Yahoo-Quartalszahlen Marissas 100-Millionen-Dollar-Irrtum

Umsatz gefallen, Betriebsergebnis gefallen - Marissa Mayer hat kein gutes Quartal hinter sich. Vor allem das Kerngeschäft bricht weg. Glücklicherweise hat sie jedoch ein Geschäftsfeld, bei dem es hervorragend läuft.

Yahoo-Chefin Marissa Mayer kann den Werbeschwund nicht stoppen. Quelle: REUTERS

Yahoo legt Zahlen vor und es kommt wie befürchtet. Der Umsatz fällt weiter um zwei Prozent, das operative Ergebnis fällt um acht Prozent und das Nettoergebnis steigt um 28 Prozent, weil Kosten reduziert werden und es einer Tochter gut geht: Alibaba, eine Handels- und Kommunikationsplattform in China, boomt. Yahoos Kerngeschäft jedoch, Online-Werbung in jeder möglichen Form, schrumpft zum wiederholten Mal. Die Einnahmen aus Display-Werbung – einst war Yahoo hier die Nummer eins weltweit – sanken weiter um sieben Prozent.

Das Weihnachtsquartal hat nach Analysteneinschätzungen Konkurrenten wie Facebook, Twitter oder Google satte Zuwächse gebracht. Für Marissa Mayer brachte es nur eines: Die Erkenntnis, dass sie mit Henrique de Castro den falschen Mann von Google zu Yahoo nachgeholt und weit überbezahlt hat. Das wurde klar, als sie ihn Anfang 2014 feuerte.
Einen Betrag irgendwo zwischen 88 und 110 Millionen Dollar wird de Castro nach nur 15 Monaten in Sunnyvale mitnehmen. Das ist selbst im für seine Dekadenz bekannten Silicon Valley viel Geld. Und dabei ist eigentlich noch immer völlig unklar, ob es ohne de Castro einen Deut besser wird, als mit ihm. „Es war die richtige Entscheidung“, erklärte Mayer trotzdem gegenüber Analysten am Dienstag. Das hatte sie vor 15 Monaten dem Board von Yahoo sicher auch gesagt, damit sie ihn anheuern. Das Yahoo-Aufsichtsgremium, offenbar noch paralysiert, weil ihr handverlesener Chef Scott Thompson wegen eines geschönten Lebenslaufs hochnot-peinlich zurücktreten musste, hatte offenbar nicht den Mut, Marissas Weg zu hinterfragen.

Unterstützung aus China
Für Marissa Mayer und ihre Aktionäre bleibt die Lektion, dass es nicht reicht, nur ein bisschen Google über Yahoo zu kleistern, und auf einmal ist der Midas-Touch im boomenden Online-Markt wieder da. Mit entsprechend gewachsener, gesunder Skepsis werden ihre anderen großen Einkäufe neben de Castro jetzt gemustert. Da sind der Blogdienst Tumblr für mehr als eine Milliarde Dollar oder der Nachrichtenaggregator Summly, um die größten der jüngsten Zeit zu nennen. Sie hat Top-Journalisten für Top-Gehälter angeheuert wie David Pogue von der New York Times, die Medieninhalte für Yahoo erstellen sollen.

Alle Kraft wird auf den Ausbau der mobilen Angebote geworfen. Der Zugriff darauf hat sich laut Mayer bereits verdoppelt. Nur klappt es einfach noch nicht, damit auch Gewinne zu erzielen. Solange das unklar ist, muss sich die Yahoo-Chefin auf den Erfolg anderer verlassen. Alibaba, der chinesische Internet-Gigant, an dem Yahoo knapp 24 Prozent hält, zeigt einen Umsatzzuwachs von 51 Prozent im dritten Quartal 2013, wie Yahoo stolz verkündet. Dazu kommt ein Nettogewinn von umgerechnet 801 Millionen Dollar. Und da ist das Weihnachtsquartal noch nicht drin mit dem 11. November, sozusagen der „Cyber Monday“ in China. Alibabas Shoppingportal Tmall setzte da in 24 Stunden 5,7 Milliarden Dollar um.

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Der Wert der Beteiligung und der abgelieferte Gewinnanteil aus China sind es, die die Aktionäre und Marissa Mayer erfreuen. Zusammen mit Yahoo Japan unterfütterten 222 Millionen Dollar aus dem Asiengeschäft den Nettogewinn. Dadurch sehen die eigenen Zahlen nicht so traurig aus mit insgesamt 348 Millionen Dollar Nettogewinn verblieben, das Asiengeld schon inbegriffen.
Für das laufende Quartal erwartet Finanzvorstand praktisch keine Verbesserung beim Umsatz mit 1,12 bis 1,15 Milliarden Dollar. Das operative Einkommen soll 130 bis 170 Millionen Dollar betragen, im Vorjahresquartal waren es 224 Millionen Dollar. Da muss Alibaba wieder ran.

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