WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Kampf um Opel "General Motors spielt mit Opel Monopoly"

Eine Entscheidung im Verhandlungspoker um Opel lässt weiter auf sich warten. Zwar gibt es Anzeichen dafür dass General Motors seinen Widerstand gegenüber Magna aufgibt. Ein Experte warnt aber, die Entscheidung könnte bis nach der Wahl verschleppt werden.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
General Motors Headquarter in Quelle: AP

Die Entscheidung über einen Verkauf des Autobauers Opel wird sich voraussichtlich noch etwas hinziehen. Bei weiteren Gesprächen der Beteiligten zu diesem Thema am Dienstag in Berlin seien keine konkreten Entscheidungen zu erwarten, hieß es aus Kreisen des Wirtschaftsministeriums. Es handle sich bei den beiden Gesprächsrunden um „reine Informationsgespräche“.

Auch der Aufsichtsrat der früheren Opel-Mutter General Motors legte sich bislang noch nicht auf einen der beiden verbliebenen Opel-Bieter Magna und RHJ fest. Bei der konstituierenden Sitzung des neu zusammengesetzten Gremiums wurde nach Angaben des Unternehmens keine Empfehlung für eine der beiden Offerten vorgelegt. Dies gebe nach Angaben des Opel-Betriebsrates jedoch Anlass zur Hoffnung, dass GM seine Ablehnung gegenüber Magna aufgibt.

GM soll Widerstand gegen Magna aufgeben

Im Berliner Wirtschaftsministerium sind heute zwei sogenannte „tripolare“ Gesprächsrunden angesetzt. Vertreter von GM, der Bundesregierung und den Opel-Ländern wollen sich in getrennten Unterrungen mit den beiden Bietern beraten und über aktuelle Entwicklungen informieren lassen. Ursprünglich hatte die Bundesregierung gehofft, die Entscheidung über den Opel-Käufer bis Ende vergangenen Monats zu finden. Allerdings haben sich GM sowie Bund und Opel-Länder noch auf keinen gemeinsamen Nenner einigen können.

Allerdings soll General Motors (GM) laut Betriebsrat von seiner ablehnenden Haltung gegen den Interessenten Magna International ablassen. „GM erkennt, dass sie keine Entscheidung gegen die Bundes- und Landesregierungen sowie die Arbeitnehmer treffen können“, sagte der Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz.

Bund, Länder und Gewerkschaften bevorzugen das Konzept des kanadisch-österreichischen Zulieferers Magna, weil es den Abbau von weniger Arbeitsplätzen vorsieht. Bislang hatte sich ein Teil des GM-Managements für den Finanzinvestor RHJI ausgesprochen, der Opel enger bei GM belassen würde.

Experte warnt vor Verschleppung der Entscheidung

Der GM-Verwaltungsrat hatte diese Position jedoch nicht bekräftigt und keine Empfehlung für einen der beiden Bieter ausgesprochen. „Das gibt Hoffnung“, sagte Franz. GM bewege sich von seiner harten Position weg. Bei den strittigen Fragen wie Patentrechten und dem Zugang zum russischen Markt habe es in den Verhandlungen bereits eine Annäherung gegeben. Der Betriebsratsvorsitzende erwartet daher in den seit Monaten andauernden Verhandlungen eine Einigung noch vor der Bundestagswahl.

Dagegen warnte der Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer davor, dass GM die Entscheidung weiter verschleppen könnte. GM versuche, seine Tochter Opel in die Insolvenz zu treiben und die Entscheidung bis nach der Bundestagswahl hinauszögern, damit der politische Druck aus Deutschland geringer werde.

Bei einer Insolvenz könne GM sich ohne große Sozialleistungen der Opel-Standorte Antwerpen, Bochum, Kaiserslautern und Ellesmere Port „entledigen“, schreibt der Experte für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen in einer Analyse. „Man gewinnt den Eindruck, GM spielt mit den Werken Monopoly“, kritisiert Dudenhöffer.

Nach Ansicht Dudenhöffers bevorzugt GM den Finanzinvestor RHJI, weil der US-Konzern später leichter Anteile zurückkaufen und Opel wieder integrieren könnte. Das Kalkül der Amerikaner sehe folgendermaßen aus: Da sich Bund und Länder gegen das RHJI-Angebot ausgesprochen haben und Magna bevorzugten, könnte es sein, dass die Länder die staatlichen Bürgschaften kündigten. „Damit bliebe die Insolvenz. Dies ist mit Sicherheit ein Szenario, das bei GM genau geprüft wird“, schreibt Dudenhöffer.

Auch Guttenberg für Insolvenz

Auch Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte das Thema Insolvenz mehrfach als Option ins Spiel gebracht. Der Opel- Betriebsrat lehnt dies aber ab - auch aus Angst, mögliche Opel-Käufer zu verschrecken.

Autoexperte Dudenhöffer geht davon aus, dass der GM-Konzern, der nach Ende des Insolvenzverfahrens wiedererstarkt ist, seinen Einfluss bei Opel in jedem Fall behalten möchte. „GM hängt stärker an Opel als vermutet“, schreibt Dudenhöffer.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%