Zahlen Hewlett Packard enttäuscht bei Umsatz und Gewinn

Unternehmenschefin Meg Whitmans Kurs mündet noch immer nicht in Wachstum. Nur allein mit Währungsschwankungen lassen sich die Verluste nicht erklären.

Die größten Computerhersteller der Welt
Platz 5: AsusDer Konzern aus Taiwan konnte um 16.9 Prozent im Vergleich zum dritten Quartal 2013 zulegen. Der Marktanteil lag im dritten Quartal 2014 mit 7,3 Prozent aber trotzdem am Schluss des Rankings des Marktforschungsunternehmens Gartner. Apple ist im PC-Geschäft immer noch nicht groß genug, um unter die Top 5 Anbieter zu kommen. Quelle: AP
Platz 4: AcerMit 8,6 Prozent Marktanteil im dritten Quartal 2014 landet die ebenfalls taiwanische Konkurrenz Acer Group auf dem vierten Platz. Im Vergleich zum dritten Quartal 2013 verkaufte Acer 9,0 Prozent mehr PCs. Dem Marktforschungsunternehmen zufolge sanken die Computer-Verkäufe im letzten Jahr, unabhängig vom betrachteten Hersteller, in allen Regionen der Welt um 0,5 Prozent. Quelle: REUTERS
Platz 3: DellMit 12,8 Prozent Marktanteil liegt Dell ein ganzes Stück weit hinter den beiden Erstplatzierten. Die weltweiten PC-Verkäufe legten im Vergleich zum Vorjahresquartal um 9,7 Prozent zu. Eine gute Bilanz für den ehemaligen Branchenprimus aus Texas. Quelle: REUTERS
Platz 2: HPDer langjährige Marktführer Hewlett-Packard musste sich erneut der Konkurrenz aus China geschlagen geben. Der Marktanteil lag im dritten Quartal 2014 bei 17,9 Prozent. Die Marktforschungsfirma Gartner stellte bei dem US-Konzern ein stärkeres Wachstum von 4,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal fest. Quelle: AP
Platz 1: LenovoDer Marktanteil im dritten Quartal 2014 lag bei 19,8 Prozent. In der aktuellen Studie von Gartner liegt Lenovo damit noch vor HP. Der chinesische Konzern hat seine Spitzenposition als der größte PC-Hersteller der Welt weiter ausbauen können: Lenovo steigerte die Verkäufe im Vergleich zum Vorjahresquartal um 11,4 Prozent. Quelle: REUTERS

Stolz hatte Hewlett Packard am Dienstagmorgen einen milliardenschweren Auftrag der Deutschen Bank verkündet. Der Silicon Valley Konzern wird der Großbank über die nächsten zehn Jahre helfen, deren IT-Infrastruktur auf dem neuesten Stand zu halten.  “Wir haben uns praktisch gegen alle aus der Branche durchgesetzt”, frohlockte HP-Chefin Meg Whitman über den Großauftrag, dessen Abschluss zwei Jahre benötigte. Ein wichtiger Imagegewinn, da sich Whitman in der Vergangenheit wegen des Rückstands beim sogenannten Cloud Computing und im Softwaregeschäft öfter die Frage hatte gefallen lassen müssen, ob HP bei der Modernisierung von IT überhaupt noch die richtige Adresse sei.

Die Aktie legte auf Grund dieses Vertrauensbeweises der Banker zu. Seit März vergangenen Jahres ist sie, gestützt durch Aktienrückkäufe, um rund dreißig Prozent gestiegen, besonders nachdem der Konzern im Herbst seine Aufspaltung in zwei Unternehmen angekündigt hatte.

Wenige Stunden nach Bekanntgabe des Deutsche Bank Auftrags folgte allerdings die große Ernüchterung, als Hewlett Packard seine Geschäftszahlen fürs erste Quartal offenlegte. Welche die Aktie im nachbörslichen Handel um bis zu 7,7 Prozent in den Keller beförderten.

Nicht nur sind Umsatz und Gewinn im Ende Januar beendeten Geschäftsquartal zurückgegangen. Fürs laufende Jahr senkte der Konzern auch noch vorsorglich seine Gewinnprognose. Konkret fiel der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 4,7 Prozent auf 26,8 Milliarden Dollar. Der Gewinn verringerte sich um fast vier Prozent auf 1,37 Milliarden Dollar.  Von erhofften Wachstum ist weit und breit keine Spur.

“Wir sind weiter auf dem richtigen Kurs bei unserem Turnaround”, beschwichtigte Whitman dennoch bei der Vorstellung der Quartalszahlen. Sie macht – wie zuvor schon ihre Wettbewerber Microsoft und IBM - für den Rückgang vor allem den starken Dollar-Kurs verantwortlich. In Russland belastet die politische Lage das Geschäft. In China macht die Regierung ausländischen Anbietern das Leben schwer, um die eigene IT-Branche zu päppeln.

Da Hewlett Packard nur 35 Prozent seines Umsatzes im Heimatmarkt USA erwirtschaftet, ist das Unternehmen besonders stark von Währungsschwankungen betroffen. “Das können wir auch mit Währungs-Gegengeschäften nicht ausgleichen”, erklärte Finanzchefin Cathie Lesjak die niedrige Gewinnprognose fürs Jahr. Rechnet man die Währungsschwankungen heraus, fiel im ersten Quartal jedoch immer noch ein Rückgang von zwei Prozent an.

Ein Blick auf die einzelnen Geschäftssegmente schürt Zweifel, ob der Geschäftsrückgang tatsächlich vorrangig am starken Dollar liegt. Denn ausgerechnet in erhofften Wachstumsmärkten, die der Konzern gerade in ein neues Unternehmen namens Hewlett Packard Enterprise ausgliedert, schrumpfen oder stagnieren die Umsätze gegen den Branchentrend.

Im Softwaregeschäft, in das HP stark expandieren will, fiel der Umsatz um fünf Prozent.  Das Dienstleistungsgeschäft mit Unternehmen verringerte sich gar um elf Prozent.  Auch der Boommarkt Cloud Computing macht sich im Ergebnis kaum bemerkbar. Ein Lichtblick war das Geschäft mit Servern, dessen Umsatz um sieben Prozent zulegte. Der jedoch von einem schwachen Netzwerkgeschäft überschattet wurde, dessen Umsatz um elf Prozent nachgab. Und das ausgerechnet in einer Sparte, in der HP verstärkt mit neuen Produkten gegen die Platzhirsche Cisco und Juniper Networks punkten will. “Im Netzwerkgeschäft hatten wir vor allem in den USA und in China Probleme beim Management, die wir inzwischen adressiert haben”, räumte Whitman denn auch unumwunden ein.

Sie wird Hewlett Packard Enterprise als CEO übernehmen, fast der gesamte jetzige Vorstand wechselt in den aufs Unternehmensgeschäft ausgerichteten Hoffnungsträger.  Das Hewlett Packard ausgerechnet in den selber proklamierten Wachstumsmärkten mit schrumpfenden Umsätzen zu kämpfen hat, sät Zweifel, ob Whitmans Kurs tatsächlich wie versprochen in langfristiges Wachstum führt.

Paradoxerweise laufen die Geschäfte im alten HP mit seinen Schrumpfmärkten Personalcomputer und Drucker relativ gut. Der Umsatz mit Druckern, vor allen Dingen Toner und Tusche, steuert immer noch am meisten zu HPs Betriebsgewinn zu.

HP Inc – künftig von Dion Weisler als CEO geführt und hauptsächlich auf Privatkunden fokussiert – musste zwar im Druckgeschäft auch einen Umsatzrückgang von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr vermelden. Doch der Umsatz mit Computern blieb zumindest stabil, dank besonders starker Nachfrage nach Notebooks.

Erstmals bezifferte Hewlett Packard auch die Kosten für die Aufspaltung des einstigen Silicon Valley Giganten, die bis zum Herbst abgeschlossen sein soll. Sie werden rund 2,7 Milliarden Dollar betragen. 44.000 Beschäftigte hat HP bereits entlassen, bis Herbst sollen weitere 11.000 folgen. Allerdings schafft der Konzern in Wachstumsmärkten wie Cloud Computing und Software neue Stellen.

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