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Kirch-Prozess Rachefeldzug gegen die Deutsche Bank

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Verlegerin Friede Springer Quelle: dapd

Im Mittelpunkt steht dabei eine Vorstandssitzung der Deutschen Bank vom 29. Januar 2002. Für das Institut ein einschneidendes Datum. So ging es auch um die Einführung des neuen Führungsgremiums Group Executive Committee, das neben den Vorstand treten sollte. Aus Protest trat der damalige Vorstand und spätere WestLB-Chef Thomas Fischer zurück. „Kirch kam in der Sitzung nur am Rande vor“, heißt es in Bankkreisen.

Laut Protokoll der Sitzung berichtete Breuer dort kurz über die Lage Kirchs und die mögliche Verschärfung der finanziellen Krise des Medienkonzerns. Die Kredite der Deutschen Bank seien mit Kirchs Anteil am Axel-Springer-Konzern ausreichend besichert. Anschließend erwähnte Breuer ein offenbar vorhandenes Interesse Rupert Murdochs am Kirch gehörenden Bezahlsender Premiere. Darauf heißt es: „Die Deutsche Bank ist gebeten worden, als Vermittler zu fungieren. Der Vorstand zieht als ersten Schritt in Erwägung, Herrn Kirch um die Erteilung eines Beratungsmandates zu bitten. Falls er ablehnen sollte, könnten wir als Berater anderer interessierter Parteien tätig werden. Der Vorstand hat beschlossen, dass wir die Gespräche fortsetzen sollten.“

Für die Kirch-Seite heißt das: Die Deutsche Bank wollte den Konzern in die Insolvenz schicken und dann mit der Restrukturierung und dem damit verbundenen Verkauf einzelner Beteiligungen ein dickes Geschäft machen. Wenige Tage nach dem umstrittenen Interview traf Breuer Kirch am Münchner Flughafen und bot ihm an, dass die Deutsche Bank „als Schutzschild“ wirken könne.

Dass die Bank nun angeboten hat, ihre Vorstände in München aussagen zu lassen, werten Kirch-Kreise als Versuch, die aus ihrer Sicht eindeutigen Aussagen des Protokolls umzudeuten. Das Institut sieht den Aufmarsch der Top-Leute dagegen als Gelegenheit, Unklarheiten zu beseitigen. Breuer habe Kirch nicht schädigen wollen, und es habe auch kein Plan zur Verwertung der Insolvenzreste bestanden.

Prominente Zeugen

Um Licht ins Dunkel zu bringen, wird in den kommenden Wochen noch mehr Prominenz nach München reisen. Verlegerin Friede Springer ist ebenso geladen wie Ex- Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff. Ende Januar 2002 hatte auf Einladung des damaligen Kanzlers Gerhard Schröder ein Gespräch wichtiger Medienmanager über die Zukunft des Kirch-Konzerns stattgefunden. Auch Breuer nahm teil.

Anlass sei vor allem die Sorge gewesen, dass ausländische Investoren bei einer Kirch-Insolvenz Einfluss auf wichtige deutsche Medien wie die „Bild“-Zeitung gewinnen könnten, heißt es in Deutsche-Bank-Kreisen. Die Kirch-Seite vermutet, dass damals vereinbart wurde, dass Friede Springer mithilfe der Deutschen Bank die Mehrheit an dem Verlag zugeschanzt bekommen sollte. Die Verlegerwitwe übernahm schließlich auch einen Teil der als Sicherheit an die Deutsche Bank verpfändeten Aktien. Ein entsprechender Plan habe jedoch nicht existiert, heißt es bei der Deutschen Bank.

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