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Yahoo-Zahlen enttäuschen Für Yahoo wird Alibaba zum Rettungsring

Stagnierender Umsatz, steigende Kosten und all das auch noch in einem Wachstumsmarkt – Yahoo enttäuscht weiterhin. Dass die Aktie nicht abrutscht, hängt allein mit der Beteiligung am chinesischen Internet-Hoffnungsträger Alibaba zusammen.

Yahoos Shopping-Tour
XobniJuli 2013: Yahoo kauft den App-Entwickler Xobni für angeblich etwa 60 Millionen Euro, heißt es auf den Seiten des IT-Magazins Techcrunch. Xobni steht für „Inbox“ (umgekehrt gelesen) und bietet Werkzeuge an, um E-Mails und Kontakte besser zu verwalten. Dafür erkennt die  Software automatisch Muster in der Kommunikation des Users. Gegründet wurde das Unternehmen bereits 2006 in San Francisco.
BignogginsJuli 2013: Auch das Startup Bignogginy wird von Yahoo gekauft. Das Unternehmen hat Spiele-Apps wie „Fantasy Monster“ und „Draft Monster“ entwickelt. Wie viel Marissa Mayer für die Übernahme gezahlt hat, ist nicht bekannt. Im Verhältnis soll es sich jedoch um eine eher niedrige Summe gehandelt haben. Quelle: Presse
QwikiJuli 2013: Auch den Videospezialisten Qwiki schluckt Yahoo. Mit Hilfe der iPhone-App lassen sich aus Fotos und Filmen individuelle Audio-Video-Slideshows basteln. Nach Angaben des Technologieblogs „All Things D“ sollen für die Übernahme etwa 50 Millionen Dollar gezahlt worden sein. Die Qwiki-App bleibt auch nach der Übernahme bestehen.
GhostbirdJuni 2013: Ghostbird entwickelt Apps zur Bearbeitung von Fotos auf iPhones. Zu den bekanntesten Produkten gehören KitCam oder PhotoForge2. Mit der Übernahme durch Yahoo werden die Mitarbeiter zum Teil des Flickr-Teams. Über den Kaufpreis sind keine Angaben bekannt. Quelle: Presse
TumblrMai 2013: Die größte Übernahme gelingt Marissa Mayer mit dem Kauf des Blog-Portals Tumblr. Für das 108 Millionen Profile starke Portal hat sie 1,1 Milliarden Dollar springen lassen. Während soziale Netzwerke Menschen verbinden, verknüpfen Plattformen wie Tumblr vor allem Inhalte. Bei Facebook beschränken sich die Möglichkeiten auf einen Chat, Statusupdates sowie Foto- und Videoupload. Das ist vielen Nutzern zu wenig. Einige Studien deuten darauf hindeuten, dass die Facebook-Aktivität vieler jüngerer Nutzer nachlässt. Einige Experten sehen Tumblr schon als den jugendlichen Nachfolger. Quelle: Presse
HuluMai 2013: Auch an dem Unternehmen Hulu hat Yahoo Interesse geäußert. Hier ist die Übernahme jedoch nicht ganz so einfach, denn die Konkurrenz ist stark. Neben Yahoo sollen auch Time Warner Cable, der Satelliten-TV-Spezialist DirecTV und Finanzinvestoren wie KKR sein. Bei Hulu können sich amerikanische Internet-Nutzer TV-Sendungen und Filme online ansehen. Einen großen Teil des Programms gibt es kostenlos und werbefinanziert, für einige Inhalte und die Nutzung auf Smartphones und Tablets muss man zusätzlich bezahlen. Der Dienst gehört drei großen Playern der amerikanischen TV-Branche: Disney, Rupert Murdochs News Corp. und Comcast. Sie bringen Serien ihrer Senderketten ABC, Fox und NBC ins Programm. Die Partner sind aber uneins über die Strategie und überlegen, Hulu zu verkaufen. Noch haben sie allerdings keine endgültige Entscheidung über die Zukunft der Website getroffen. Quelle: Presse
AstridMai 2013: Das ToDo-Tool Astrid wird zum Teil des Yahoo-Portfolios. Vier Millionen Nutzer hat das Portal am Tag der Übernahme. Die App wird nicht weitergeführt. Wie Yahoo die Technik für eigene Zwecke nutzen möchte, ist bisher nicht bekannt. Quelle: Presse

Yahoo-Chefin Marissa Mayer hatte schon im Sommer wohlweislich vorgewarnt, in diesem Jahr keine Wachstumssprünge bei dem von ihr seit Mitte Juli 2012 geführten Unternehmen zu erwarten. Insofern waren die Quartalszahlen, die Mayer und ihr Finanzchef Ken Goldman am Dienstagnachmittag vom Fernsehstudio im kalifornischen  Hauptsitz Sunnyvale präsentierten, keine Überraschung. Der Yahoo-Umsatz ist im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozent auf 1,08 Milliarden Dollar gefallen. Der operative Gewinn ging um 39 Prozent auf 93 Millionen Dollar zurück. Klammert man die außerordentlichen Gewinne aus Anteilsveräußerungen aus, ist der Profit gegenüber dem Vorjahresquartal um 13 Prozent gefallen.

Mit anderen Worten: Yahoo ist immer noch eine Turnaround-Story. Seine Umsätze stagnieren weiterhin oder gehen leicht zurück, während die Ausgaben steigen. Wie gut die Strategie der langjährigen Google-Managerin ist, muss sich erst noch zeigen. Auch, wann sich der umstrittene 1,1 Milliarden Kauf des Blog-Netzwerks Tumblr im Mai in den Umsätzen niederschlägt.

Mayer investiert derzeit viel Geld, um Produkte wie die Homepage, Yahoo Mail, Flickr und Yahoos Wetterdienste aufzuhübschen. Ihre Strategie ist, in die Kernprodukte zu investieren und damit die bestehende Klientel zu halten und neue Nutzer anzuziehen. Während die Wetter-Apps von Yahoo weithin gelobt werden, sind viele Nutzer über das neue Erscheinungsbild von Yahoo Mail verärgert. Allerdings wird Yahoo stärker als früher wahrgenommen. Die Besucherzahl ist seit Mayers Antritt vor 15 Monaten um etwa fünfzehn Prozent auf jetzt etwas über 800 Millionen weltweite Besucher monatlich gestiegen. Was sich in den Werbeumsätzen allerdings nicht widerspiegelt.

„Es braucht etwas Zeit, bis sich unsere Bemühungen in Umsätzen niederschlagen“, bat Mayer am Dienstag um Geduld. Viel Zeit ist allerdings nicht. Denn der Kampf um Werbegelder ist noch härter geworden. Zwar ist Online-Werbung weiterhin ein Wachstumsgeschäft, aber die Preise für Anzeigen sind wegen des Überangebots an Werbeflächen im Sinkflug.

Vor allem Google und Facebook machen Mayer im Geschäft mit Banneranzeigen zu schaffen, was sich in Marktanteilsverlusten für Yahoo bemerkbar macht. Mit dem anstehenden Börsengang von Twitter reift ein neuer Konkurrent heran, der sein Geschäft erheblich ausbauen muss. Der Yahoo-Umsatz ging bei Banneranzeigen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um sieben Prozent auf 421 Millionen Dollar zurück. Beim Geschäft mit suchbasierten Anzeigen konnte Yahoo leicht um drei Prozent auf 426 Millionen Dollar zulegen.

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Auch für den Rest des Jahres sieht Mayer keine Besserung beim Umsatz und schraubte vorsorglich die Erwartungen für das vierte Quartal – traditionell das stärkste bei Internet-Werbung – nochmal runter. Jedes normale Unternehmen wäre nach Vorlagen solcher Zahlen – vor allem in einem Wachstumsmarkt – böse abgestraft worden. Doch Yahoo hat mit seiner Beteiligung an dem chinesischen Internet-Star Alibaba einen besonderen Sesam. Das Yahoos Aktie trotzdem seit Mayers Amtsantritt von 15 Dollar auf  34 Dollar gestiegen ist und am Dienstag nach Börsenschluss sogar leicht um ein Prozent zulegte, hängt mit den Spekulationen über den Verkauf der 24 Prozent zusammen, die Yahoo immer noch an Alibaba hält. Deren Wert wird auf bis zu 24 Milliarden Dollar geschätzt. Yahoos Börsenwert beträgt wiederum 34 Milliarden Dollar. Der „Sesam öffne dich“ wird für Mayer deshalb zum „Sesam, rette mich“.

Yahoo-Finanzchef Goldmann gab außerdem bekannt, dass Yahoo wohl in einem möglichen Börsengang von Alibaba weniger Aktien verkaufen muss, als ursprünglich geplant. Für Yahoo sind das gute Nachrichten, wenn die Alibaba-Aktie nach dem Börsengang tatsächlich zulegt und weiterhin profitabel arbeitet.

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