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Jürgen Hambrecht im Interview "Jetzt reicht's!“

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BASF-Anlage in Ludwigshafen Quelle: dpa

Und wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen?

Dann besteht die Gefahr, dass eine Anzahl chemischer Produktionsanlagen in Europa nicht mehr wirtschaftlich arbeiten kann. Aber Deutschland kann doch kein reines Serviceland werden! Unsere Stärke in Europa ist die Produktion. Also muss die Politik auch ein Bekenntnis dazu abgeben. Ich habe den Eindruck, dass manche Politiker und Teile der Bevölkerung immer noch glauben, dass der Strom aus der Steckdose kommt, etwa wie der Sauerstoff aus der Luft zum Atmen. Mit diesem wichtigen Thema wird zu sorglos umgegangen.

Was muss passieren?

Wir brauchen eine integrierte Klimaschutz- und Energiepolitik. Es kann doch nicht sein, dass die Klimaschutzziele in Brüssel festgelegt werden und die nationalen Regierungen dann darüber entscheiden, wie die Ziele umgesetzt werden. Das kann nicht funktionieren. In Deutschland sollten wir unseren ausgewogenen Energiemix beibehalten. Dazu zählen Kernkraftwerke wie auch moderne Kohlekraftwerke. Und wir müssen mehr auf Energiesparen und Energieeffizienz setzen.

Sie fordern von anderen. Was tut BASF für den Klimaschutz?

Ludwigshafen ist der beste Chemiestandort der Welt, wenn es um Energieeffizienz geht. Und wir haben als erstes Unternehmen weltweit eine integrierte Kohlendioxid-Bilanz erstellt. Ergebnis: Mit den Produkten und Technologien aus unserem Hause, etwa dem Dämmmaterial, sparen Kunden und Endverbraucher schon heute dreimal mehr Treibhausgas-Emissionen ein als bei der Herstellung und Entsorgung aller BASF-Produkte emittiert werden. Die ganze Systematik der Untersuchung haben wir übrigens vom Freiburger Öko-Institut bestätigen lassen.

Die Chemie ist in besonderem Maße vom Öl abhängig. Wie wird sich der Ölpreis entwickeln, der derzeit klar über 100 Dollar pro Barrel liegt?

Wir rechnen in diesem Jahr mit einem durchschnittlichen Ölpreis von 90 Dollar je Barrel. Dazu kalkulieren wir im Jahresdurchschnitt mit einem Dollar-Kurs von 1,50 Euro. Der Ölpreis ist derzeit spekulativ sehr überhöht. Es wird zu viel Öl produziert. Wenn die Weltwirtschaft nachlässt und die Wachstumsraten geringer ausfallen, wird das dazu führen, dass der Ölpreis zurückgeht.

Wie lautet Ihre Konjunkturprognose?

Für unsere Branche erwarte ich, dass die Chemieindustrie weltweit um 2,8 Prozent wächst, was einer leichten Abschwächung gegenüber 2007 entspricht. Damit wächst die Chemiebranche in etwa so stark wie die Weltwirtschaft.

Was spürt die BASF von der Finanzkrise?

Wir spüren die Auswirkungen vor allem in Nordamerika, in der Automobil-, Bau- und Möbelindustrie. Also dort, wo es um größere Anschaffungen geht.

Verstehen Sie noch, wie die Banken gewirtschaftet haben?

Ich habe das Gefühl, dass wir bei der BASF unsere neuen Produkte besser kennen als die Banken ihre Finanzprodukte.

Bei Ihnen steigen Umsatz und Gewinn.

Die BASF ist heute nicht mehr so stark vom Auf und Ab der Weltwirtschaft abhängig. Unser Portfolio ist in den vergangenen Jahren deutlich konjunkturrobuster geworden, etwa durch Zukäufe wie das Katalysatorengeschäft von Engelhard. Wir werden auch im Tal eines Konjunkturzyklus unsere Kapitalkosten verdienen. Die BASF von 2001 hat mit der BASF 2008 nicht mehr so viel zu tun.

Welche Innovationen hat die BASF demnächst zu bieten?

Wir wünschen uns, dass mehr Menschen merken, wo überall BASF drinsteckt. Wenn irgendwo ein neues Produkt auf den Markt kommt, können Sie sicher sein, dass die Innovation dazu nur von der chemischen Industrie stammte. Wir haben etwa geholfen, einen Freischwingerstuhl zu entwickeln, der in einem Guss gespritzt wird. Wir entwickeln Materialien für den Küsten- und Deichschutz. Unsere Kunststoffe machen Autos leichter und energieeffizienter. Diesen Wertbeitrag der Chemie müssen wir noch besser rüberbringen.

Was unterscheidet die BASF von anderen Unternehmen?

Wir haben im Vergleich zu manchen Wettbewerbern eine langfristige Strategie. Wir sind nicht auf den Quartalserfolg aus. Wir lassen uns durch kurzfristige wirtschaftliche Abschwünge nicht von unserer Strategie ablenken. Während der Asienkrise haben wir in asiatischen Staaten investiert und Kapazitäten aufgebaut. Mit Erfolg: Die Hälfte des Chemiewachstums wird künftig in Asien generiert. Wir wollen 2010 20 Prozent unseres Chemieumsatzes in Asien machen. Da sind wir schon nahe dran. 1995 waren wir erst bei zehn Prozent.

Und dann kommt ein Staatsfonds oder ein Finanzinvestor und schnappt sich die BASF.

Für die Finanzinvestoren sind die Zeiten ja nicht so günstig. Aber, natürlich: Wir sind davor auch nicht gefeit. Die BASF-Aktien sind frei zugänglich und breit gestreut. Unser wichtigster Schutz ist: Wir müssen so gut sein, dass es keinen Besseren gibt. Bestimmte Investoren steigen doch ein, wenn es Missmanagement gibt. Wir müssen täglich unter Beweis stellen, dass es niemand besser kann.

Sie werden die BASF noch bis 2011 führen. Sie werben für Ihre Positionen in Brüssel und Berlin, sind politisch gut vernetzt, reden häufig mit der Kanzlerin und ihren Ministern, streiten sich mit der EU-Kommission. Träumen Sie danach von einer Karriere in der Politik?

Ich habe noch viele Träume, aber diesen nicht.

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