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Japan Wie der Gemischtwarenladen Kyocera der Wirtschaftskrise trotzt

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Von der Prothese bis zum Küchenmesser (zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)

Gerade in Krisenzeiten erweist sich die fast unüberschaubare Produktpalette als herausragende Stärke. Profitable Sektoren federn die weniger gefragten ab. Während die Sparten Autozulieferungen, Elektronik-und Telekomausrüstungen in den zurückliegenden Monaten global einbrachen, legten die Sparten Büroausrüstungen, Halbleiter sowie angewandte Keramikprodukte einschließlich Solartechnik und Küchengeräte zu.

Einen ähnlichen Aufschwung erleben die Sparten Feinkeramik und Elektronik-Komponenten, die im Frühjahr einen Zuwachs an Aufträgen verbuchten. „Viele dieser Spezialprodukte kann in Asien nur Kyocera herstellen“, sagt Analyst Akizuki von Nomura. „Die lassen sich aggressiv und zu steigenden Preisen vermarkten.“ Besonders rege kaufen seit einigen Wochen die Chinesen High-Tech-Handy-Komponenten made by Kyocera ein.

Doch die Verrechnung von Gewinnen hier und Verlusten da wäre zu trivial, um die dauerhafte Rentabilität von Kyocera zu erklären. Dass das Unternehmen in seiner 50-jährigen Geschichte noch nie Verlust machte, hat tiefere Gründe.

Know-how wird maximal genutzt

Zum einen gelingt es den Japanern fast immer, sich mit ihrer jeweiligen Sparte als einer der führenden Anbieter zu etablieren. Auf der Messe Intersolar Ende Mai in München etwa präsentierte sich das Unternehmen als Spezialist für Hochleistungs-Solaranlagen. In dem Marktsegment rangiert Kyocera global auf Platz sechs. Nicht von ungefähr sind auf dem Dach der Konzernzentrale und an deren Südwand fast 2.000 Solarpanele installiert, die 214 Kilowatt Energie erbringen – im Weltmaßstab eine der höchsten Leistungen von Foto-voltaik-Anlagen an Gebäuden.

Zum anderen ist Kyocera Pionier und Spezialist für feinkeramische Teile – eine Rolle, die das Unternehmen auf alle erdenklichen Absatzfelder auszudehnen sucht. Ob Schmucksteine, Hüftprothesen, Zahnimplantate oder Keramikmesser, die durch Torten, Tomaten und Tilsiter gehen wie durch Tiramisu: Stets verstehen es die Japaner, ihr besonderes Know-how maximal auszuschlachten.

Was bei Kyocera nicht läuft, wird eingestellt

Hinzu kommt ein rigoroses Regime, das nicht das geringste Lotterleben zulässt. „Wir haben ein knallhartes Managementsystem, bei dem jede Abteilung jeden Monat alle Zahlen bis ins Detail offenlegt“, sagt Chairman Kawamura. „Bei Problemfällen wird ein Aktionsplan erstellt, wenn der nicht greift, wird der Bereich eingestellt.“ Basta.

Diese Aggressivität lobt Nomura-Analyst Akizuki. „Die Kostensenkungen greifen in der Krise über alle Erwartungen.“ Managergehälter wurden auf allen Ebenen bis zu 20 Prozent gekürzt, Überstunden generell gestrichen, Geschäftsreisen weitgehend durch Video- und Telefonkonferenzen ersetzt. Dafür wurden bisher keine Mitarbeiter entlassen wie in vielen anderen japanischen Betrieben neuerdings üblich.

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