WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Kaufhäuser Karstadt-Rettung bringt Metro in die Bredouille

Seite 2/2

Warenhauskonzerne

Metro-Chef Cordes wird sich nun wohl damit abfinden müssen, dass er ein Unternehmen ohne allzu große Wachstumschancen verkaufen muss. Der Marktanteil der Warenhäuser hierzulande sinkt, der deutsche Markt leidet unter zu viel Einzelhandelsflächen, eine Expansion ins Ausland käme sehr teuer.

Immerhin ist Kaufhof, trotz der strukturellen Widrigkeiten, profitabler als die Metro-Tochter Real und die deutsche Großmarktsparte – von Karstadt ganz zu schweigen. 2009 spielte das Unternehmen rund 119 Millionen Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern ein und war laut internen Zahlen in der Lage, zusätzlich rund 7,5 Prozent des Umsatzes an Miete zu bezahlen. Da rund die Hälfte der Kaufhof-Häuser einer konzerneigenen Immobiliengesellschaft gehören, fließt so eine erkleckliche Summe in die Metro-Kassen. Insider schätzen, dass die Mietrückflüsse ähnlich hoch ausfallen wie die Erträge aus dem eigentlichen Geschäft.

Im Verkaufsprozess wird daher zwischen dem operativen und dem Immobiliengeschäft von Kaufhof unterschieden. Auf rund 1,43 Milliarden Euro würden intern die Immobilien taxiert, heißt es in Finanzkreisen. Bei der Hauptversammlung seines Konzerns 2009 hatte Cordes zudem den Buchwert des Kaufhof-Geschäfts mit 729 Millionen Euro beziffert, soll in Gesprächen mit Investoren aber einen „deutlichen Aufschlag“ gefordert haben. Kaufhof sei schließlich eine „Ertragsperle“, sagt ein Sprecher, ohne die Zahlen kommentieren zu wollen.

Dünnes Sanierungskonzept für Karstadt

Doch klar ist auch: Die Profitabilität ist nicht die Folge neu entfachter Kaufbegeisterung in den Geschäften – die Umsätze stagnieren seit Jahren. Vielmehr hielt Spartenchef Mandac seinen Laden mit strikter Kostendisziplin auf Kurs.

Unrentable Häuser wurden geschlossen, die Personalkostenquote sukzessive gesenkt. Nun scheinen die Sparmaßnahmen allerdings ausgereizt. Als das Management jüngst die wöchentliche Arbeitszeit der Mitarbeiter von 37,5 auf 42 Stunden erhöhen wollte und im Gegenzug mit Beschäftigungsgarantien lockte, meuterte der Kaufhof-Gesamtbetriebsrat. Inzwischen sei das Thema vom Tisch, heißt es auf der Arbeitnehmerseite. Die Verhandlungen seien nur „ausgesetzt“, betont dagegen ein Konzernsprecher.

Im operativen Geschäft hält sich die Sorge bei Metro vor Berggruens Engagement bei Karstadt indes in Grenzen. Mit einem jährlichen Investitionsprogramm von angeblich rund 60 Millionen Euro lässt sich bei Karstadt nicht viel ausrichten. Dass der dandyhafte Investor einen Geheimplan aus der Tasche zaubert, mit dem er Karstadt auf einen Schlag neue Wettbewerbskraft einhauchen könnte, bezweifeln viele Branchenexperten. Zu groß sind die Schwächen des mühselig geretteten Unternehmens (siehe Grafik), das Sanierungskonzept des Investors blieb bislang so durchsichtig wie ein Glas Milch.

Nur so viel ließ Berggruen verlauten: Gemeinsam mit dem US-Textilunternehmer Max Azria wolle er Karstadt „frische und attraktive Perspektiven“ eröffnen. Dem Gläubigerausschuss soll Berggruen derweil ein Rettungskonzept vorgelegt haben, das stark am Basisplan des Insolvenzverwalters orientiert ist.

Nach Berechnungen des deutsch-schwedischen Finanzinvestors Triton, der ebenfalls für Karstadt geboten hatte, würde dieses Konzept jedoch dazu führen, dass Karstadt spätestens in drei Jahren wieder Millionenverluste schreibt. Die Sanierung würde schlicht verpuffen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%