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Karstadt, Quelle und Thomas Cook Arcandor-Pleite und die Folgen

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Die Mitarbeiter

Geschockt reagierten die Arcandor-Mitarbeiter auf die Insolvenz. Und in der Tat: Mit einem Schlag ändern sich viele Rahmenbedingungen. Das sogenannte Insolvenzgeld wird zum Beispiel für die kommenden drei Monate vom Bund bezahlt, sollte Arcandor nicht mehr in der Lage sein, Löhne zu begleichen. Dieses bemisst sich an dem Nettogehalt.

 „Sofern Arcandor keinen Lohn zahlt, springen wir mit dem Insolvenzgeld ein“, so eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit.  Zum Gesamtvolumen sagte sie nichts. Die Behörde zahlt aber erst, wenn das Insolvenzverfahren eröffnet ist - und dann für die drei zurückliegenden Monate. Wenn das Verfahren also zum 1. September eröffnet wird, zahlt die BA rückwirkend für Juni bis August ausstehende Löhne und Gehälter. Die BA kann das Insolvenzgeld unter bestimmten Voraussetzungen aber auch als Vorschuss zahlen, wenn relativ sicher ist, dass das Insolvenzverfahren wirklich eröffnet wird.

Schließlich sollen die Beschäftigten nicht drei Monate lang ohne Geld dastehen. Sie zahlt dabei das volle Gehalt bis zur Beitragsbemessungsgrenze der Arbeitslosenversicherung (im Westen 5400 Euro im Monat, im Osten 4550 Euro). Die Ausgaben für das Insolvenzgeld belasten nicht den Etat der Arbeitsagentur und die Arbeitslosenversicherung. Es wird über eine Umlage der Arbeitgeber finanziert, die derzeit 0,1 Prozent der Lohnsumme ausmacht.

Die Unternehmen

Über die Deutsche Post wurde bereits bekannt, dass sie als Dienstleister von einer Arcandor-Pleite direkt in Mitleidenschaft gezogen wird. Die Bonner erledigen für Arcandor vor allem Dienstleistungen im Logistik- sowie im Paket- und Briefgeschäft. 4000 Mitarbeiter sind mit Arcandor-Aufträgen beschäftigt.

Sofern das Geschäft bei Quelle eingestellt würde, wären auch hier Zulieferer betroffen - zum Beispiel der Küchen-Fabrikant Max Kempfle aus dem oberbayerischen Neuburg/Donau. Fast 90 Prozent seines Umsatzes erzielt er mit Quelle. Sollte er diesen Kunden verlieren, dann - so machte er kürzlich auf einer Kundgebung in Nürnberg deutlich - müsste er seine Firma schließen. Weitere 100 Menschen stünden auf der Straße.

Insgesamt spricht Arcandor von 20.000 Arbeitsplätzen bei Zulieferern, vor allem bei mittelständischen Unternehmen, die betroffen sein könnten. Ein Insolvenzverwalter kann generell Verträge mit Lieferanten schneller und einfacher kündigen, um günstigere Vereinbarungen zu erreichen.

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