WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Kampf um Opel Blitz-Krieg: Warum General Motors gut für Opel ist

Seite 4/4

Probleme drohen GM auch in Russland. Mit der Absage an das Magna-Sberbank-Investorenkonsortium hat GM auch Wladimir Putin brüskiert. Bis zuletzt hatte Russlands mächtiger Premier sicher geglaubt, der Deal sei unter Dach und Fach. Mit Hilfe deutscher Technologie, so das Kalkül, sollten russische Hersteller endlich mal konkurrenzfähige Modelle entwickeln. Zum Dank hätte Putin für die Marke mit dem Blitz in Russland sämtliche Ampeln auf Grün geschaltet.

Jetzt muss GM den Zorn fürchten. GM ist bereits die Nummer zwei in Russland – auch dank Opel. Wenn es um den Schutz der heimischen Industrie geht, erhöht Putin schon mal die Importzölle, so geschehen, um den Verkauf der eigenen Lada-Fahrzeuge anzukurbeln.

Poker mit den Politikern

Just an dem Abend, als die GM-Absage im Moskauer Weißen Haus ankam, kündigte Putin die Tilgung der gewaltigen Avtovaz-Schulden in Höhe von 38 Milliarden Rubel (knapp 900 Millionen Euro) an. Zusammen mit Hilfen für Forschung und Entwicklung wird die Regierung zusätzlich rund 1,3 Milliarden Euro an den mit dem französischen Opel-Konkurrenten Renault verbandelten Konzern überweisen – und ihn damit auch finanziell wappnen für den Wettbewerb mit GM. Renault-Chef Carlos Ghosn kann sich freuen. Der Franzose bleibt weiter strategischer Partner Nummer eins und kann hoffen, dass Avtovaz als neue Priorität staatlicher Wirtschaftspolitik mit vielen Haushaltsmilliarden zum dominanten Player auf dem russischen Markt wird.

Wichtig dürfte auch werden, wie erfolgreich GM den sich abzeichnenden Weggang von Europa-Chef Forster kompensieren kann. Sollte GM einen Amerikaner entsenden, um Opel zu leiten „läuft die Belegschaft Amok. Da bleibt hier kein Stein auf dem anderen“, fürchtet ein Opel-Ingenieur. Es müsse schon ein erfahrener Automanager wie der Magna-Manager Herbert Demel sein, der als Nachfolger von Forster galt, für den Fall, dass Magna das Ruder übernimmt.

Jetzt müssen sich erst einmal die Politiker und GM-Manager einigen. Dabei ist die Drohung aus Berlin, kein Geld locker zu machen, ebenso leer wie der Konter von GM, Opel in die Insolvenz zu schicken. Die Amerikaner würden die Tochter Opel, die sich gerade mit dem Insignia und Astra herausputzen will, damit ruinieren und die besten Mitarbeiter zur Konkurrenz treiben. Umgekehrt wollen Berlin und die betroffenen Bundesländern Jobs erhalten. Taktisch sitzt General Motors am längeren Hebel. Die Amerikaner können die europäischen Opel-Staaten nun leicht gegeneinander ausspielen.

Eine Sonderrolle spielt Nordrhein-Westfalen. Dort wird im Mai gewählt, und dass die Amerikaner das Werk Bochum wie geplant dicht machen, wird Ministerpräsident Jürgen Rüttgers mit aller Macht zu verhindern suchen. Zu sehr muss der Christdemokrat fürchten, die Gewerkschaften könnten dann ein neues Kampflied anstimmen: „Der Mai ist gekommen, die Amis schmeißen raus.“

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%