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Karstadt Kreditversicherer tritt bei Arcandor auf die Notbremse

Euler-Hermes senkt sein Engagement bei Arcando. Deutschlands größter Kreditversicherer wird nicht mehr bei 85 Prozent der Rechnungssumme begleichen, sollte der Warenhauskonzern nicht mehr zahlen können.

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Noch ist der Rettungsring für Quelle: dpa

Wie das "Handelsblatt" nach eigenen Angaben vom Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie erfuhr, steht die Hamburger Assekurranz ab sofort im Fall einer Zahlungsunfähigkeit nur noch für 60 Prozent der ausstehenden Rechnungssumme gerade. Zuletzt konnten Lieferanten der Arcandor-Konzerntöchter wie Karstadt oder Quelle noch mit 85 Prozent rechnen.

Eine Euler-Hermes-Sprecherin wollte die drastische Erhöhung der Selbstbeteiligung der Zeitung zufolge aus grundsätzlichen Erwägungen nicht kommentieren. Arcandor bestätigte zwar, dass die Selbstbeteiligung von einigen Kreditversicherern erhöht worden sei. Nach eigenen Erkenntnissen sei dies aber „nicht Arcancor-spezifisch, sondern reflektiert die allgemeine konjunkturelle Marktentwicklung“, sagte ein Sprecher des Unternehmens der Nachrichtenagentur dpa.

Ab 12. Juni droht Insolvenz bei Arcandor

Ohne Staatshilfe, die Konzernchef Karl-Gerhard Eick vor kurzem beantragt hat, droht Arcandor ab dem 12. Juni die Insolvenz. Das Unternehmen, das zu diesem Termin eine Anschlussfinanzierung benötigt, fordert Bundesbürgschaften über 650 Millionen Euro sowie KfW-Kredite über 200 Millionen Euro. Neben Eick wollen jetzt auch die Mitarbeitervertreter des angeschlagenen Handels- und Touristikkonzerns direkt mit den Politikern in Berlin über die Rettung des Unternehmens verhandeln.

„Wir haben um einen Termin bei Kanzlerin Merkel und den Ministern Steinmeier und Steinbrück gebeten, in dem wir die Probleme noch einmal detailliert aus Sicht der Arbeitnehmer darlegen wollen“, sagte Hellmut Patzelt, Gesamtbetriebsratschef von Karstadt, der Tageszeitung „Die Welt“.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Laurenz Meyer, lehnt Staatshilfen für Arcandor weiterhin ab. „Bei Arcandor würden Managementfehler unterstützt“, sagte er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Sie können nicht auf Kosten des Steuerzahlers ausgeglichen werden.“

Auch der Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin sprach sich gegen jede Unterstützung für das Unternehmen ab. „Bei Arcandor haben die Eigentümer die Manager beauftragt, das Unternehmen ordentlich auszuplündern. Nichts anders ist das Modell, die Häuser in den besten Innenstadtlagen an sich selbst zu verkaufen und anschließend die Miete zu erhöhen“, sagte Jürgen Trittin der Oldenburger „Nordwest-Zeitung“. „Dafür darf der Staat nicht in die Haftung treten.“

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