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Kinderfahrzeuge Warum Kettler so oft an der Kippe stand

Im Gegensatz zu Puky wäre Konkurrent Kettler fast zerbrochen, weil die Produktpalette immer weiter ausuferte.

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Kettler-Rudertrainer von 1970. Marktführer bei Kraftsport- und Ausdauergeräten

Woher das Kettcar seinen Namen hat? Vom Kettenantrieb jedenfalls nicht – auch wenn die meisten das glauben. Benannt wurde das vierrädrige Tretfahrzeug, auf dem unzählige Kinder in Deutschland in den vergangenen fünf Jahrzehnten ihre ersten Mobilitätserfahrungen gesammelt haben, nach seinem Erfinder Heinz Kettler.

Das Familienunternehmen, das Kettler 1949 im sauerländischen Ense-Parsit gründete, hat im Laufe der Jahre viele Produkte auf den Markt gebracht, die bei fast jedermann im Kinderzimmer oder Hobbyraum, in Garten, Keller oder Garage zu finden sind. Kettler ist unangefochtener Marktführer bei Fitnessgeräten für Ausdauer- und Kraftsportler. Zum Sportprogramm gehören Tischtennisplatten aus Aluminium, Fahrräder jeden Typs für Kinder und Erwachsene. In den Kettler-Werken entstehen außerdem Laufräder, Wippen, Rutschen, Schaukeln, Roller und Dreiräder für Kinder sowie Möbel für Kinderzimmer, Balkon und Garten.

300 Millionen Euro Umsatz durch breites Sortiment

Doch anders als für Konkurrent Puky sind die vergangenen sechs Jahrzehnte für Kettler keine ungetrübte Erfolgsgeschichte. Das Unternehmen ist zwar in seinen Stammmärkten Trendsetter oder Marktführer, litt mit der Zeit aber immer mehr an seiner ausufernden Produktpalette. Sogar das ansonsten längst verschwundene Prunkstück für den Schrebergartenbesitzer der Fünfziger- und Sechzigerjahre ist bei Kettler noch im Angebot: Die Hollywoodschaukel „Avantgarde Vip“ gibt es als Drei- oder Zweisitzer. Kaum ein Unternehmen in dieser Größenordnung – die rund 2.000 Kettler-Mitarbeiter an den sechs deutschen Standorten und einer Fertigungsstätte in Polen erwirtschafteten im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 300 Millionen Euro – hat ein so breites Sortiment mit so geringen Synergien zwischen den einzelnen Geschäftsbereichen.

Mit dem aus der Vielfalt resultierenden Kostenproblem hat Kettler seit einigen Jahren zu kämpfen, zumal der größte Teil des Sortiments bis heute made in Germany ist. Hinzu kommen die Nachwirkungen eines Führungsvakuums, das mit der schweren Krankheit von Firmengründer Kettler 2004 begann und bis zu seinem Tod zwei Jahre später dauerte. Ein Neuanfang war erst möglich, als Alleinerbin Karin Kettler, eine promovierte Biologin, 2005 die Geschäftsleitung übernahm und Ex-Reebok-Manager Hans-Hermann Deters als Vertriebs- und Marketingchef holte.

Abbau von Arbeitsplätzen geringer als gedacht

Der startete – mitten in der globalen Krise – ein Restrukturierungsprogramm, um die Krise im eigenen Laden in den Griff zu bekommen. Die Erfolgschancen stehen gut – zumindest fällt der Arbeitsplatzabbau deutlich geringer aus als befürchtet: Statt der noch im Frühjahr angekündigten 600 Stellenstreichungen soll nun die Hälfte ausreichen. Die Standorte bleiben bis auf einen erhalten. „Die Produktion in Kamen wird aufgegeben, dort entsteht eine Logistikzentrale“, kündigte Deters an. Die bisher auf mehrere Standorte verteilten Lager für Westeuropa werden künftig in Kamen zusammengelegt. Seinen in 60 Jahren aufgebauten Ruf als Hersteller innovativer und qualitativ hochwertiger Konsumgüter will Kettler auf jeden Fall erhalten: Zum Umbauprogramm zählt auch ein neues Innovationscenter.

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