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Kampf um Opel Blitz-Krieg: Warum General Motors gut für Opel ist

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Zum Liebling der Zentrale dürfte Opel vor allem wegen seiner sparsamen Motoren, Kompaktmodelle und erfolgreichen Entwickler werden. Gerade in den vergangenen Monaten zeichnete sich immer deutlicher ab, dass auch in den USA der Trend zu kleineren Fahrzeugen dauerhafter zu sein scheint. Die Autos, die am stärksten vom amerikanischen Gegenstück zur deutschen Abwrackprämie profitierten, waren überwiegend Kompaktfahrzeuge wie der Ford Focus, dessen Absatz im Juli um 44 Prozent nach oben schoss. Auch auf Märkten wie China beobachtet Christoph Stürmer, Autoexperte beim Beratungsunternehmen IHS Global Insight, seit einiger Zeit einen Trend zu Kompaktfahrzeugen, den man so vor wenigen Jahren noch nicht für möglich gehalten hätte:„Wenn man davon ausgeht, dass der Trend zu effizienteren und sparsameren Fahrzeugen nachhaltig ist, und das muss man, dann braucht GM das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim“, sagt Stürmer. Das beherrsche „die richtigen Themen.“

Noch hat GM keinen neuen Sanierungsplan für Opel vorgelegt. Erst in den kommenden Tagen wollen die Amerikaner der deutschen Bundesregierung einen ersten Entwurf unterbreiten. Doch es zeichnet sich bereits ab, dass sich die GM-Manager eng an den Plänen orientieren wollen, den sie in den vergangenen Monaten gemeinsam mit Magna ausgearbeitet haben. Bereits am Mittwoch versuchte GM-Vize John Smith die Opelaner mit dieser Botschaft zu beruhigen. Ziel aller Konzepte sei es, sagte Smith, die Strukturkosten um 30 Prozent zu senken.

Weg für Opel wird auch unter GM steinig

„Wir gehen alle davon aus, dass das den Abbau von rund 10.000 Stellen bedeutet.“ Ähnlich äußerte sich kurze Zeit später GM-Chef Fritz Henderson in einer Telefonkonferenz mit Journalisten: „Wenn die Gewerkschaften mit dem Magna-Plan glücklich waren, werden sie auch mit dem GM-Plan glücklich sein.“ Selbst GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster, dessen Ablösung wegen seiner Parteinahme für Magna als ausgemacht gilt, gab sich optimistisch. „Es gibt einen Restrukturierungsplan, er ist mit Magna ausgearbeitet worden, das heißt aber nicht, dass er ohne Magna falsch ist.“

Würde sich GM in Bezug auf Werksschließungen und Stellenabbau tatsächlich am Magna-Plan orientieren, wäre das vor allem aus deutscher Sicht eine gute Nachricht. Denn in den bisherigen Sanierungsplänen von GM wäre Deutschland viel härter getroffen worden. Das Sanierungskonzept „Viability Plan II+“, das GM im Sommer der Bundesregierung vorgelegt hatte, sieht vor, dass das Getriebewerke Rüsselsheim und das Werk Bochum geschlossen werden. Das Werk Eisenach soll zwischen 2010 und 2013 stillgelegt werden.

Dass der Weg für Opel unter GM trotzdem steinig wird, ist dazu kein Widerspruch, sondern ökonomisch notwendig. „Ford hat in Europa die Zahl seiner Werke von zwölf auf vier reduziert und steht heute auf der Kostenseite ungleich besser da als Opel. Diesen Vorsprung kann Opel nur noch mit harten Schnitten aufholen“, sagt Bain-Berater Matthies. Zugleich sind auch unter GM die Risiken einer Genesung beträchtlich. So muss GM selbst viel Geld hinblättern, um Opel auf Vordermann zu bringen. Die Absatzentwicklung in den USA lässt zweifeln, ob der Konzern dazu genügend verdient. Zwar scheint mit dem Plus von 5,6 Prozent in Nordamerika im Oktober zumindest ein weiterer Absturz wie beim Konkurrenten Chrysler abgewendet zu sein. Dennoch der US-Markt ist bis heute nicht angesprungen. Der Marktanteil von GM schrumpfte von einst rund 60 Prozent auf mittlerweile unter 20 Prozent.

Sorgen bereitet Experten auch die Konzernleitung in Detroit. Bei den operativ Verantwortlichen blieb durch die Insolvenz eine Frischblutzufuhr praktisch aus. Henderson, der höchstrangige unter ihnen, gehört zum GM-Inventar und erlitt beim Versuch, Opel an Magna zu verkaufen, eine schwere Schlappe. Die neun Mitglieder der Chefetage bringen es auf über 250 Jahre GM-Zugehörigkeit. Skeptiker sorgen sich deshalb, GM könntet die als bürokratisch geltende Managementkultur, verbunden mit Arroganz und Hybris, nicht schnell genug ablegen.

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