Karstadt-Insolvenzverwalter Görg vergleicht Gläubiger-Beschwerden mit Erpressung

In ungewohnt scharfer Form kritisiert Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg in einem Brief an die 25 000 Karstadt-Mitarbeiter die Einsprüche zweier Gläubiger gegen den Insolvenzplan.

Das kommt ihm nicht in die Quelle: dpa

„Die Unsitte, Geld zu erpressen, ist von Hauptversammlungen und Aktionären bekannt. Leider greift sie auch bei Gläubigern um sich“, heißt es in dem Schreiben vom 28. September, das der WirtschaftsWoche vorliegt. „Die beiden Beschwerden haben nach meiner festen Überzeugung keinerlei Aussicht auf Erfolg“, so Görg. Das juristische Vorgehen könne den beiden Gläubigern aber „leider niemand untersagen“.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass der Bocholter Karstadt-Lieferant Gilde und die britische  Investmentfirma Dawnay Day Beschwerde gegen den Insolvenzplan eingelegt haben. Dies könnte die Übergabe des Warenhauskonzerns an den designierten neuen Eigentümer Nicolas Berggruen verzögern. Damit Karstadt wie geplant Ende der Woche aus der Insolvenz entlassen werde kann, „müssten beide Gläubiger ihre Beschwerden beim Amtsgericht zurück ziehen“, schreibt Görg. „Wir haben uns mit den Sachverhalten auseinandergesetzt, gegenüber dem Amtsgericht Stellung bezogen und prüfen, ob das Rechtsmittel der Beschwerde missbräuchlich eingesetzt wird.“

"Grob eigennützig"

Nach Ansicht Görgs verfolgen beide Beschwerdeführer „grob eigennützige Ziele“. Einerseits würden sie erwarten, dass ihre Forderungen gegenüber Karstadt zu 100 Prozent befriedigt werden. „Dies darf der Insolvenzverwalter gar nicht erfüllen“, so Görg. Andererseits würden beide Gläubiger ihre Beschwerden mit Anliegen verknüpfen, die mit Karstadt überhaupt nichts zu tun hätten. 

„Sicher stehen die Interessen der Beschwerdeführer in keinem Verhältnis zu dem Schaden, den sie für tausende Menschen anrichten – von ethischer Verantwortung ganz zu schweigen“, kritisiert Görg in dem Mitarbeiterbrief.   

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