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Jobumfrage Die Jobmaschine: Helden der Arbeit

Die neue Jobumfrage der WirtschaftsWoche beweist: Der Aufschwung ist 2007 an den Werkbänken und Schreibtischen angekommen. Die wichtigsten börsennotierten Unternehmen in Deutschland sind einer Untersuchung zufolge gut gerüstet für einen wirtschaftlichen Abschwung. Deutschlands Chefs, Manager und Erfinder haben neue Stellen geschaffen wie schon lange nicht mehr. Jede von ihnen hat ein Gesicht – und eine spannende Geschichte.

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Randstad-Deutschland-Chef Quelle: Oliver Rüther für WirtschaftsWoche

Eckard Gatzke hat schon viel Stress erlebt. Beim Logistiker Kühne + Nagel musste er sich mit der Sparwut im Unternehmen herumschlagen, bei der Bremer Spedition Roland mit raubeinigen Verladern. Und als Deutschland-Chef des niederländischen Expressdienstes TNT machte ihm die Deutsche Post das Leben schwer.

Umso euphorischer genießt Gatzke gerade den Ruhm, den ihm der Chefsessel bei Randstad in Deutschland einbringt. „Wir sind zufrieden“, sagt er mit sonorer Stimme vor dem gläsernen Schreibtisch in seinem Büro in Eschborn und blickt auf die Frankfurter Hochhäuser. „Rund 33.000 zusätzliche Mitarbeiter“ habe er seit 2005 per saldo in Deutschland angeheuert, rechnet Gatzke vor, so viel wie kein anderes Unternehmen in diesem Zeitraum. Und auch 2007 war er wieder Jobkönig – mit per saldo mehr als 10.000 neuen Mitarbeitern. „Damit wachsen wir schneller als die meisten unserer Wettbewerber“, sagt Gatzke.

Wie sehr der 51-Jährige damit den anderen Unternehmen hierzulande enteilte, beweist die neue Jobumfrage der WirtschaftsWoche. Dabei wurden die 3300 wichtigsten Unternehmen hierzulande befragt, ob sie 2007 aus eigener Kraft, also ohne Firmenübernahmen, die Zahl der Beschäftigten in Deutschland erhöhten – eine in dieser Art einzigartige Erhebung. Insgesamt meldeten die Firmen rund 85.000 zusätzliche Stellen, gut 5,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Dass Randstad dabei zum dritten Mal hintereinander auf Platz eins landete, erklärt sich Gatzke vor allem mit einem grundsätzlichen Wandel. Früher nahm die Zahl der Leiharbeiter im Zuge eines Aufschwungs mit der Zeit ab, weil die Unternehmen zunehmend Leute selber einstellten. Davon ist diesmal weniger zu spüren. Stattdessen wächst die Leiharbeit ungestüm weiter. „Das beweist“, sagt Gatzke, „dass Zeitarbeitskräfte zum festen strategischen Bestandteil in den Planungen der Unternehmen geworden sind.“

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    Tatsächlich stellen die Arbeitskräfteverleiher in der WirtschaftsWoche-Jobumfrage die klassischen Arbeitgeber weit in den Schatten:

    Allein vier Chefs der erfolgreichsten Jobmaschinen Deutschlands stehen an der Spitze von Unternehmen der Leiharbeitsbranche. Hinter Gatzke auf Platz zwei folgt dessen Kollege Thomas Reitz von Manpower, auf Platz drei Dieter Scheiff, Chef des Weltmarktführers Adecco, und auf Platz fünf Werner Müller, Präsident von Persona Service aus dem westdeutschen Lüdenscheid. Zählt man noch Ingenieurbüros wie Bertrandt dazu, die ihre Mitarbeiter teilweise ebenfalls verleihen, entstanden fast zwei von fünf der gemeldeten neuen Jobs in einer Zeitarbeitsfirma.

    Auffällig viele zusätzliche Arbeitsplätze schuf im vergangenen Jahr auch das Dienstleistungsgewerbe. Viele der neuen Jobs gab es im Niedriglohnsektor, vorneweg bei den US-Schnellimbissketten Burger King, McDonald’s und Subway. Auch der Frankfurter Claus Wisser mit seiner Putzfirma Wisag, sein Osnabrücker Kollege Arnulf Piepenbrock, der Essener Wach- und Schließspezialist Fritz Kötter sowie der Callcenterbetreiber Walter Services stockten das Personal auf. Als aufstrebende Arbeitgeber in den Hintergrund geraten sind dagegen die Industrieunternehmen. Angeführt wird die kleine Riege von Ulf Schneider, dem Chef des Bad Homburger Medizintechnik- und Gesundheitskonzerns Fresenius, gefolgt von seinem Kollegen bei Bosch, Franz Fehrenbach, und dessen Pendant beim Getriebehersteller ZF Friedrichshafen, Hans-Georg Härter.

    Luftiger Arbeitsplatz: Ein Quelle: dpa

    Die zunehmende Bedeutung als Arbeitgeber verdanken Gatzke und Co. Ex-Bundesarbeitsminister Wolfgang Clement. Der Sozialdemokrat steht heute in Diensten des Zeitarbeitsriesen Adecco, für den er ein konzerneigenes Institut in London leitet. Clement setzte in der rot-grünen Koalition durch, dass Zeitarbeitsfirmen seit 2005 ihr Personal ohne jede Befristung an ein und dasselbe Unternehmen verleihen dürfen. Zuvor mussten die Leute nach zwei Jahren wieder abgezogen werden. Die Gesetzesänderung ermöglicht nun allen Unternehmen, sich ohne zeitliche Begrenzung einen festen Stamm an Leihkräften zuzulegen, die sie bei Auftragsrückgang ohne einen Cent Abfindung zur Zeitarbeitsfirma zurückschicken können. Auf diese Weise umschiffen die Betriebe den teilweise teuren Kündigungsschutz.

    Wie Gatzke und seine Branchenkollegen mit der neuen Gesetzeslage Zigtausend Stellen schaffen, zeigt Dirk Berg aus Haargarten au Minz, wenige Kilometer jenseits der deutsch-französischen Grenze bei Saarbrücken. Fünf Jahre verdingte sich der gelernte Metzger mal im Schlachthof, mal in einer Fleischerei – „immer im Nassen und Kalten“, erinnert er sich. Da rieten ihm Freunde, es doch mal bei der Zeitarbeitsfirma Adecco zu versuchen, die auf dem Gelände von Ford in Saarlouis ein Büro habe.

    Berg hatte Glück. Ford brauchte gerade Leute, um den neuen Sportgeländewagen Kuga termingerecht auszuliefern. Seit Herbst 2007 hangelt sich Berg deshalb als Adecco-Mann an Band 1 von einem Termin zum anderen. Erst lief sein Arbeitsvertrag mit Adecco für den Einsatz bei Ford bis zum 30. April 2008. Dann signalisierte der Autobauer, dass er Berg bis zum 30. Juli benötige. Inzwischen rechnet der Ex-Metzger fest damit, dass Adecco, nachdem Ford dies avisierte, seinen Vertrag bis Ende 2008 verlängert. Den Mittzwanziger ficht das nicht an. „Auch bei den Metzgern“, sagt er, „war ich nie länger als ein halbes Jahr.“

    Trotzdem machen Gewerkschafter zur Zeit Stimmung gegen Zeitarbeit. Einer der Auslöser ist der Autobauer BMW, der sich nicht nur Hunderter Leiharbeiter bedient, die rund ein Drittel weniger verdienen als BMW-Werker. Die Münchner setzen die Minderentlohnten jetzt auch noch wegen Rationalisierungsmaßnahmen als Erste vor die Tür. Für Konkurrent Audi ist die Sache so heikel, dass Personalchef Werner Widuckel zurzeit keinen Leiharbeiter in Audi-Montur in der Zeitung sehen will.

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      Dabei haben die ersten Zeitarbeitsfirmen und Unternehmen schon einen Königsweg gefunden, um der Leiharbeit speziell bei den Autobauern eine harmonische Zukunft zu bescheren. Zu diesem Zweck schloss etwa Adecco im vergangenen Jahr mit der IG Metall in Bayern einen Sondertarifvertrag, demzufolge Leiharbeiter bei Audi gleichviel verdienen wie die Stammbeschäftigten.

      Auch Adecco-Mann Berg im Saarland kommt auf den gleichen Stundenlohn wie seine Ford-Kollegen – und verdient damit fast doppelt so viel, wie Adecco ihm nach dem Zeitarbeitstarifvertrag zahlen müsste. Grund für das großzügige Salär bei Adecco ist eine Vereinbarung zwischen Ford und dem Betriebsrat, der dem Autobauer im Gegenzug relativ freie Hand bei den Leiharbeitern lässt. „Wenn der Kunde das wünscht und die Kostenfrage geklärt ist“, sagt Gatzke, „dann sind wir gerne gesprächsbereit.“

      Im Grunde wissen Gatzke und Kollegen, dass sie künftig vor allem dann weiter florieren, wenn ihre Kunden, die Unternehmen, erfolgreich für Wachstum sorgen. Denn dort sitzen die wahren Jobmaschinen, die für neue Aufträge, mithin für Arbeitsplätze sorgen. Fünf dieser Helden der Arbeit stellt die WirtschaftsWoche im Folgenden vor.

      Die wichtigsten börsennotierten Konzerne in Deutschland sind einer Untersuchung zufolge für einen wirtschaftlichen Abschwung gut gerüstet. Besonders die Industrieunternehmen hätten in den vergangenen Jahren ihre Renditen deutlich steigern können, schreibt das „Handelsblatt“ in seinem heute veröffentlichten Firmen-Check.

      Die Zeiten, in denen sie ihren Konkurrenten aus dem Ausland hinterhergehinkt seien, seien vorbei. Durch Produktionsverlagerungen ins Ausland und die kaum gestiegenen Löhne im Inland hätten sie ihre Wettbewerbsfähigkeit deutlich verbessert.

      Sie erreichten meist Rendite-Werte zwischen 5 und 10 Prozent. Banken und Versicherungen ausgenommen, hätten die DAX-Konzerne 2007 im Schnitt eine Rendite von 5,1 Prozent ausweisen können.

      Spitzenreiter SAP - Schlusslicht Infineon

      Gegenüber dem Boomjahr 2000 habe sich die Renditerangliste der größten deutschen Unternehmen drastisch verändert: Damals hätten Technologie-Unternehmen die beste Profitabilität vorweisen können. Einige ehemalige Spitzenreiter wie die Telekom oder Infineon zählten heute zu den schwächsten Werten im DAX. Spitzenreiter bliebt SAP mit einer Rendite von 18,9 Prozent vor Eon (10,8), Linde (8,1), MAN (7,9) und BASF (7,5).

      Schlusslicht war Infineon mit einer Rendite von -5,0 Prozent. Vorletzter wurde Merck (-1,3), das ein Jahr zuvor mit einer Rendite von 16 Prozent noch auf dem zweiten Platz gelegen hatte. Vor allem Infineon zog Kritik auf sich. Seit seiner Gründung habe das Unternehmen große Verluste angehäuft und noch nie bewiesen, dass es ein profitables Geschäftsmodell habe, schreibt das „Handelsblatt“.

      Beim Firmen-Check arbeitet die Zeitung mit dem Institut für Wirtschaftsprüfung (IWP) und der Unternehmensberatung Oliver Wyman zusammen. Entscheidende Kennziffern sind Umsatz, Ergebnis und Umsatzrendite. Untersucht wurden 23 DAX-Konzerne. Die sieben Banken und Versicherungen im Deutschen Aktienindex blieben außen vor, da ihre Kennzahlen nicht mit denen der anderen Unternehmen vergleichbar sind.

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