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„Zucked – Waking up to the Facebook Catastrophe“ Tech-Bestseller rechnet mit Zuckerberg ab

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Zuckerberg leidet am Midas-Effekt

Facebook steigt zu einem der wertvollsten und mächtigsten Unternehmen der Welt auf. McNamee verdient dabei als Investor Hunderte Millionen Dollar und hält nach eigenem Bekunden noch heute Facebook-Aktien.

Im Frühjahr 2016 will dem einstigen Zuckerberg-Mentor klargeworden sein, dass das soziale Netzwerk eine Art Überwachungskapitalismus zum neuen Vorbild gemacht hat und dabei ist, Demokratie und Privatsphäre zu zerstören. Er interveniert bei Zuckerberg und Sandberg, „die Einzigen, die etwas ändern könnten“, aber die sehen keine Probleme. Das ist, als alle Welt noch annimmt, dass Hillary Clinton die Präsidentschaft gewinnen wird, der Datenskandal um Cambridge Analytica noch unbekannt ist, ebenso wie die Rolle der Russen im US-Wahlkampf.

Ist ausgerechnet jemand wie McNamee, der mit Facebook Hunderte Millionen Dollar verdient hat, in diesem Konflikt glaubwürdig? Oder ist es nur ein Versuch, die drohende Regulierung der Tech-Branche so zu lenken, dass die Silicon-Valley-Elite keinen Schaden nimmt, vielleicht sogar davon profitiert? Warum sollte ausgerechnet einer der am besten vernetzten Investoren Nestbeschmutzer spielen?

Doch McNamee nimmt kein Blatt vor den Mund, geht radikal mit der Tech-Branche zu Gericht und macht deutlich, dass nicht nur die Geschäftspraktiken von Facebook, sondern auch die von Google problematisch sind. Und dass diese angepackt werden müssen, bevor der Aufstieg der Künstlichen Intelligenz durch maschinelles Lernen eine Gesellschaft hervorbringt, die nicht nur überwacht und kontrolliert, sondern auch bewusst unterdrückt.

McNamee liefert Ideen, wie sich die Gefahr von digitalen Plattformen eindämmen lassen könnte. Dass die Nutzer selber aufwachen und die Vermarktung ihrer persönlichen Daten boykottieren, daran glaubt auch er nicht.

Da die Verbraucher aber betrogen werden, weil ihre Daten viel mehr wert sind, als sie dafür im Gegenzug in vermeintlichen Dienstleistungen erhalten, sollten Plattformen wie Facebook, Google und auch Amazon als Monopole deklariert und aufgebrochen werden, argumentiert er. Das Verwerten von Daten müsste drastisch eingeschränkt werden, auch wenn Dienste dadurch kostenpflichtig werden sollten.

Es hat eine gewisse Ironie, dass ausgerechnet ein Investor aus dem Silicon Valley und Verfechter der freien Marktwirtschaft nun darauf hofft, dass Politiker den Schlamassel beseitigen. Glaubt man McNamee, gibt es nur eine Person, auf die Zuckerberg wirklich hört: Den deutschstämmigen Investor Peter Thiel, seinen ersten Geldgeber. Thiel, der an „gute Monopole“ glaubt, wenn diese für Fortschritt eingesetzt werden – beispielsweise autonomes Fahren oder längeres Leben – wird jedoch keine Aufspaltung propagieren.

McNamees Buch ist lesenswert, auch wenn streckenweise seine Eitelkeit durchkommt. Hätten Zuckerberg und Sandberg auf ihn gehört, so seine Botschaft, hätte Facebook heute nicht sein Glaubwürdigkeitsproblem, das mittlerweile in eine existenzielle Krise ausgeartet ist.  Hätten seine Partner bei der Beteiligungsgesellschaft Silver Lake nicht versucht, ihn auszubooten, dann hätten sie heute mit ihm gemeinsam ein Unternehmen mit dem Megastar und U2-Sänger Bono.

Hätten seine früheren Partner auf ihn gehört und das Angebot von Steve Jobs wahrgenommen, 18 Prozent von Apple aufzukaufen und dabei ein Aufsichtsratsmandat für McNamee zu ergattern, wären diese und vor allem er noch viel reicher.

Aber vielleicht ist das McNamees Glück. Dass Zuckerberg und sein Team so wirklichkeitsfremd agieren, so erklärt er in seinem Buch, liegt am „Midas-Effekt“. Weil sie wirtschaftlich so erfolgreich sind, „glauben sie, dass alles was sie tun richtig ist, immer das Beste und ohne Frage gut für die Menschheit.“

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