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Werner knallhart
Facebook-Logo Quelle: imago images

So kommen Sie von Facebook weg, ohne alles zu löschen

Es gibt doch kaum einen, der sagt: Ich habe mir vorgenommen, künftig häufiger auf Facebook zu sein. Alle möchten sich der Datenkrake gerne entziehen. Wollen aber nicht gleich alles löschen. So geht's.

Ein Kollege von mir fastet gerade. Kein Alkohol, keine Süßigkeiten, kein Facebook. Sein Resümee kurz vor Ostern: „Es geht auch ohne Facebook“. Nach Alkohol und Bonbons hatte ich nicht gefragt.

Es gibt gute Gründe, sich dem sozialen Netzwerk zu entziehen. Ob die Datensammel- und verkaufswut von Facebook der Welt Trump und Europa den Brexit gebracht hat, ist noch nicht erwiesen, aber allein, dass Experten es für möglich halten, sagt schon viel aus.

Aber es gibt noch andere Gründe. Etwa die Facebook-Depression, verursacht durch den Eindruck, wenn man durch die Liste der Posts seiner Freunde scrollt: Alle haben so ein tolles Leben - und was ist mit mir? Mittlerweile ein echtes Phänomen. Auslöser ist die Reizüberflutung durch eine Aneinanderreihung von Angeberbildern der anderen mit nacktem Oberkörper am vom Palmen gesäumten Strand, gelehnt ans neue Auto, anstoßend mit Freunden im Edelrestaurant, grillend im Park mit Partner und Kindern, grinsend zusammen mit Promis, die man selber auch gerne kennen würde.

Und der einzelne übersieht: Der Freund macht am Strand seinen ersten Urlaub seit Jahren, das neue Auto vom Kollegen ist nur geliehen, die Freunde im Restaurant sind eher nur Bekannte, das Grillen im Park war ein Versöhnungsessen nach einem schlimmen Streit und der Promi war von den ganzen Selfies schon genervt. Doch die Geballtheit all dieser tollen Momente macht viele blind, neidisch und gar depressiv. Dazu die Geltungssucht, befriedigt durch eine hohe Anzahl von Likes.

Warum bekommt Henriette für ihr Kükenfoto mit Ostergruß 45 Likes, ich aber nur acht für meinen mit einem lustigen Hasenbild? Likes als Währung für Sozialprestige im Netz. Idiotisch! Zumal es ja möglich ist, dass dank der undurchsichtigen Facebook-Algorithmen Henriettes Foto bei viel mehr Leuten angezeigt wird als das eigene Hasenbild.

Wir haben es nicht in der Hand. Wir haben uns ausgeliefert. Doch auf diese Erkenntnis mit dem Löschen des Facebook-Profils zu reagieren - davor schrecken die meisten zurück. Jahrelang hat man mühsam eine Freundesliste aufgebaut mitunter tausende Gesichter und Namen, von denen die meisten einem gar nichts mehr sagen. Dann die ganzen von einem selbst geposteten Fotos. Facebook hat sie alle für uns gesammelt.

Wer sich trotz allem oder gerade wegen all dem gerne Facebook entziehen möchte, ohne es zu bereuen, der kann sich probeweise Schritt für Schritt entwöhnen, ohne das Profil gleich zu löschen. Zum Beispiel so:

1. Auf welche Freunde kommt es mir an? Bilden Sie WhatsApp-Gruppen.

Machen Sie die Augen zu und stellen Sie sich folgende Frage: Wen würden Sie bei Facebook wirklich vermissen, wenn er oder sie sich aus dem Netzwerk verabschiedet? Die meisten werden wohl feststellen: Die kann man an zehn Fingern abzählen.

Und selbst, wenn es zwanzig sind, müssen Sie all ihre Informationen, die sie mit denen austauschen, wirklich über eine öffentliche Plattform teilen? Schlagen Sie Ihren Freunden WhatsApp-Gruppen vor. Ja, WhatsApp gehört auch zu Facebook, aber es geht ja nicht darum, Facebook zu schaden, sondern sich selber etwas Gutes zu tun. Außerdem gibt es ja auch Threema und Telegram.

Ich habe in meinen WhatsApp- und Threema-Chatbereichen zusammen rund zehn bis zwölf Gruppen. Eine für die Familie, mehrere für enge Freude in unterschiedlichen Zusammensetzungen, Ad-hoc-Gruppen für Urlaubsplanung, Arbeitsgruppen für den Job. Damit decke ich etwa neunzig Prozent meiner Online-Kommunikation ab.

Leute im Teenager-Alter haben deshalb schon gar keine Lust mehr auf Facebook. Die blicken nicht auf eine lange Facebook-Historie zurück, ihnen kann das Netzwerk egal sein. Sie tummeln sich im Zweifel in ihren Freudengruppen der Messenger-Dienste.

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