieder neu justieren. Allen voran die Smartwatch. Wenn erst einmal Apple vorlegt. Ich habe Apple oft für das Upper-Class-Brimborium kritisiert, jetzt schwärme ich mal von deren Gespür für die Menschen.

Wenn es so kommt, wie die Prototypen und das Marketing es versprechen, wird Apple wieder Maßstäbe setzen. Obwohl sie wieder mal nicht die Ersten sind. Samsung hat längst vorgelegt. Und auch Motorola, LG, HP und Neulinge wie Pebble.

Die meisten der bisherigen Modelle haben aber ein Problem: Entweder können sie fast nichts oder sie sehen nach nichts aus. Mitunter wirken sie von weitem, als hätte sich jemand eine Ritter Sport mit einem Fahrradschlauch ums Handgelenk geknotet.

Tester verzweifeln an der Konfiguration

Selbst bei genauerem Hinsehen wirken viele wie eine billige Digitaluhr aus den Achtzigern - mit ihren Ecken, Knöpfen und dem Plastikarmband. Ich habe mir als Kind mal so eine vom Grabbeltisch gekauft. Mit eingebautem Taschenrechner. 9 Mark oder so.

Und jetzt die neue Samsung Gear S. Samsung haut ja eine Smartwatch nach der anderen raus. Nun also die S. Mit Betriebssystem Tizen und: Sim-Karten-Steckplatz. Damit hat sie der Apple Watch schon jetzt etwas voraus. Die Uhr funktioniert im Alltag ohne Anbindung an ein Smartphone.

Doch bevor Sie applaudieren: Wollen Sie die Gear S konfigurieren, brauchen Sie eben doch ein kompatibles Samsung-Smartphone. Nicht jedes Samsung-Smartphone passt dazu. Und die Konfiguration hat es in sich. Tester berichten mitunter von langen, frustrierenden Erlebnissen. Ich sehe da schon meinen Freund Stefan kurz vorm Hirnschlag. Nein, nein. Für den ist sowas nichts.

Asus stellt ZenWatch 2 vor
ZenWatch 2Asus hat die nächste Generation der ZenWatch vorgestellt. Die Uhr funktioniert mit dem Android-Wear-Betriebssystem, Asus hat wie beim Vorgängermodell aber auch einige eigene Funktionen wie eine Fitness-App eingebaut. Über eine bessere Remote-Camera-Verbindung soll das Sucherbild der Smartphone-Kamera auf der Smartwatch dargestellt werden. Die Smartwatch besteht aus Edelstahl und kommt in verschiedenen Farb- und Armbandvarianten auf den Markt, die laut Asus individuell zu 18 verschiedenen Varianten kombiniert werden können. Neben klassischem Leder- oder Gummiarmband ist auch ein Armband mit geprägtem Diamantenmuster und Swarovski-Steinen zu haben. Um auch an kleinere Handgelenke zu passen, gibt es die ZenWatch 2 in zwei Größen: 49 mal 41 Millimeter und 45 mal 37 Millimeter. Wann sie in den Handel kommt und was sie kosten soll, wurde noch nicht verraten. Quelle: REUTERS
Apple WatchApple hat den Start seines ersten völlig neuen Geräts seit fünf Jahren ungewöhnlich still eingeleitet. Nur in wenigen Luxusgeschäften sind seit Ende April die Uhren zu haben. Die Apple Watch gibt es in drei Varianten: Sportler-, Standard- und Luxusmodell. Damit sie an kleinen Handgelenken nicht klotzig wirkt, ist die Apple Watch in zwei Größen erhältlich: 38 und 42 Millimeter. In einem ersten Test hat unser Redakteur Thorsten Firlus die Apple Watch unter die Lupe genommen. Quelle: AP
Vector Luna und Meridian Quelle: Screenshot
Withings Activité PopWer mit bunten Armbändern und klobigen Smartwatches nichts anfangen kann, sollte einen Blick auf die Withings Activité werfen. Es handelt sich um eine analoge Uhr in schlichtem, elegantem Design, in die auch ein Fitnesstracker eingebaut ist. Die Edel-Variante der Schweizer Uhr mit Lederarmband und Saphirglas schlägt mit fast 400 Euro zu Buche - für schmalere Geldbeutel hat Withings nun eine erschwinglichere Variante präsentiert. Die Variante Pop ist mit Kunststoffarmband und Mineralglasabdeckung etwas einfacher gehalten. Sie kommt in drei Farben daher und kostet 149,95 Euro. Neben der Zeitanzeige läuft in der rechten Ecke eine Prozentanzeige ab, die nachhält wie viel des selbstgesteckten Aktivitätsziels man bereits erreicht hat. Die Uhr ist über die Health-Mate-App via Bluetooth mit dem iPhone verbunden und kann Lauf- und Schwimmbewegungen erfassen. Eine Android-Variante ist laut Hersteller derzeit noch in Arbeit. Quelle: obs
Jabra Sport Pulse WirelessWarum noch ein weiteres Wearable mit sich herumtragen, wenn man beim Joggen gern Musik hört? Das dachte sich wohl der Headset-Spezialist Jabra und bringt nun In-Ear-Kopfhörer samt Mikrofon heraus, die den Puls messen können. Der sportliche Begleiter misst per Infrarottechnologie die Herzfrequenz und sendet die Daten an eine Smartphone-App. Das funktioniert über Bluetooth oder NFC sowohl bei iOS- als auch bei Androidgeräten. Ein virtueller Fitnesscoach kann die Daten auch gleich durchsagen und durch Work-Outs leiten. Die Kopfhörer kommen mit vier verschiedenen Haltebügeln und In-Ear-Stöpselformen, aus denen man individuell wählen kann, was am bequemsten zu tragen ist. Die Stöpsel sind schnurlos, so dass man sich beim Training nicht verhededdert, und nur 16 Gramm schwer. Über die Kopfhörer können auch Musikwiedergabe und Anrufe geregelt werden. Laut Hersteller hält der Akku bis zu fünf Stunden Musik oder Gesprächszeit durch. Preis: 199,99 Euro Quelle: Presse
Microsoft BandDas schwarze Armband „Microsoft Band“ mit langgezogenem Display soll unter anderem Herzschlag und Stress messen sowie die UV-Strahlung, der ein Träger ausgesetzt ist. Der Cloud-Service soll auch Daten von Fitness-Accessoires anderer Anbieter aufnehmen, wie Microsoft-Manager Yusuf Mehdi dem Technologieblog „The Verge“ am späten Mittwoch erläuterte. Preis: 199 Dollar Quelle: Microsoft
Fitbit ChargeDas Fitness-Tracker-Armband ist das Einsteigermodell. Es kann Fitnessstatistiken und Anrufe anzeigen - auch ein stummer Vibrationsalarm und eine Weckfunktion sind eingebaut. Das Armband misst Schrittzahl, zurückgelegte Distanzen, den Kalorienverbrauch und auch die bewältigten Stockwerke. Neu ist eine automatische Schlaferkennung, die anhand der Bewegungen Auskunft über die Qualität des Schlafes geben soll. Die Akkulaufzeit gibt der Hersteller mit bis zu sieben Tagen an. Charge löst das Vorgängermodell Force ab, dass die Firma wegen allergischer Reaktionen vom Markt nehmen musste. Die neuen Materialien sind laut Hersteller nun von Dermatologen geprüft. Preis: 129,95 Euro. Ab dem 17. November soll Charge im Online-Store und bei ausgewählten Partnern erhältlich sein. Farblich gibt es das Band zunächst in Schwarz und Schiefergrau, Burgunderrot (im Bild) und Blau sollen folgen. Quelle: Presse

Warum ich niemals eine Gear S tragen würde? Die Antwort steckt schon in der Frage. Weil man eine Smartwatch "trägt". Man hat sie nicht dabei wie ein Handy, den Geldbeutel und den Hausschlüssel, sondern sie ist ein Accessoire. Eine Armbanduhr ist ein Statement direkt am Körper. Und die Gear S ist knapp sechs Zentimeter lang. Seitenlänge, nicht Durchmesser! Eine Streichholzschachtel ist kleiner. Das Gear-S-Statement: Ich liebe Computer. Irgendwie zu nerdig, finden Sie nicht?

Die Apple Watch kommt in zwei Größen. 42 Millimeter oder gar nur 38. Das passt und das allein schon zeigt: Apple hat verstanden, was einem Uhrenträger die meiste Zeit nun wirklich herzlich egal ist: die Uhrzeit. Eine Armbanduhr wird als Zeitmesser pro Tag vielleicht 15 Sekunden genutzt. Die restlichen 23 Stunden, 59 Minuten und 45 Sekunden soll sie allen anderen zeigen, wie man selber tickt. Und dafür gibt es etliche Designs zur Auswahl.

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