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Jungunternehmer WiWo-Gründerwettbewerb: Heiße Masche

Mit schicker und fair gehandelter Kleidung fordern zwei Jungunternehmer große Modelabels heraus. Mit ihrer Idee gewinnen sie den WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerb.

Mitten in Köln, in einer Studentenbude, kommt der Ökoschick zu neuer Blüte. Die BWL-Studenten Anton Jurina und Martin Höfeler sind beseelt von dem Gedanken, ein Unternehmen zu gründen. Kein reines Internet-Geschäft, sondern etwas mit Waren zum Anfassen. Cool sollen ihre Produkte sein und die kreativen Talente ihres Freundeskreises einbinden. Eine Idee geht ihnen nicht aus dem Kopf: ein junges Modelabel, das Ökoklamotten sexy macht und die Kratzpulli-Branche aufmischt. „Die Ökomode muss endlich raus aus der Batik-Ecke“, sagt Jurina. Ein Jahr später. Jurina und Höfeler breiten an einem Konferenztisch in einer Jugendstil-Villa im Kölner In-Quartier Belgisches Viertel Werbeprospekte aus. Models sind darin abgebildet, in engen Hemden mit Aufdrucken, die wie Pop-Art aussehen. Es sind die Entwürfe für die Kollektion der „Armedangels“, dem ersten deutschen Social Fashion Label. Hinter dem luftigen Markennamen steckt das Konzept, Bilder und Schriftzüge weltbekannter Designer auf fair gehandelte und pestizidfrei hergestellte Kleidung zu drucken. Kunden können Entwürfe einreichen und im Internet bewerten lassen. Die besten werden produziert – die Armedangels demokratisieren die Ökomode. Ihre Idee fand bereits namhafte Unterstützer. Nicht nur Dutzende bekannter Künstler wie Julien Rivoire aus Paris schicken Skizzen. Die Idee begeisterte auch Investoren wie Axel Schmiegelow, der die Videoseite Sevenload groß machte sowie den Gründer des Musikportals Last.fm, Stefan Glänzer. Auch eine Risikokapitalfirma ist an Bord: Die Investmentmanager von BV Capital, die ihr Geld selten für so junge Firmen ausgeben, stiegen gleich nach dem ersten Treffen mit den Kölnern ein. Mit ihrer Idee, die den Zeitgeist trifft, einem stimmigen Geschäftsmodell und ihrem Elan überzeugten Jurina und Höfeler auch die Jury des WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerbs. Im Finale setzten sie sich gegen vier vielversprechende junge Unternehmen durch und erhalten nun mit dem ersten Platz ein Preispaket von über einer Viertelmillion Euro. Die korkbelatschten Pioniere der Fairtrade- und Öko-Bewegung wurden vor wenigen Jahren noch belächelt. Heute ruft die amerikanische Modebibel „Vogue“ den „Sustainable Style“ aus. Zukunftsforscher sprechen von einer neuen Konsumentengruppe: den „Lohas“, Jünger des sogenannten Lifestyle of Health and Sustainability. Sie vertreten einen Lebensstil, der sich an Gesundheit und Nachhaltigkeit orientiert. Die Lohas kaufen nicht nur Bio-Äpfel. Sie gehen auch in Öko-boutiquen – vorausgesetzt, die Sachen sehen gut aus. In den USA und Großbritannien wächst die Zahl von Geschäften exponentiell, die fair hergestellte Kleidung ins Programm nehmen. Luxus-Ökomarken wie Linda Loudermilk und die dänische Noir erfreuen sich wachsender Umsätze. So stieg der Absatz von Bio-Modeboutiquen seit 2004 jährlich um über 35 Prozent. Laut Organic Exchange, einer Lobbygruppe für Biowolle, wurden im Jahr 2006 organische Textilwaren im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar verkauft.

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