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Windows 10 Cortana auf allen Kanälen

Ein Ende der Flaute? Die PC-Hersteller hoffen, dass Windows 10 den Markt belebt. Das Betriebssystem bietet Funktionen, die am besten mit neuer Hardware funktionieren. Kurzfristig bremst die Microsoft-Software aber.

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Hardware-Hersteller hoffen, dass die Verbraucher sich neue Geräte anschaffen, um alle Funktionen des neuen Microsoft-Betriebssystems nutzen zu können. Quelle: AFP

Düsseldorf Cortana wird in den nächsten Monaten wohl niemand entkommen können. Die digitale Assistentin ist fester Bestandteil des neuen Betriebssystems Windows 10, das Microsoft diese Woche herausgebracht hat. Die künstliche Intelligenz beantwortet Fragen, notiert Termine im Kalender und singt sogar, wenn man darum bittet. Derartige Zwiegespräche mit der Computerstimme dürften bald in zahlreichen Werbespots und Produktvorführungen zu hören sein: Die Hardware-Hersteller, die bald ihre Computer mit dem neuen Betriebssystem an den Handel liefern werden, suchen nach überzeugenden Verkaufsargumenten. Siri lässt grüßen.

Die können die Hersteller von Lenovo bis Trekstor derzeit dringend gebrauchen. Der PC-Markt schrumpft schon seit einiger Zeit. Viele Nutzer leisten sich alle zwei Jahre ein neues Smartphone, ersetzen aber dafür ihren Computer deutlich seltener. Auch 2015 geht der Absatz nach einer Prognose des Marktforschers Gartner noch um 4,4 Prozent zurück, trotz des neuen Betriebssystems.

Nun hofft die Computerbranche gleich doppelt auf Windows 10. Zum einen ist für einige der neuen Funktionen spezielle Hardware nötig oder zumindest sinnvoll. So funktioniert die Spracherkennung von Cortana mit zwei – möglichst hochwertigen – Mikrofonen zuverlässiger. Toshiba baut gar eine Taste ein, mit der sich die neugierige Assistentin auf die Schnelle ein- und ausschalten lässt. Und die Entsperrung des Gerätes per Gesichtserkennung, die das Betriebssystem jetzt ermöglicht, funktioniert nur mit bestimmten 3D-Kameras. „Auf diese Features stürzen wir uns als Hardware-Hersteller“, sagt Mark Jendrzok, verantwortlicher Manager für das Produktmanagement beim deutschen Computerhersteller Medion.

Zum anderen ermöglicht das Betriebssystem neue Hardware-Konzepte; etwa Notebooks, deren Bildschirme sich abnehmen und als Tablets nutzen lassen – Experten sprechen von 2-in-1-Geräten. Die Software stellt dann automatisch vom kleinteiligen klassischen Desktop zur Touch-Oberfläche mit großen Symbolen um, je nach Situation.

„Das neue System wird eine Vielzahl neuer Formfaktoren hervorbringen", sagt Wilfried Thom, Deutschland-Chef von Acer. „Das wird den Markt beleben.“ Dabei hilft, dass der Aufpreis für Touchscreens inzwischen gering ist – und womöglich auch, dass Windows 10 nicht so sehr abschreckt. „Windows 10 ist ein Impulsgeber für die Anschaffung neuer Hardware“, hofft auch Gregor Bieler, Vorstand bei Microsoft Deutschland und für Verbraucherprodukte zuständig. Es entstehe eine Gerätevielfalt, „die es vorher nie gab“.


„Windows 10 ist eine Riesenchance“

Bei der Vermarktung bereitet aber ausgerechnet Microsoft den Partnern Probleme. Denn für Windows 10 müssen sich die Nutzer keine neue Hardware kaufen: Das Upgrade von Windows 7 und 8.1 ist kostenlos und lässt sich mit wenigen Klicks installieren. Auch drei oder vier Jahre alte Geräte lassen sich so auffrischen. „Die Software ist ein Hebel, um neue Hardware zu verkaufen“, sagt Medion-Manager Jendrzok. Dass Microsoft sein neues Betriebssystem vielen Nutzern nun kostenlos anbiete, „hat uns verwundert, um es diplomatisch zu sagen“. Ohne Cortana & Co. würde es an Argumenten fehlen.

Marktbeobachter trauen Windows 10 zu, den schwächelnden PC-Markt zu beleben. Gerade die Hybridgeräte, die sich als Notebook und Tablet nutzen lassen, stärken die Nachfrage. Unter Verbrauchern seien diese bereits sehr beliebt, sagt Annette Zimmermann, Analystin beim Marktforscher Gartner. „Mit der neuen Oberfläche eignen sich solche Geräte auch für Firmenkunden.“

Bis sich ein Windows-10-Effekt bemerkbar macht, könnte es allerdings noch dauern. „Wir erwarten eine deutliche Auswirkung erst Anfang 2016“, sagt Zimmermann. Gerade in Firmen dauere die Umstellung länger, nicht zuletzt weil der Chiphersteller Intel die neue Generation seiner Notebook-Prozessoren offenbar erst mit Verzögerung einführt.

Auch jenseits des PC-Marktes hoffen die Gerätehersteller auf einen Schub: Das System soll auch auf Smartphones, der interaktiven Tafel Surface Hub oder der Datenbrille Hololens laufen, Apps inklusive. „Windows 10 ist eine Riesenchance, um in neue Kategorien einzutauchen“, sagt Daniel Szmigiel, Vorstandsmitglied bei Trekstor. Das deutsche Unternehmen, lange bekannt für USB-Sticks und MP3-Player, will neben Tablets auch einen tragbaren Computer und einen Mini-PC mit Windows herausbringen.

Einen Boom der Windows-Smartphones erwartet Gartner-Analystin Zimmermann indes nicht. „Android dominiert den Markt, es zeichnet sich auch nicht ab, dass sich das ändern wird.“ Kaum ein Hersteller arbeite derzeit an einem Handy mit dem Microsoft-System. Dass der Software-Konzern seine Gerätesparte mit den Lumia-Geräten nun zusammenstreicht, erschwere die Situation noch mehr. Daran hat auch Cortana nichts geändert – auch Mobilgeräten ist die Assistentin bereits länger verfügbar.

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