WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Kirch-Prozess Rachefeldzug gegen die Deutsche Bank

Seite 3/3

Viele der im aktuellen Prozess zu klärenden Fragen sind bedeutend für das wichtigste Verfahren, das ebenfalls das Oberlandesgericht beschäftigen wird. Dabei geht es um Schadensersatz in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro für Kirchs Printbeteiligung, die vor allem aus den Springer-Anteilen bestand. Nur diesem Teil der Gruppe hatte die Deutsche Bank einen Kredit gegeben. Deshalb hatte der Bundesgerichtshof schon 2006 grundsätzlich eine Pflichtverletzung Breuers und einen Anspruch Kirchs bejaht. Allerdings müsste der einen Schaden nachweisen, womit er 2009 vor dem Landgericht scheiterte.

Solange die beiden Münchner Prozesse nicht endgültig entschieden sind, wird die beispiellose Klagewelle nicht abebben, mit der Kirchs Kanzlei Bub, Gauweiler & Partner die Bank überzieht. Die Fronten sind sachlich wie persönlich verhärtet.

Rund 40 Prozesse laufen in verschiedenen Instanzen oder sind bereits entschieden. Die Kirch-Anwälte fechten Beschlüsse der Hauptversammlung der Bank an, stellen Strafanzeigen, bombardieren das Institut mit Schriftsätzen und Gutachten. Die enthalten oft ein Gemisch aus Fakten und teils plausiblen, teils abstrusen Verschwörungstheorien. Mit dem eigentlichen Verfahren haben einige nur am Rande zu tun – etwa die Vorwürfe gegen den Deutsche-Bank-Aufsichtsrat Karl-Gerhard Eick. Der Streit tobt auf allen Ebenen: So hat auch schon ein Kirch-Sprecher einen Sprecher der Deutschen Bank wegen übler Nachrede angezeigt.

Breuer wird sich demnächst auch vor dem Strafgericht verantworten müssen. Die Staatsanwaltschaft München hat auf Antrag der Kirch-Anwälte Anklage wegen versuchten Prozessbetrugs erhoben. Breuer hatte ausgesagt, keine spezifischen Kenntnisse über die wirtschaftliche Lage Kirchs gehabt zu haben. Vor allem ein Schreiben der Deutschen Bank an die Finanzaufsicht BaFin über ihr Kredit-Engagement bei Kirch von Ende 2001 soll nun das Gegenteil beweisen. Die Bank argumentiert, dass der Zustand des Medienkonzerns allgemein bekannt war.

Einige Prozesse hatten direkte Folgen für die Bank. So musste sie die Vergütungen der einzelnen Mitglieder des Group Executive Committees offenlegen. Breuer trat 2006 wegen der Auseinandersetzungen als Aufsichtsratsvorsitzender zurück.

Gegen den Klagemarathon griff das Institut auch zu zweifelhaften Methoden. So hatten Manager der Bank diskutiert, eine Juristin in die Kanzlei Bub, Gauweiler & Partner einzuschleusen. Die Maulwurfaktion wurde dann zwar abgeblasen, sorgte aber für eine weitere Reihe von Anzeigen. Ein Teil der Verfahren wurde eingestellt, andere – etwa gegen den von der Bank beauftragten Sicherheitsberater – laufen noch.

Mit dem Kirch-Kredit soll bei der Deutschen Bank damals auch Gerhard Gribkowsky befasst gewesen sein. Heute sitzt der Ex-BayernLB-Vorstand in Untersuchungshaft, weil er beim Verkauf von Anteilen an der Formel 1 ungerechtfertigte Provisionen erhalten haben soll. Auch die Rennserie gehörte vor der Pleite zu Kirchs Reich. Kein Wunder, dass er nun auch gegen die Landesbank juristisch ins Feld zieht. 

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%