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Werner knallhart
Quelle: imago images

Meine Apple-Spracherkennung und -Autokorrektur lernen nichts dazu!

Einfach ins iPhone reden und das Gesprochene wird verschriftlicht. Dank Spracherkennung. Und dank Autokorrektur einfach auf dem MacBook drauf Klostippen – sehen Sie, schon wieder! Ich meinte lostippen. Das macht einem ja Angst. Und es wird alles nicht besser.

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Klostippen also. Wir können ja darüber diskutieren, ob man Klostippen - verdammt, also, ob man lostippen besser los tippen schreiben sollte, aber Klostippen draus zu machen, ist doch schon sehr abwegig. Ich habe mal nach Klostippen gegoogelt, ob ich eine Wissenslücke habe. Es kommen nur drei Seiten mit Treffern, was einem schon früh zeigt, dass man da einem sehr selten gerne von anderen geschriebenen Begriff auf der Spur ist. Im Wesentlichen geht es bei Klostippen laut Google um Fragen zum Transfer-Markt in der Bundesliga. Denn einige schrieben dort, sie würden da auf Stefan Klos tippen. Das alles ist aber schon viele Jahre her. Sonst kommt nichts. Zusammengeschrieben assoziiere ich damit einen Vorgang, bei dem jemand mit einem trockenen Brötchen aus der Toilettenschüssel Flüssigkeit aufsaugt. Und ich kann mit vielen Assoziationen in meinen Texten leben, aber damit ausgerechnet nicht.

Wer unter den Covern, neeein, unter den Codern meines Betriebssystems ist auf die Idee gekommen, Wörter, die aus Sicht des Systems falsch geschrieben sind, in Wörter umzuwandeln, die es nicht gibt?

Dann die immer gleichen Korrekturen von Formulierungen, die ich seit Jahren immer wieder zurückkorrigiere (Den Begriff zurückkorrigiere unterstreicht mir das System rot, den Begriff zurückkorrigiert hingegen winkt es durch).

Beispiel:
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Gestern - Nein, gestern klein, klein, klein! Jeder und jede, die ich frage, was sie gegen diesen automatisch hinkorrigierten Mist nach der Anrede in E-Mails, Briefen und Textnachrichten tun, zucken seit Menschengedenken mit den Schultern: selber zurückkorrigieren halt.

Ich habe jetzt einen (unbefriedigenden) Weg gefunden, diese täglich in Deutschland millionenfach hochhüpfende falsche Korrektur bei meinem MacBook abzuschalten. Indem ich bei Einstellungen - Tastatur - Text - Wörter automatisch groß schreiben den Haken entferne. Nun werden allerdings auch hund und auto nicht mehr automatisch auf groß umgestellt (wobei das System nur hund rot unterstreicht, obwohl es das Wort auto klein - etwa als Adjektiv - laut Duden auch nicht gibt).

Wenn ich doch im Laufe der Jahre nach rund 100.000 Anreden in persönlichen Texten das erste Wort nach Komma und Absatz immer wieder zurück zu klein korrigiere, tut es dann meinem Laptop nicht irgendwann weh, mir immer wieder diesen einen selben Fehler über Jahre und Jahre immer wieder einzudrücken, neeein, reinzudrücken?

Überall heißt es, die Systeme und Clouds und Algorithmen und Cookies sammeln alle unsere ganzen persönlichen Daten. Ja, dann bitte, dann macht doch mal was draus! Kapiert doch mal endlich, was wir wollen! Gucke ich einmal online nach dem Preis für ein Plantschbecken, dann bekomme ich wochenlang anschließend auf fast allen Nachrichtenwebsites in den Kästchen für Werbung Ideen präsentiert, wo ich überall günstige hochwertige Plantschbecken erwerben könnte.

Aber mein iPhone kann sich noch nicht einmal merken, wie ich heiße. Nutze ich dort die Spracherkennungsfunktion und sage etwas wie: Bis später Komma neue Zeile neue Zeile Marcus, dann schreibt das ignorante Ding:
Bis später,
Markus

Frage ich: Hey Siri, wer bin ich? Dann sagt und schreibt der Apparat: Du bist Marcus. Das hast du mir jedenfalls erzählt.



Aha! Ja, das stimmt ja auch. Marcus mit c. „Marcus mit c“, das habe ich in meinem Leben schon geschätzte 1,2 Millionen mal angemerkt. Es kränkt mich nicht, dass den Leuten das K näher liegt. Meine Eltern haben mir früh erklärt, dass C eben etwas Besonderes sei und damit konnte ich mich arrangieren. Aber es kränkt mich, dass ich irgendwie 1000 Euro für ein Handy ausgegeben habe, das weiß, wer ich bin, aber sich weigert, das bei meinen Diktaten zu berücksichtigen. Wenn ich aber sage: Marcus mit c.Dann schreibt mein iPhone
Markus mit C

Es gibt also keinen anderen Ausweg für mich, als bei jeder diktierten Signatur meinen Namen händisch zu verbessern. Zigfach im Jahr.
Wobei doch: Es gibt eine andere Lösung. Ich müsste dazu übergehen, meinen Freundes- und Kolleginnenkreis zu siezen. Sage ich dann: Herzliche Grüße Komma neue Zeile neue Zeile Marcus Werner, dann schreibt Apple:
Herzliche Grüße,
Marcus Werner

Mit C. Nun bin ich bescheiden genug fest anzunehmen, dass mein voller Name nicht als stehender Begriff in die deutsche Sprache eingegangen ist. Ich darf also unterstellen, dass meine Geräte auf die Kontakte zugreifen, wo ich selber hinterlegt bin. Tatsächlich weiß das System nämlich, ob ich eine Christina oder eine Kristina meine, sobald ich deren Nachnamen dazusage. Aber Siri sollte mal in meinem Apple-Geräte-Kosmos rum erzählen, dass ich immer der Marcus bin. Auch ohne Werner.

Und jetzt nächstes Level: Diktiere ich Lass uns später quatschen schreibt es das System genauso. Schreibe ich genau das mit den Fingern, dann korrigiert das System in
Lass uns später quatschten.

Immer mal wieder lese ich auf den sozialen Plattformen von Lass uns mal wieder quatschten.

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Was wir alle brauchen - für Nerven und Selbstwertgefühl - ist ein Mensch-schlägt-Maschine-Wörterbuch. Eine App oder was weiß ich, in der wir eintragen können, was wir gefälligst anders geschrieben haben wollen. Nämlich richtig.

Markus. Pah! Allein diese Erfahrungen geben mir immerhin das gute Gefühl, dass meine ganzen Daten im weltweiten Netz ziemlich sicher sind. Die übermächtigen Konzerne können ja offenbar nichts damit anfangen.

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