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Werner knallhart

"Meine TUI" schlampt online mit Kundendaten

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Was für eine Datenschutz-Schlamperei!

Ich rief die Hotline an. Die Dame wusste sofort, wer schuld war: ich. Denn die Dokumente gäbe es ja nur in der Desktop-Variante. Ich solle meinen Laptop verwenden, nicht mein Smartphone. Ich Dummkopf! Bei TUI musste man natürlich einen Park von Elektronik um sich herum scharen, um verreisen zu können. Ich bedankte mich für den Tipp, verabschiedete mich und nach mehreren Versuchen fiel mir auf dem Laptop sogar das Passwort wieder ein. Ha! Danke, Gehirn. Aber auch die Version meines Accounts auf dem Laptop war leer.

Ich rief die Hotline an. Eine andere Dame sagte mir, ich sei zu früh. So schnell werden die Dokumente ja gar nicht angezeigt. Ich müsse mich - Achtung - wieder ausloggen und wieder einloggen und dann mal gucken. Hui, wie damals, als das mit dem Internet noch ganz neu war.

Ich tat wie mir geheißen, das Passwort hatte sich mein Laptop für mich gemerkt. Und siehe da: Da waren die Dokumente ja auch schon. Ich bedankte mich, legte auf und klickte mich durch die Buchungen. Auch auf meinem Smartphone waren jetzt alle Dokumente zu finden. Es ging also doch und hatte nichts mit Handy/Desktop zu tun. Hotline-Frau Nummer 1, Sie sind mir vielleicht eine!

Wie die Deutschen Urlaub buchen

Aber was war das? Neben meiner Buchung aus dem August 2017 war da noch eine Buchung. Eine von 2014. In meinem gerade vor einer halben Stunde angelegten Account.

Hä? Was soll ich da gebucht haben? Eine Reise-Rücktritts-Versicherung. Mooooment! Das wollte ich jetzt genauer wissen. AHA! Dachte ich es mir doch. Nicht ich, Marcus Werner, hatte die Versicherung abgeschlossen, sondern ein anderer M. Werner. Bei TUI werden die Daten von Kunden ähnlicher Namen offenbar pauschal verbucht.

Mit vollem Namen stand er da, zusammen mit einer Dame, deren Vor- und Nachname ebenfalls zu lesen war. Samt Versicherungszeitraum 2014, der wegen seiner Kürze wohl identisch mit dem Urlaubszeitraum war. Unfassbar! TUI vermischt private Daten ihrer Kunden und stellt sie anderen Kunden zur Verfügung. Was für eine Datenschutz-Schlamperei! Mit ein paar gekonnten Google-Handgriffen und ein bisschen Facebook-Recherche könnte ich jetzt womöglich herausfinden, wer hier mit wem wann im Urlaub war. Wahrscheinlich wäre das dem anderen Herrn Werner ganz und gar nicht recht. Und wer weiß, wie vielen Leuten mit Namen Werner TUI bereitwillig nun meine höchst privaten Urlaubsdaten in deren Account abgelegt hat?

Einer der größten Reiseveranstalter hat offenbar ein Datenschutz-Problem. So gesehen ist „Meine TUI“ eigentlich „Unsere TUI“. Jetzt, da ich das hier gerade schreibe, wird mir klar: Ich sollte meinen Account schnell wieder löschen. Ich bin eben Individualist. Ich teile weder sonderlich gerne meine Reise mit Fremden, noch meine Reise-Daten.

Zumindest hoffe ich, Herr Werner und seine Begleiterin hatten damals 2014 exakt 14 schöne Urlaubstage. Und weniger Heckmeck mit ihrem Account. Und TUI, bitte mal dringend pauschal Ihr Internet durchchecken.

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