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Kaffeeketten Tchibo startet Barista-Offensive

Nach einem harten Sparkurs schaltet das Kaffeehaus wieder auf Wachstum um und will die deutschen Filialen aufmöbeln.

Kaffeerunde

Zwölf Frauen wuseln durch ein umgebautes Büro am Hamburger Überseering. Gelb auf blauem Grund leuchtet der Schriftzug „Tchibo Kaffeeakademie“ auf ihren Schürzen. Im Hintergrund zischen Espressomaschinen, ein Mahlwerk schreddert Kaffeebohnen. Eigentlich arbeiten die Frauen in den Filialen von Tchibo. Doch heute sind sie zur Ausbildung zum Barista, dem Experten an der Espressomaschine, in die Zentrale gereist. Schließlich sollen sie in den Läden demnächst nicht nur Mikrowellen und Oktoberfest-Dirndl verkaufen, sondern auch die Lehre von der perfekten Zubereitungstemperatur für Kaffee und dem optimalen Wasserdruck unter der Kundschaft verbreiten – und so das Qualitätsimage steigern.

An eine Runderneuerung war wegen der Krise kaum zu denken

Die Barista-Offensive ist Teil eines tiefgreifenden Umbauprogramms des Kaffeerösters, das – so die interne Hoffnung – auf das Geschäft ähnlich belebende Wirkung entfaltet wie ein doppelter Espresso. Die rund 800 Filialen sowie die Tchibo-Regalreihen in Supermärkten, die sogenannten Depots, werden dafür in den kommenden drei Jahren umgebaut, das Online-Geschäft wird auch im Ausland forciert.

Einer der wichtigsten Köpfe hinter der Aktion ist Thomas Holzgreve. Der Manager ist Vorstand der Holding Maxingvest, in der der Hamburger Kaufmannsclan Herz seine Anteile an Tchibo und dem Nivea-Hersteller Beiersdorf gebündelt hat (siehe Grafik). Als Holzgreve vor gut zwei Jahren in den Maxingvest-Vorstand einzog, war an derlei Runderneuerung kaum zu denken. Zu deutlich waren noch die Auswirkungen der Krise zu spüren, die die Verkaufsmaschine Jahre zuvor ins Stottern gebracht hatte.

Erst hatten Discounter wie Aldi und Lidl die Idee wöchentlich wechselnder Angebote, die bei Tchibo „Themenwelten“ heißen, imitiert. Die Pfannen, Boxershorts und Wanderstöcke der Billigheimer waren oft billiger als das Original. Später überließ das Unternehmen Ketten wie Starbucks und Woyton den Reibach mit kostspieligen Kaffeespezialitäten. Selbst den Trend zu hochprofitablen Kaffeekapseln und Italo-Sorten wie Espresso und Caffè Crema. Die Folge: Die Erträge brachen ein, in den Lägern stapelten sich Restposten.

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