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Joint Venture Wortmann kooperiert mit Ara

Europas größter Schuhproduzent sichert sich zusammen mit der Ara AG die Produktion und den Vertrieb der Salamander-Schuhe. Gemeinsam wollen sie die gebeutelte Traditionsmarke wieder aufbauen.

Die frühere Salamander-Marke Lurchi gehört jetzt zu Wortmann Quelle: ap Quelle: handelsblatt.com

HAMBURG. Der Grundsatz klingt simpel: "Ich schaue bei neuen Ideen und Projekten immer zuerst, was ich verlieren kann", sagt Horst Wortmann. "Erst dann beschäftige ich mich mit der Frage, was ich gewinnen kann." Dass viele Manager sich zu selten an dieses Prinzip gehalten haben, zeigt die jüngere Geschichte. Dass Wortmann, Geschäftsführender Gesellschafter der Detmolder Wortmann KG, konsequent seiner Maxime gefolgt ist, ebenfalls: Sein Unternehmen ist Europas größter Schuhproduzent, inzwischen baut er sogar im Wochentakt Schuhfilialen unter der Marke Tamaris auf. Das Familienunternehmen braucht keine Bankkredite und hat eine Eigenkapitalquote von 75 Prozent.

Mit seinem jüngsten Schachzug kann Wortmann seine Marktführerschaft weiter ausbauen. Vorigen Montag hat das Detmolder Unternehmen die Gründung eines Joint-Ventures mit dem Langenfelder Ara-Konzern bekanntgegeben, das die Schuhe aus dem Salamander-Marken-Portfolio produzieren und vertreiben wird. Beide halten 50 Prozent.

Die Ara AG hatte erst im Februar 2009 Salamander vom insolventen Luxusgüterkonzern Egana Goldpfeil übernommen, bislang aber keine neue Kollektion auf den Markt gebracht. Zusammen mit Wortmann will sie die 1885 gegründete Traditionsmarke, die in den vergangenen Jahren gleich vier Mal den Eigentümer gewechselt hat, wieder zur alten Stärke zurückführen. Ara hat 2008 einen Umsatz von knapp 300 Mio. Euro erzielt.

"Dies ist die einmalige Chance, eine große Marke unter soliden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu neuem Erfolg zu führen", sagt Wortmann. "Die Kombination von zwei erfahrenen Partnern wie Ara und Wortmann ist der Garant für ein hohes Maß an Marktkompetenz und Kundenorientierung." Beide Unternehmen führen bereits seit dem Jahr 2000 a+w shoes, ein Joint-Venture mit jeweils 50 Prozent Anteil, das Bequemschuhe produziert und vertreibt.

In den kommenden Wochen soll dem Fachhandel die Herbstkollektion der Lurchi-Kinderschuhe präsentiert werden, zum Sommer 2011 ist der Launch der Salamander-Herrenschuhe geplant, kurz darauf sollen Damenschuhe folgen. Laut Wortmann fallen keine größeren Anfangsinvestitionen in das Gemeinschaftsunternehmen an.

Der Zusammenschluss der beiden Familienunternehmen erfolgt in turbulenten Zeiten: Der Umsatz der deutschen Schuhindustrie fiel im ersten Halbjahr 2009 um zehn Prozent, der Schuheinzelhandel kam mit einem Minus von einem Prozent vergleichsweise glimpflich davon. Die Zahl der deutschen Schuhhändler schrumpft erheblich, der Nachwuchs fehlt, zudem verkauft der Textileinzelhandel verstärkt Lederprodukte.

Wortmann agiert dagegen von einer gesunden Basis aus: Im Ende Mai abgeschlossenen Geschäftsjahr 2008/09 steigerte das Unternehmen seinen Umsatz um 7,8 Prozent auf 799 Mio. Euro. Für dieses Geschäftsjahr erwartet es ein Wachstum im oberen einstelligen Prozentbereich. Einen Schub hat das Familienunternehmen - Wortmanns Neffe Jens Beining ist Mitglied der Geschäftsleitung, sein Sohn arbeitet im Qualitätsmanagement - nach eigenen Worten durch seine TV-Kampagne erfahren, die für die Marke Tamaris seit vorigem Herbst läuft. Wortmann hat ein Marketingbudget in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrages, das im Krisenjahr 2009 noch einmal erhöht wurde.

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