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Windows 10 auf der IFA 2015 Warum Microsoft die Geräte anderer feiert

Mit eigenem Stand und einer Keynote versucht Microsoft auf der IFA zu überzeugen. Mit großem Aufwand bewirbt der Windows-Konzern aber sein neues Betriebssystem -  und die Produkte anderer. Aus gutem Grund.

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So sieht das neue Windows 10 aus
Microsoft Quelle: dpa Picture-Alliance
Windows 10 Quelle: dpa Picture-Alliance
Windows 10 Quelle: dpa Picture-Alliance
Windows 10 Quelle: REUTERS
Windows 10 Quelle: dpa Picture-Alliance
Windows 10 Quelle: dpa Picture-Alliance
Windows 10 Quelle: Presse

Brian hat einen schwierigen Job. Auf der Unterhaltungselektronikmesse IFA muss er Windows 10 feiern, als sei es ein Popstar. „Macht Lärm, wenn ihr Alt-Tab nutzt“, ruft er. Das Publikum bestraft ihn mit Schweigen.

Was Microsoft als Keynote im Rahmen der IFA angekündigt hatte,  gerät zur zunächst zur zähen Werbeveranstaltung über Benutzerfreundlichkeit und Design des neuen Microsoft-Betriebssystem, über die Vorzüge des Assistenzsystems Cortana und der Vernetzung mit der Spielekonsole Xbox. Unter den Zuschauern war von einer „schrecklichen Veranstaltung“ die Rede.

Wie Windows wurde, was es ist

Dabei ist Brian nur der Einheitzer für Nick Parker, seines Zeichens Manager beim Redmonder Konzern. Der preist bei seinem Auftritt dann auch nicht mehr Microsoft, sondern die Produkte anderer: ein Notebook von Acer für Einsteiger, eines von Lenovo für anspruchsvollere Aufgaben und ein Highend-Gerät von HP. Der Windows-Manager lobt das Preis-Leistungsverhältnis, das geringe Gewicht und die Ausstattung, die Innovationskraft. Wie ein getriebener QVC-Verkäufer wechselt Parker im Minutentakt zwischen Produkten und Herstellern. „Very nice“ sind sie, sagt Parker. Alle ganz toll. Natürlich.

Lumia 950

Darüber hinaus ist Parker wortkarg. Keine Neuankündigung, kein Wort zu den eigenen kommenden Smartphone-Flaggschiffen Lumia 950 und Lumia 950 XL. Das hatte zwar kaum jemand erwartet, aber viele erhofft. Schließlich kursieren Bilder und Gerüchte zu den Geräten en masse im Netz. Wann sie auf den Markt kommen, bleibt trotzdem ungewiss.

Parker ist auf der IFA ein Verkäufer für die Produkte anderer. Nach zwanzig Minuten Redezeit hat er ein Gerät für jeden Einsatzzweck vorgestellt – und für jeden Geldbeutel. Die Devices sind für den Microsoft-Manager nur Mittel zum Zweck. Selbstverständlich läuft Windows 10 auf allen von ihnen. Das System, so die Botschaft, ist universell einsetzbar. Für Spielezocker, für Geschäftsleute, für Schüler und Studenten.

Dass möglichst viele dieser Menschen möglichst bald auf das Betriebssystem wechseln, ist für den Konzernriesen zentral – und erklärt die zähe Werbeveranstaltung zumindest in Teilen.

Dabei ist der Start von  Windows 10 eigentlich längst geglückt – trotz deutlicher Warnungen von Datenschützern vor der Spionagewut des Systems. Die Strategie, Windows 10 weitgehend kostenlos zu verteilen, ging auf.

Auf der IFA feiert Parker den Konzern entsprechend: Seit der Veröffentlichung Anfang August soll das Betriebssystem mittlerweile auf mehr als 75 Millionen Geräten und in 192 Ländern weltweit laufen. Das ist deutlich mehr als beim direkten Vorgänger Windows 8. „Und das nach einem Monat“, sagt Nick Parker. „Von jetzt an wird es nur besser.“

Erfolgsdruck bei Windows 10

Tatsächlich hat Microsoft Grund, stolz auf das Erreichte zu sein. Nach den ersten Wochen mit dem System sind die meisten Nutzer offenbar zufrieden damit. „Die Qualität von Windows beurteilen die Verbraucher generell als gut, doch vor allem bei denjenigen, die Windows tatsächlich nutzen, zeigt sich nochmals eine deutliche Steigerung in der Qualitätswahrnehmung, seit Windows 10 auf dem Markt ist“, wertete Holger Geißler vom Marktforschungsunternehmen YouGov für WiWo Online aus.

Der Erfolg verleiht einer ganzen Branche Hoffnung: Das neue Windows 10 wird die schwächelnden Verkäufe von Tablet-Computern und PCs spätestens zu Weihnachten wieder ankurbeln, prognostizieren die Marktforscher der GFK.

Die Highlights der Elektronikmesse
BB-8 aus Star WarsAus dem Krieg-der-Sterne-Universum auf die IFA: Sphero bringt den BB-8-Droiden aus dem kommenden Star-Wars-Film "Das Erwachen der Macht" als Spielzeug auf den Markt. Der kleine Roboter kann per Smartphone oder Tablet-App gesteuert werden und reagiert auch auf Sprachkommandos. Das Spielzeug besteht aus einem rotierenden Ball, der Kopf des Roboters scheint darüber zu schweben. Quelle: AP
Fitness-Uhr TomTom Sparks Quelle: PR
Vive-Brille von HTC Quelle: REUTERS
FlugdrohnenDrohnen wie der Phantom 2 Quadcopter von DJI zählen zu den Publikumsmagneten der IFA. Das Geschäft mit ihnen nimmt Fahrt auf. "Drohnen entkommen 2015 der Nische und landen auf dem Massenmarkt", sagt DJI-Verkaufsleiter Martin Brandenburg. Der jährliche Umsatz mit Drohnen dürfte sich von 6,4 Milliarden Dollar im Jahr 2014 auf 11,5 Milliarden Dollar Mitte des nächsten Jahrzehnts verdoppeln, schätzt das Marktforschungsunternehmen Teal. Quelle: dpa
Mini-PC Revo Build von Acer Quelle: AP
Samsung SUHD TV UE82S9W Quelle: PR
9600-UHD-TV von Philips Quelle: PR

Microsoft hat derzeit Oberwasser, so scheint es. Herausforderungen gibt es trotzdem genug. An Windows 10 selbst will und wird Microsoft kein Geld verdienen. Der Konzern, der mit dem Verkauf des Betriebssystems und des Büroprogramms Office groß geworden ist, muss anders an welches gelangen. Das wird schwer, denn bis zuletzt lieferten Windows und Office direkt und indirekt die Quelle für 80 Prozent des Konzerngewinns.

Künftig soll das Geld vor allem aus Angeboten kommen, die auf das Betriebssystem aufsetzen: kostenpflichtigem Online-Speicher zum Beispiel und dem Office 365 in Office. Um gute Geschäfte zu machen, braucht Microsoft aber möglichst viele Windows-Nutzer. Und die wiederum entscheiden sich nicht nur für ein Betriebssystem, sondern auch für das Gerät auf dem es läuft. Die aktuellen 75 Millionen Nutzer reichen da längst nicht.

Parker weiß, dass er starke Partner braucht, um Windows 10 an den Mann zu bringen. Die Konkurrenz ist groß. Apple rüstet seine eigenen Mac-Geräte kostenlos mit dem Betriebssystem MacOS X und der Bürosoftware iWork aus. Google verteilt das Betriebssystem Chrome und die Handysoftware Android lizenzkostenfrei. Internetnutzer bekommen ein komplettes Office-Programm kostenlos.

Der Wettstreit um neue Kunden tobt dabei besonders intensiv im Mobilebereich, wo Microsofts Marktanteil bei weniger als drei Prozent dahindümpelt. Um neue Kunden zu finden setzt Microsoft – neben der eigenen Lumia-Reihe – wieder auf Partner.

Am ersten Publikumstag der IFA kündigte Acer offizielle das Jade Primo an. Es soll das erste Windows 10 Mobile Smartphone sein, das offiziell die Continuum-Funktion unterstützt. Mit einem externen Bildschirm verbunden, soll durch sie das Smartphone zum Desktop-PC werden.

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